Englische Stars in Titellaune

10. Juni 2006, 16:20
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Auftakt heute gegen Paraguay - Beckham: "Wir können mit dem Druck umgehen" - Südamerikaner geben sich furchtlos

Frankfurt/Main - Die Stars der englischen Fußball-Nationalmannschaft befinden sich vor ihrer WM-Auftaktpartie der Gruppe B gegen Paraguay am Samstag (15 Uhr) in Frankfurt/Main bereits in Titellaune. Liverpool-Kapitän Steven Gerrard, dessen Chancen auf einen Einsatz wegen eines verspannten Rückens allerdings nur bei 50:50 stehen, brachte es auf den Punkt: "Wir wollen jedem klar machen, dass wir hier sind, um die WM zu gewinnen. Nicht, um nur daran teilzunehmen."

Der schwedische Teamchef Sven-Göran Eriksson erklärte dazu: "Unser Selbstvertrauen ist noch viel größer als bei den vergangenen Turnieren." Die Gefahr, beim Anlauf auf den zweiten WM-Titel nach 1966 den ersten Gegner Paraguay auf die leichte Schulter zunehmen, sieht Gerrard nicht: "Wir haben den nötigen Respekt. Sie haben Matchwinner in ihren Reihen und sind technisch versiert." Die beiden Mannschaften trafen bisher zwei Mal aufeinander. England gewann bei der WM 1986 in Mexiko 3:0 und blieb auch 2002 in einem Freundschaftsspiel 4:0 siegreich.

Dennoch demonstriert der Underdog aus Südamerika, der in seinen bisherigen fünf WM-Endrunden jeweils ein Spiel gewonnen hat und sowohl 1998 gegen den späteren Weltmeister Frankreich als auch 2002 gegen Deutschland im Achtelfinale scheiterte, Selbstvertrauen. Paraguays Teamchef Anibal Ruiz, der um den Einsatz von Bayern München-Stürmer Roque Santa Cruz (Sehnenentzündung) bangt, gibt sich kämpferisch. "England hat eine große Mannschaft, aber auch wir haben hohe Erwartungen und große Hoffnungen. Wir glauben daran, dass wir England besiegen können."

Der Außenseiter hofft dabei auf die langjährige Rivalität zwischen Deutschland und England und damit auf die Unterstützung der deutschen Zuschauer. "Die neutralen Fans werden uns mehr anfeuern", meinte etwa Deutschland-Legionär Nelson Valdez, der kürzlich von Werder Bremen zu Borussia Dortmund wechselte. Und der für Samstag fragliche Angreifer Santa Cruz sieht noch einen weiteren Vorteil: "Der ganze Druck lastet nur auf England. Die Engländer sind nicht nur Gruppenfavoriten, sondern auch WM-Favoriten. Mit diesem Druck ist für uns alles möglich."

"Three Lions"-Coach Eriksson baut vor allem auf die körperliche Verfassung seiner Spieler: "Man kann die Fitness der Mannschaft überhaupt nicht mit 2002 oder der EM 2004 in Portugal vergleichen. Das Team ist hundertprozentig fit und bereit." Als Ersatz für den nach einem Mittelfußbruch noch rekonvaleszenten Manchester United-Jungstar Wayne Rooney vertraut der Schwede auf den "tanzenden Roboter" Peter Crouch, der sich mit fünf Toren in seinen jüngsten drei Länderspielen in die Herzen der englischen Fans gespielt hat. Den Spitznamen verdankt der zwei Meter große und schlaksig wirkende Liverpool-Stürmer übrigens seinem erst kürzlich kreierten, höchst eigenwilligen Torjubel.

Sein Klub-Kapitän Gerrard hofft, dass die Verteidiger Paraguays "noch nie gegen einen solchen Typ gespielt haben", was ihm vom gegnerischen Trainer Ruiz auch bestätigt wurde. "Crouch bereitet mir Kopfzerbrechen. Wir haben nur sehr wenig Erfahrung solchen Spielern", gab der Uruguayer zu.

Der englische Kapitän und Real Madrid-Mittelfeldstar David Beckham hat keine Angst vor der traditionell enorm hohen Erwartungshaltung auf der Insel: "Wir können mit dem Druck umgehen. Das haben wir mit unseren Klubs in Meisterschaft und Europacup Woche für Woche bewiesen. Die meisten unserer Spieler haben auch schon Trophäen gewonnen." Chelsea-Regisseur Frank Lampard, der bei der WM 2002 nicht im Kader stand, hat für den Auftakt gegen Paraguay schon ein Erfolgsrezept parat: "Südamerikanische Teams kommen mit unserem physischen, druckvollen Spiel nicht gut zurecht."

Der überragende Spieler der abgelaufenen Meister-Saison der "Blues" aus London weiß: "Mit einem Sieg in der ersten Partie können wir uns für die weiteren Spiele viel Druck nehmen." Der 35-jährige Paraguay-Kapitän Carlos Gamarra, der bereits sein drittes WM-Turnier bestreitet, will mit seinen Mannschaftskollegen aber genau dies verhindern: "Diese WM-Endrunde wird die erfolgreichste für Paraguay und auch meine erfolgreichste werden."(APA/Reuters/AFP/dpa)

ENGLAND - PARAGUAY (Frankfurter Stadion, 15 Uhr, Schiedsrichter: Marco Rodriguez/Mexiko)

England: 1 Robinson - 2 Gary Neville, 5 Ferdinand, 6 Terry, 3 Cole - 7 Beckham, 8 Lampard, 4 Gerrard oder 16 Hargreaves, 11 Cole - 10 Owen, 21 Crouch Es fehlt: Rooney (rekonvaleszent nach Mittelfußbruch) Fraglich: Gerrard (Rückenprobleme)

Paraguay: 1 Villar - 4 Gamarra, 5 Caceres, 21 Caniza, 3 Toledo - 16 Riveros, 10 Acuna, 13 Paredes, 6 Bonet - 18 Valdez, 9 Santa Cruz oder 23 Cuevas Fraglich: Santa Cruz (Sehnenentzündung)

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    Englands Fans träumen vom Titel.

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