Israelischer Beschuss von Strand im Gaza-Streifen

11. Juni 2006, 18:45
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Demonstration von Isralis - Mindestens sieben Tote - Armee: Fehlgeleitete Granate oder Sprengstoffexplosion - Abbas will Vollwaise adoptieren

Tel Aviv - Rund hundert Menschen haben am Samstagabend vor dem Sitz des israelischen Generalstabschefs Dan Halutz in Tel Aviv gegen den Angriff auf palästinensische Zivilisten vom Freitag demonstriert. Einige der israelischen Friedensaktivisten riefen "Mörder". Unter den Demonstranten soll auch die Tochter des israelischen Regierungschefs Ehud Olmert, Dana, gewesen sein. Nach Angaben eines der Organisatoren war sie als Privatperson am Ort; als sie fotografiert worden sei, sei sie wieder gegangen. Bei dem Angriff im Gazastreifen waren acht Zivilisten getötet worden, darunter eine Familie mit drei Kindern.

Bei dem Beschuss eines Strandes im Gaza-Streifen starben mindestens sieben Menschen, darunter drei Kinder, mehr als 20 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Peretz: Ermittlungen dauern noch ein bis zwei Tage

Halutz sagte bei einer Pressekonferenz in Tel Aviv, es sei noch nicht geklärt, was sich am Freitag an dem Strand im Gazastreifen ereignet habe. Ein Beschuss durch die israelische Marine oder Luftwaffe könne aber ausgeschlossen werden. Es blieben zwei Möglichkeiten: "Artillerie oder eine interne palästinensische Angelegenheit". Nach Angaben von Verteidigungsminister Amir Peretz werden die Ermittlungen der Armee noch ein bis zwei Tage dauern.

Abbas will Vollwaise adoptieren

Unterdessen kündigte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas an, das zehnjährige Mädchen zu adoptieren, das bei dem Vorfall am Freitag seine ganze Familie verloren hatte. Abbas empfing die kleine Huda am Samstag in seinem Büro in Gaza. "Es handelt sich zweifelsfrei um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte Abbas zu dem Angriff, der international Empörung ausgelöst hatte.

Armee: Fehlgeleitete Granate oder Sprengstoff von Terrorgruppen

Die israelische Armee geht letzten Meldungen zufolge davon aus, dass die Explosion von einer fehlgeleiteten Granate oder durch Sprengstoff von Terrorgruppen ausgelöst worden wäre. Zuvor war mitgeteilt worden, ein Marineboot habe mit Artillerie auf Positionen gefeuert, von denen aus es Angriffe auf Israel mit Kassam-Raketen gegeben habe. Augenzeugen berichteten, dass der Strand von israelischen Booten beschossen worden wäre.

Das palästinensische Fernsehen berichtete über bis zu 15 Tote. Laut palästinensischen Angaben badeten hunderte Menschen an dem Strand, als die Boote das Feuer eröffneten.

Untersuchung angekündigt

Der israelische Generalstabschef Dan Haluz befahl einen Stopp der Artillerieangriffe auf Ziele im Gaza-Streifen. Berichte über den Tod palästinensischer Zivilisten bei einem Angriff auf den Strand des Autonomiegebiets sollten untersucht werden, sagte ein Armeesprecher in Tel Aviv. "Wir bedauern den Zwischenfall", sagte der Sprecher. Israel habe medizinische Unterstützung angeboten. (red/APA/dpa)

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    Zahlreiche Verletzte wurden in Krankenhäuser im Gaza-Streifen eingeliefert.

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    Die israelische Armee veröffentlichte Bilder eines menschenleeren Strandes, auf dem Granaten einschlagen. Laut palästinensischen Angaben badeten dort hunderte Menschen, als die Boote das Feuer eröffneten.

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