Golf: Historischer Sieg für Brier

12. Juni 2006, 22:30
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Bei Austrian Open erster Erfolg auf Europa-Tour - Drei Schläge Vorsprung, 216.660 Euro Preisgeld und Tour-Karte bis Ende 2007

Wien - Markus Brier ist angekommen. Österreichs seit Jahren bester Golfprofi hat am Sonntag im Fontana GC zum dritten Mal die Austrian Open gewonnen. Als erster Österreicher aber damit auch ein Turnier der European-Tour, womit der bald 38-jährige Wiener rot-weiß-rote Golfgeschichte geschrieben hat. Brier, der sich selbst als "vorsichtigen Menschen" beschreibt und Magister der Betriebswirtschaft ist, hat damit seine sportliche "Doktorarbeit" abgeliefert.

Kind der 68er-Generation

"Als Kind der 68er-Generation muss man kein Hippie sein, sondern kann auch Golfspieler werden", schreibt Brier durchaus selbstironisch auf seiner Homepage markusbrier.at. "Schuld" hatten damals die Eltern, die die vier Brier-Buben auf den Golfplatz mitschleppten. Genauer gesagt nach Hainburg und in die Wiener Freudenau, wo sonst auch Galopper unterwegs waren und Markus seine ersten Golfschläge machte.

Und als Jüngster eines Buben-Quartetts (Andreas, Peter, Michael, Markus) einen gesunden Ehrgeiz und Konkurrenzgeist entwickelte. In seiner Erinnerung hat der Sohn eines Fachschullehrers nicht vergessen, wie die österreichische Golfwelt Anfang der 70er aussah. "Golf war damals so populär wie Skirennen auf den Fidschi-Inseln. Es gab kaum Spieler in Österreich." Was freilich auch den Vorteil hatte, dass der ehrgeizige Junior bald zu den Besten gehörte und als Amateur serienweise Titel einfuhr.

Sieben Staatsmeistertitel im Zählwettspiel, zwei im Lochwettspiel ließen das Talent des Markus Brier offensichtlich werden. Dennoch setzte er nicht wie andere frühzeitig ausschließlich auf die Golfkarte, sondern absolvierte als "Rückversicherung" auf der Wirtschaftsuniversität ein Betriebswirtschafts-Studium. 1996 wagte der Magister dann den Sprung zum Profi. Prompt waren die ersten Jahre auf der Challenge-Tour ziemlich brotlos und seine vierte Saison (1999) wäre auch fast seine letzte geworden.

Stattdessen wurde es die letzte auf der Challenge Tour, denn Brier - mittlerweile verheiratet mit Sabine und Vater von Sohn Constantin - ging genau in der härtesten Zeit der berühmte Knopf auf und er erspielte sich erstmals die Spielberechtigung für die European-Tour, der er seitdem - mitunter erst nach hartem Kampf - ununterbrochen angehört. Und damit - vielfach kaum bemerkt - rot-weiß-rote Meilensteine gesetzt hat. Er war 2000 in Spanien als Zweiter der erste Österreicher auf dem Podest eines großen Turniers, er war der erste und bisher einzige Österreicher, der bei Majors mitgespielt hat.

Die Latte, die Brier in Österreich gelegt hat, ist nach wie vor sehr hoch. Martin Wiegele und Niki Zitny waren zuletzt kurzfristig "Begleiter" auf der Europa-Tour, seit heuer ist Brier aber nicht nur zweifacher Vater - Tochter Felipa kam am 6. März 2006 zur Welt - sondern wieder der einsame "Ösi-Mohikaner" auf der Tour. Deshalb hofft der bald 38-jährige Wegbereiter des Profigolfsports in Österreich auch, dass die Austrian Open und sein historischer Erfolg im Fontana Grenzen sprengt. "Vielleicht erkennen die anderen, dass sie noch härter arbeiten müssen für den Erfolg." (APA)

Endstand der mit 1,3 Mio. Euro dotierten BA-CA-Austrian-Golf-Open (Par 71/5.902 m): 1. Markus Brier (AUT) 266 Schläge (65/67/66/68) - 2. Sören Hansen (DEN) 269 (68/67/69/65) - 3. Simon Dyson (ENG) 270 (66/66/67/71) - 4. Richard Green (AUS) 271 (71/67/70/63) - 5. Gary Murphy (IRL) 274 (68/70/71/65) - 6. Miguel Angel Jimenez (ESP) 275 (67/67/74/67) und Jean-Francois Lucquin (FRA) 275 (68/69/69/69) - 8. Emanuele Canonica (ITA) 277 (70/66/70/71), Darren Fichardt (RSA) 277 (69/73/69/66) und Steven Jeppesen (SWE) 277 (68/67/75/67). Weiter: 13. Colin Montgomerie (SCO) 279 (67/68/69/75) - 73. Thomas Feyrsinger (AUT) 303 (70/73/84/76)

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