Offensiv-Künstler vs Betonmischer

11. Juni 2006, 12:37
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Niederländer haben Abwehrriegel von Serbien-Montenegro zu knacken - Ruud van Nistelrooy prognostiziert ein "hartes Match" - Alle Verletzten wieder an Bord

Leipzig/Wien - Am Sonntag steht ab 15 Uhr Spiel Nummer sechs auf dem Programm der 18. Fußball-WM-Endrunde. Und dennoch kommt es zu einer Premiere: In der Gruppe-C-Partie prallen in Leipzig mit Serbien-Montenegro und den Niederlanden nämlich erstmals im Rahmen des Turniers in Deutschland zwei Europa-Vertreter aufeinander. Es wird ein Kampf der Systeme erwartet. Die einen, die Oranjes, gelten als Offensiv-Künstler, die anderen, die Männer vom Balken, als Betonmischer.

Im ersten WM-Spiel seit acht Jahren müssen sich die Niederländer, die in der Qualifikation unbesiegt blieben (10 Siege, 2 Remis, 27:3 Tore), auf einen ebenso unangenehmen wie gefährlichen und starken Rivalen einstellen. Edwin van der Sar, einer von drei WM-"Veteranen" von 1998, stellte sich jedenfalls schon auf harte Arbeit ein. "Es wird sehr schwer, aber wir sind als Team zusammen gewachsen und gut vorbereitet. Ein Sieg gäbe viel Selbstvertrauen", sagte der 35-Jährige jedoch zuversichtlich.

Die Elf von Ilija Petkovic, die nach dem WM-Turnier auf Grund der Abstimmung der Bevölkerung in der Heimat nicht mehr gemeinsam auftreten wird, huldigt der Defensive. Sie kassierte auf dem Weg nach Deutschland in der Ausscheidungen in zehn Spielen nur ein einziges Tor. Dieses gelang Raul in Spanien beim 1:1. Damit weist Serbien-Montenegro die beste Verteidigung aller 32 Endrunden-Teilnehmer auf! Die Abwehr ist zum Auftakt aber gesprengt.

Von den "magischen Vier" fehlt Nemanja Vidic wegen einer Sperre. "Wir werden unser Bestes tun. Wir können für eine Überraschung sorgen. Wichtig ist das Resultat, nicht wie wir spielen", meint Abwehrchef Mladen Krstajic vom FC Schalke. Dessen Abwehrpartner Ivica Dragutinovic glaubt vor Beginn der Gruppe, der auch noch Argentinien und die Elfenbeinküste (Samstag in Hamburg) angehören, nicht Außenseiter zu sein. Nur die Südamerikaner seien leicht zu favorisieren.

Der in den Reihen von Manchester United in Ungnade gefallene Ruud van Nistelrooy warnt vor dem Gegner. "Dieses Team ist sehr gut organisiert und steht kompakt. Es wird ein hartes Match", glaubt der Stürmer. In dem Pool dürfe man sich "keinen Fehler" erlauben. "Wir müssen von der ersten Minute an voll da sein", appelliert der 29-Jährige.

Die größte serbische Gefahr sieht Van Nistelrooy bei seinem WM-Debüt in Mateja Kezman, der ihn einst als Torjäger des PSV Eindhoven beerbte. Der 27-jährige Sturm-Kollege spielte vier Jahre (2000 - 2004) für den Philips-Klub und wurde zweimal Torschützenkönig der Ehrendivision, bevor er gemeinsam mit Arijen Robben zu Chelsea wechselte. Mittlerweile schießt Kezman Tore für Atletico Madrid. "Für mich wird es ein emotionales Spiel. Ich hatte in den Niederlanden fantastische Jahre", sagte der Legionär, der seinen Coach mit Tipps versorgen wird und von "ein paar Treffern" gegen seine ehemaligen Kollegen träumt.

Oranje fit Bondscoach Marco van Basten, der nach der verpassen WM-Qualifikation 2002 seit zwei Jahren die Holländer akribisch aufbaute, sieht seiner ersten Bewährungsprobe ruhig entgegen. "Serbien ist ein guter Gegner, aber wir schauen nur auf uns, wir müssen unseren Job machen", wiederholt der 41-Jährige.

Die Verletzungsprobleme der Elftal haben sich übrigens mittlerweile weitgehend aufgegelöst. Beim Abschlusstrainingabsolvierten alle 23 Spieler das komplette Programm. Nach der Übungseinheit zeichnete sich ab, dass dem Rafael van der Vaart, der gerade erst eine Sprunggelenksverletzung auskuriert hatte, wohl nur die Joker-Rolle zukommen wird. So favorisiert Van Basten im Mittelfeld das Trio Mark van Bommel, Wesley Sneijder und Phillip Cocu, der erstmals in dieser Woche voll mitwirkte. (APA/dpa/Reuters)

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