Viele "Kleine" mit großen Wahl-Träumen

21. Juni 2006, 14:29
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KPÖ, SLP und "Initiative 2000" fix, Liberale und Martin überlegen noch Kandidatur

Wien - Rechnet man alle zusammen, könnten bei der Nationalratswahl im Herbst sogar neun Parteien antreten. Neben ÖVP, SPÖ, Grünen, BZÖ und FPÖ gibt es so viele "Kleine" wie schon lange nicht, die eine Kandidatur überlegen oder schon beschlossen haben. Wähler für die "Kleinen" gäbe es - theoretisch - genug: Rund ein Viertel aller Wähler fühlt sich von Protestparteien, Splittergruppen und "alternativen Listen" potenziell angesprochen. Dieses Spektrum ist der Stoff, aus dem die Träume der Kleinparteien sind. Sie erhoffen sich, genau in diesem Milieu der polit-verdrossenen Wähler zu punkten.

Nischenprogramme

Fix ist beispielsweise die Kandidatur einer Liste, die bis dato nur burgenländischen Feinspitzen ein Begriff sein dürfte: "Initiative 2000". Sie unterstützt die Spitzenkandidatur ihres Gründers Michael Sommer, der nicht möchte, dass "Mütter in eine unversorgte Zukunft fallen". Sommer hat die für eine Kandidatur notwendigen 2600 Unterstützungsunterschriften schon gesammelt.

Ernsthaftere Chancen auf den Einzug in den Nationalrat hätte die KPÖ gehabt - wenn Ernest Kaltenegger den Spitzenkandidaten gegeben hätte. Doch der will in der Grazer Burg bleiben. Einstweilen streiten sich der steirische KPÖ-Chef Stephan Parteder, der seine Kandidatur am Freitag bekannt gab, und KPÖ-Bundesvorsitzender Mirko Messner (Kärnten) um die Listenführerschaft. Eine endgültige Entscheidung fällt am Parteikonvent im Juli.

Chancen

Am besten bewertet werden die Chancen von Hans-Peter Martin, in den Nationalrat einzuziehen - wenn er denn kandidiert. Als "aus heutiger Sicht wahrscheinlich" bezeichnete Martin seine Kandidatur unlängst bei einer Diskussion in Wien. Fix ist es noch immer nicht. Das liegt bestimmt nicht an zu wenigen Unterstützungsunterschriften: Martins Popularität wird schon durch seine wöchentliche Sonntags-Kolumne in der Krone sehr befördert. Allein: "Es ist leichter, eine Liste für die EU-Wahl zusammen zu stellen als für die Nationalratswahl", meint der Politologe Peter Filzmaier. 43 Kandidaten - einer für jeden Wahlkreis - wären nötig, wolle man realistische Chancen haben.

Das macht wohl auch eine Kandidatur der Liberalen schwierig, dazu kommt noch das Fehlen eines Spitzenkandidaten. Karin Resetarits hilft bei der Suche, will aber nicht selbst in den Ring steigen.

Sonja Grusch, Bundessprecherin der "Sozialistischen Linkspartei" (SLP), will das schon, allerdings sei noch nicht klar, ob die SLP allein als "alternative Linkspartei" oder im Rahmen eines "linken Bündnisses" kandidiere. Auch die ultrakonservative "Christliche Wählergemeinschaft" (CWG) will kandidieren, sie setzt sich für "umfassenden Lebensschutz" ein.

Filzmaier relativiert freilich Erwartungen, ab Herbst ein "bunteres" Parlament vorzufinden: "Am Ende des Wahlkampfs, wenn es um Platz eins geht, wird die Luft sehr dünn. Da bleiben die meisten auf der Strecke." (DER STANDARD, Printausgabe 10./11.6.2006)

Von Petra Stuiber
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