Männer und Worte

7. Juni 2000, 18:37

Wie meinen? - Neuere Literatur zu freiheitlichen Sprüchen

Worte. Just words, liebe Freunde im Ausland! Man muss doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen! Kein Bewusstsein der Wahl seiner Worte. Wenn man will, kann man anscheinend immer. Etwas hineininterpretieren! So ein junger Mensch. Gerade an diesem Tag hat er erst seinen vierzigsten Geburtstag gehabt. Und ist gewählt worden. Mit 56,9 Prozent der Stimmen. Und jetzt verdirbt man ihm gleich die Freud.

Unbewusstes? Ach was, jetzt hört's auf mit den ewigen Unterstellungen! So etwas haben wir nicht, so etwas brauchen wir nicht, so etwas kommt in dieser Partei nicht vor! Bei Herrn Kolig vielleicht und anderen lang genug subventionierten Dreckfinken. Das Innerste nach außen gekehrt, pfui Teufel, aber bei uns doch nicht!

Bei uns werden solche Worte ganz bewusst an ältere Parteimitglieder gerichtet. Auch wenn wir nachher nicht wissen, was sie bedeuten.

Only forty, ein zartes Alter wahrhaftig, man darf nicht so grob sein mit einem heranwachsenden Menschen. Herangewachsen immerhin zum Landesparteiobmann des größten österreichischen Bundeslandes.

Begabt wie so viele unter uns - originelle Buchstabierer und wortschöpfende Scherzbolde. "Unsere Ehre heißt Treue": Wessen Wahlspruch soll das gewesen sein? - Ja so was, er hat ja gewusst, er hat das schon irgendwo gehört, aber man kann sich schließlich nicht alles merken. Es hat ihm halt gefallen, es klingt ja ganz gut, nichtwahr, nur ganz wenige Delegierte, liest man, hat der Ausspruch irritiert.

Also mit einem Wort, man kann ihm das doch nicht zum Vorwurf machen. Spontan ist das gekommen, sagt er, na also, deswegen muss man doch hierzulande nicht zurücktreten. Noch dazu wo man gerade erst vorgetreten ist, wieder einer, den der Chef, das einfache Parteimitglied, nicht kennen wird bei allfälligen Fernsehdiskussionen mit schlecht vorbereiteten oder angesichts solcher Kaltschnäuzigkeit perplexen Partnern. Da brauchen die dem Mann beispielsweise nur einen falschen Vornamen zu verpassen (etwa Emil statt Ernest) - schon wird ihn der Boss, weil er gescheit ist und weiß, wie erstaunlich blöd seine Gesprächspartner sein können, verleugnen.

Nein, mit diesen alten Geschichten haben wir nichts am Hut, es ist schon lästig, dass die schon wieder mit so was daherkommen, die Jagdgesellschaft, die Vernaderer. Wir sind nämlich neu, attraktiv, zielstrebig und intelligent oder wie war das? Und der Chef war ja auch noch jung, als er so schöne Worte gefunden hat damals für die alten Leute, die vor allem ihre Pflicht getan haben: ungefähr im gleichen Alter.

Und dann hat er sich eh entschuldigt dafür, falls sich jemand kurioserweise durch so was verletzt gefühlt haben sollte, von sich aus (von mir aus hat er gesagt, nicht meinetwegen, wie das die meisten Kommentatoren übersetzt haben, von sich aus also, nicht etwa durch irgendwen oder gar durch politische Opportunität gedrängt).

Also erstens haben wir so etwas, was die uns unterstellen, meistens nicht gesagt, zweitens können wir uns selten dran erinnern und drittens ist das (mangels historischer Bildung, wie die in der "Zeit im Bild" unser Statement ausnahmsweise richtig wiedergegeben haben: Damit steht der neue Landesparteiobmann nicht allein, nein, das könnte ihn nachgerade populär machen) in diesem Land des Lächelns keine Affär - forget it.

Peter Henisch ist Schriftsteller in Wien; zuletzt ist von ihm im Residenzverlag der Entwicklungsroman "Schwarzer Peter" erschienen.

Variationen zum Thema "Ehre" und "Treue" von Peter Henisch und einer Autorengemeinschaft der AUF, nebst einem Fian-Dramulett im Blaulichtmilieu.
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