Vom Subligaculum zum Slip

16. Juni 2006, 20:21
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Unterhosen in der heute geläufigen Form gibt es erst seit knapp hundert Jahren - Die Vorläufer sind bereits 5.000 Jahre alt

Bis zum frühen Mittelalter war die Hose des Mannes - bis auf Ausnahmen - nicht in Ober- und Unterhose getrennt. So waren beispielsweise bei den Hebräern und Hethitern beinlose Lendenhosen verbreitet. Ein solches Modell findet sich übrigens an einer sumerischen Terrakotta-Mädchenfigur (3.000 v.u.Z.), die im Museum in Bagdad ausgestellt ist. Frauen trugen in der griechischen Antike zeitweise die sogenannte Zona, einen Leibgürtel, der in breiterer Form auch von den Römerinnen getragen wurde. Im Alten Rom war es außerdem bei beiden Geschlechtern üblich, ein Subligaculum anzulegen. Dabei handelte es sich um ein Tuch, das zwischen den Beinen durchgeführt und in der Hüfte verknotet wurde.

Während der Bronzezeit (1.800 - 750 v.u.Z.) war die kurze Bruch als Unterhose bei männlichen Kelten und Germanen bekannt, die sich bis zum 11. Jahrhundert hielt. Dieses "Schamtuch" wurde um den Bauch gelegt, durch die Beine nach hinten gezogen und seitlich gebunden. Daneben war auch die oberschenkellange Bruch, deren Beine über den Knien abgebunden waren und die auf der Vorderseite offen und in Hüfthöhe über einen Gurt gerollt war, allgemein verbreitet.

Jahrzehntelang so gut wie unterhosenlos

Für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts wird angenommen, dass der Mann unter der damals üblichen Strumpfhose keine Unterhose getragen hat. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen zwei Unterhosen-Modelle auf: eine kurze und eine knie- bis wadenlange, die der Länge der Oberhose angepasst wurden. Beide waren an der Rückseite offen und wurden mit einem Zugband im Taillenbund zusammen gehalten. Mit der um 1675 in Mode gekommenen Kniehose gestaltete sich auch die Unterhose enger und über dem Knie abgebunden.

Das weibliche Geschlecht blieb allgemein bis ins 19. Jahrhundert hinein unterhosenlos. Mit einer Ausnahme: Mitte des 16. Jahrhunderts waren in der italienischen Oberschicht knielange Unterhosen für Frauen aufgekommen, die 1660 durch den Einfluss von Maria de Medici auch in Frankreich bekannt waren, wo sie Calecon genannt wurden. Prinzipiell waren Hosen für Frauen verpönt und wurden nur in seltenen Situationen von Bäuerinnen zur Feldarbeit, Tänzerinnen und Reiterinnen getragen, aber immer unter dem Kleid und nie solo.

U-Hosen für Sie und Ihn im 19. Jahrhundert

Für die Männer existierten im 19. Jahrhundert sowohl knie- als auch knöchellange Unterhosen, wobei die Langversion - bisweilen mit angesetzten Füßen (Vorläufer der Strumpfhose) - bis 1820 vorrangige Priorität besaß. Sie hatte ein breites Hüftband und war an der Vorderseite zu knöpfen. Manchmal war auch ein kleiner Schlitz an der Rückseite angebracht, der mit einem Band zusammen gehalten wurde. 1870 kam die lange Unterhose aus Baumwoll- oder Seidentrikot auf. In den 1880er-Jahren entwickelte der deutsche Physiologe Gustav Jäger eine aus Hemd und Hose bestehende Kombination aus reiner Wolle, die er aus gesundheitlichen Gründen empfahl und die als "Jägerkombination" in die Modegeschichte eingegangen ist.

In der Damenwelt sorgten um 1803 sowohl die englischen Drawers oder Knickerbockers als auch die französischen Pantalons oder Pantalettes für Furore. Während erstere unter den Knien mit Schleife oder Knopf gehalten waren, wurden zweitere am Knöchel zusammen gefasst. Diese Unterhosen waren aus Seidentrikot, Leinen oder Baumwolle gefertigt, an den Beinenden mit Spitzen und Rüschen verziert und in der vorderen und hinteren Mittelnaht offen, entweder mit einer Schleife oder mit Knöpfen zu schließen. Verbreitung in der Oberschicht fand die Unterhose für Frauen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Durchsetzung der Krinoline. Ende des Jahrhunderts nahmen die Verzierungen mit Rüschen zu und auch die Palette an Materialien wurde ausgeweitet. Hinzu kamen Seide, Batist, Flanell, Musselin und Wolle. Ab 1877 kam es außerdem zur Entwicklung von Combinaisons (Kombinationen) wie der Hemdbluse, der Unterrockhose und der Korsett-Unterrockhose.

U-Hosen im 20. Jahrhundert

Nach dem Ersten Weltkrieg setzten sich für Männer Unterhosen aus Seide und Baumwolltrikot mit nur oberschenkellangen Beinen und vorderem Schlitz durch. Erst Ende der 50er-Jahre kam der beinlose Slip aus Trikotware auf und in den 80er-Jahren die weite amerikanische Boxershorts.

Für die Frau wiederum wurde 1914 der Schlüpfer mit Gummizug in der Taille und kurzen, angeschnittenen Beinen modern. Beinahe ein halbes Jahrhundert blieb die Unterhose für die Frau fast oberschenkellang und war aus Seide, später Kunstseide oder dem Trikotstoff Charmeuse gearbeitet. Erst in den 60er-Jahren setzte sich der beinlose Slip allgemein durch, nachdem in den 50-ern Hüftmieder und -höschen en vogue waren. Seit den 70er-Jahren sind die French Knickers und seit Beginn der 80-er Slips mit hohem Beinausschnitt nach dem griechischen Designer Nikos Apostolopoulos modern. Eine Verkleinerungsform des Slips findet sich seit 1982 im Tanga, benannt nach der afrikanischen Stadt, bestehend aus zwei Stoff-Dreiecken bzw. im String-Tanga, der aus einem Dreieck und einer Gesäßschnur zusammen gesetzt ist. (dabu)

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    Moderne Männer-Unterhose aus Baumwoll-Trikot.

  • Typische Damen-Unterhose des 19. Jahrhunderts.
    foto: dabu

    Typische Damen-Unterhose des 19. Jahrhunderts.

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