Prozess gegen Oriana Fallaci beginnt am Montag

16. Juni 2006, 12:36
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Italienische Autorin muss sich wegen "Verunglimpfung der islamischen Religion" verantworten

Rom - Gegen die bekannte italienische Schriftstellerin Oriana Fallaci beginnt am kommenden Montag in der lombardischen Stadt Bergamo ein Prozess wegen ihrer Stellungnahmen zum Islam. Die 72-jährige Autorin muss sich wegen "Verunglimpfung der islamischen Religion" verantworten, weil sie sich in ihrem Buch "Die Kraft der Vernunft" beleidigend über den Islam geäußert haben soll.

Angezeigt wurde sie vom Präsidenten der Gemeinschaft der italienischen Moslems, Adel Smith, die seit Jahren gegen Fallaci auftritt. Man behalte sich vor, die Anzeige auch noch um die Verbreitung von Rassenhass zu erweitern, sagte ein Anwalt der Organisation. Die schwerkranke, in den USA lebende Autorin wird bei der Verhandlung in Bergamo von einem Rechtsanwalt vertreten.

Aufsehen erregende Stellungnahmen

In einem Interview mit dem US-Magazin "The New Yorker" hatte die Autorin vor zwei Wochen den geplanten Bau einer Moschee in der Nähe ihres Heimatortes Colle Val d'Elsa unweit der toskanischen Stadt Siena kritisiert. Sie drohte, die Moschee zu sprengen, sollte sie gebaut werden. "Ich will kein 24 Meter hohes Minarett in der Landschaft sehen, die Giotto gemalt hat. Ich darf in den Islam-Ländern nicht einmal eine Kette mit einem Kreuz oder eine Bibel mitnehmen", sagte die Starjournalistin, die seit Jahrzehnten in New York lebt.

Fallaci war jahrzehntelang als Journalistin in islamischen Ländern tätig. Schon damals sorgte sie für Schlagzeilen, etwa, als sie zu dem verdutzten iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini bei einem Interview im Jahr 1979 sagte: "Ich nehme den Tschador ab, der für mich ein dummer Lumpen aus dem Mittelalter ist."

Erfolgreich, aber auch höchst umstritten

Fallaci erlebt einen großen Erfolg als Autorin. Rund zwei Millionen Exemplare ihres Buches "Die Wut und der Stolz" (2001), das in 20 Sprachen übersetzt wurde, sind bisher verkauft worden. Seitdem sie nach den Anschlägen des 11. September 2001 ihre jahrelange Isolation durchbrach, erntet die krebskranke Fallaci mit ihren als stark islamfeindlich kritisierten Texten große Zustimmung, aber auch erbitterte Kritik.

Die in Europa geborenen Muslime sollten laut Fallaci nicht als Europäer betrachtet werden. "Die Staatsbürgerschaft hat nichts mit der Nationalität zu tun. Ausländer mit der Staatsbürgerschaft eines Landes sind dort nur Gäste. Oder privilegierte Invasoren", kommentierte die Star-Journalistin. (APA)

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