WM-Schauen in der Arbeit ist keine Selbstverständlichkeit

27. Juli 2006, 14:25
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Arbeiterkammer rät, Einvernehmen mit dem Arbeitgeber zu suchen, sonst drohen Konsequenzen

In ganz Europa werden mehr als die Hälfte der Fußball-Fans (54 Prozent) die Weltmeisterschaftsspiele vom Arbeitsplatz aus verfolgen, wie eine am Freitag veröffentlichte Umfrage des deutschen Internetportals monster.de ergab. In Deutschland sind es nur 37 Prozent, die bei den am Nachmittag übertragenen Spielen im Büro den Fernseher anstellen dürfen. Befragt wurden 12.441 Menschen aus ganz Europa.

Auf die Frage "Dürfen Sie während Ihrer Arbeitszeit die Fußball-WM sehen?" antworteten europaweit 25 Prozent: "Ja, aber nur die wichtigen Spiele." 14 Prozent erklärten: "Ja, mein Chef ist Fußball-Fan", und für 15 Prozent gilt: "Ja, aber nur, wenn ich die Zeit nachhole." Für 46 Prozent ist Fernsehen am Arbeitsplatz "auf jeden Fall verboten".

In Großbritannien haben lediglich sechs Prozent der Beschäftigten absolutes Fernsehverbot am Arbeitsplatz. Auch in anderen Fußballnationen wie den Niederlanden, Spanien oder Frankreich liegen die Zahlen unter zehn Prozent.

AK gibt Tipps für Arbeitnehmer

Die Arbeiterkammer Burgenland rät Arbeitnehmern, die in der Arbeit auch die Nachmittags-Spiele der Fußball-WM verfolgen wollen, zur Vermeidung von Konflikten am besten das Einvernehmen mit dem Chef bzw. der Chefin zu suchen. Denn unbedachtes Fernsehen, Radiohören oder Surfen im Internet kann rasch ins arbeitsrechtliche Abseits führen.

Wer sich während der Arbeitszeit Fußballspiele im Fernsehen anschauen will, sollte jedenfalls um Erlaubnis fragen, so AK-Rechtsexperte Uwe Bauer. Abgeklärt werden sollte auch, ob die Arbeitszeit trotz Fußball-Schauen bezahlt wird. Dabei könne man auch nach einer Kompromissvariante suchen, etwa einer Verschiebung der Arbeitspausen. Einseitig könne ein Mitarbeiter jedenfalls seine Arbeitszeit nicht verlegen.

Grundsätzlich sei es bei den meisten Tätigkeiten nicht üblich, Fernzusehen oder Radio zu hören. Deshalb sei jeweils die Frage, ob dies vom Arbeitsvertrag gedeckt wird oder nicht, so Bauer. Sollte man mehr Fernsehen als üblich, müsste man dies mit dem Arbeitgeber absprechen.

Ausdrückliche Zustimmung erforderlich

Wenn TV-Geräte im Hintergrund ohnehin immer laufen, wie beispielsweise im Gastgewerbe oder im Elektrohandel, sollte man beim Zuschauen "mit einem Auge" auch während der WM kein Problem haben, meint Bauer. Wer sich in Firmen, wo dies nicht üblich ist, ein TV- oder Radiogerät ins Büro stellt, muss aber die ausdrückliche Zustimmung einholen: "Sonst könnte das eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Verpflichtung sein."

Grundsätzlich sei man als Mitarbeiter in der Arbeitszeit verpflichtet, seine gesamte Leistung zur Verfügung zu stellen. Übermäßiger Fernsehkonsum könnte daher auch in Richtung Arbeitsverweigerung ausgelegt werden. Arbeitsrechtliche Probleme würden in jedem Fall riskiert, ob es zu einer Entlassung kommt, hänge von den jeweiligen Umständen ab.

Entlassungsgrund

Bei einer Tätigkeit, die besondere Aufmerksamkeit verlange - etwa wenn ein Mitarbeiter in einem Bahnhof Weichen überwachen muss - wäre Fernsehen nebenbei ein klarer Entlassungsgrund, meint der Experte. Problematisch werden könnte übertriebene Fußball-Leidenschaft aber auch bei Mitarbeitern, die häufig mit Kunden zu tun haben, beispielsweise in einem Geschäft. Wenn bei Schreibarbeiten im Büro schon jahrelang das Radio nebenbei läuft, werde man auch während der WM nichts dagegen sagen können, so Bauer.

Dass im Burgenland jemand wegen übertriebenem TV-Konsum bei Sportereignissen am Arbeitsplatz entlassen worden wäre, sei ihm nicht bekannt. Einmal habe es allerdings in einer Firma Probleme gegeben, als man Mitarbeitern draufkam, dass sie während der Dienstzeit im Sozialraum im Fernsehen die Champions League anschauten. Zu einer Entlassung sei es damals jedoch nicht gekommen. (APA)

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