Jugendliche schaffen Freiraum für Berufseinstieg

16. Februar 2007, 13:07
posten

Das Beschäftigungs­projekt space!lab schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Garten gestalten, Events planen - und sich dabei beruflich orientieren

"Das Wetter hat es diese Woche gut mit uns gemeint", freut sich Gerhard Bacher. Gemeinsam mit elf Jugendlichen hat der Mitarbeiter der Volkshilfe es sich zur Aufgabe gemacht, den Wiener Haydnpark neu zu gestalten und eine Blumenwiese zu erstellen, um "Freiraum zu schaffen".

"Freiraum schaffen" – unter diesem Motto steht das Jugendbeschäftigungsprojekt space!lab. Den sollen die Jugendlichen dabei nicht nur für sich schaffen, sondern auch für die Umwelt: Das WUK bietet jungen Arbeitslosen Beschäftigung in der Garten- und Parkgestaltung sowie im Event-Management.

"Experten für Freiräume"

Bei space!lab erhalten Jugendliche eine Anstellung im Event- oder Freiraummanagement. Begonnen hat das Projekt bereits im vergangenen September. "Die Arbeitssuchenden mussten sich in einem Workshop beweisen", erklärt Gerhard Bacher von der Volkshilfe Beschäftigung den Anmeldemodus. Anschließend würden sie eine zweimonatige Einschulung erhalten, bevor sie praktisch zu arbeiten beginnen. "Jugendliche sind eine Hauptnutzergruppe von öffentlichen Freiräumen. Dadurch sind sie Experten für Freiräume und neue Nutzungsmöglichkeiten", sagt Urban Regensburger, Pressesprecher des WUK über das Projekt. Nach der Einschulung werden die Jugendlichen mit einem Gruppenleiter ins Freie geschickt.

Motivierte Gartengestalter

"Die Hauptaufgabe meiner Gruppe besteht darin, Gärten und Parks neu zu gestalten", berichtet Bacher, der die Gruppe des Freiraummanagements leitet. Dabei arbeite er eng mit dem Stadtgartenamt Wien (MA 42) zusammen: "Wir bekommen Aufträge, die ich dann mit den Jugendlichen gemeinsam plane und durchsetze." Zuerst habe die MA 42 befürchtet, dass die jungen Arbeiter "Owizahrer" wären, erinnert sich der Gruppenleiter. "Die Jugendlichen waren aber von Anfang an motiviert und haben ihre Ideen eingebracht." Mittlerweile sei das Gartenamt begeistert von der fleißigen Arbeit der space!lab-Mitarbeiter.

Unterstützung bei Arbeitssuche

Bachers elf "Schützlinge" sind zwischen 16 und 24 Jahre alt. Er steht ihnen nicht nur für fachliche Tipps beiseite: "Ich mache ihnen auch Vorschläge, welche berufliche Möglichkeiten sie haben." Die 16-jährige Julia hat während des Projekts ihr technisches Talent entdeckt. Ihr Gruppenleiter gab ihr daraufhin den Tipp, eine HTL zu besuchen. Im Herbst wird Julia wieder zur Schule gehen, um technische Zeichnerin zu werden. Eine andere space!lab-Teilnehmerin habe das Projekt bereits vorzeitig verlassen, da sei eine Lehrstelle gefunden hat, freut sich Bacher über die Erfolge der Jugendlichen. Unterstützung erhalten die jungen Arbeitssuchenden auch von Sozialarbeitern, die sie regelmäßig besuchen.

Gute Stimmung

Auch wenn das Wetter manchmal die Arbeit erschwert, sind die Jugendlichen zufrieden mit ihren Aufgaben. "Immer nur zuhause sitzen ist auf die Dauer frustrierend", erzählt Julia über das halbe Jahr nach ihrem Hauptschulabschluss, als sie vergeblich eine Arbeitsstelle gesucht hat. Hier würden sie sich gegenseitig unterstützen und motivieren, sind sich die Teilnehmer einig. Auch Gruppenleiter Bacher bestätigt, dass die Stimmung in der Gruppe "super" sei. Für das kommende Modul hätte er aber gerne eine höhere Frauenquote. Derzeit sind nur zwei Mädchen im Team.

Andrang

Für den dritten Auswahlworkshop im Juni sind laut Bacher schon über 150 Jugendliche angemeldet. Weitere Anmeldung könne man gar nicht mehr berücksichtigen, das space!lab-Team solle aus maximal 15 Teilnehmern bestehen. "Interessierte können sich aber schon für das vierte und letzte Modul im September anmelden", versichert Bacher. Dass das Projekt nächstes Jahr nach Auslaufen des vierten Moduls fortgesetzt wird, bezweifelt Gerhard Bacher. "Ich denke nicht, dass wir noch einmal finanzielle Unterstützung erhalten werden", befürchtet er. "Ich bin aber froh, zumindest einigen Jugendlichen den Berufseinstieg zu erleichtern", ist der Gruppenleiter stolz auf seine. Denn das sei für ihn die größte Motivation. (lis)

  • "Den Jugendlichen zu helfen, ist meine größte Motivation", sagt Gerhard Bacher (rechts) über seine Arbeit
    foto: derstandard.at/oberndorfer

    "Den Jugendlichen zu helfen, ist meine größte Motivation", sagt Gerhard Bacher (rechts) über seine Arbeit

  • Gegenseitiges Motivieren: In der Gruppe zeigen die Jugendlichen großes Engagement, auch wenn die Arbeit nicht immer Spaß macht.
    foto: derstandard.at/oberndorfer

    Gegenseitiges Motivieren: In der Gruppe zeigen die Jugendlichen großes Engagement, auch wenn die Arbeit nicht immer Spaß macht.

Share if you care.