Das Web als Ausbildungslager für Terroristen

18. Juni 2006, 17:40
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Während Osama Bin Laden noch Al-Jazeera setzte, nutzte Al-Sarkawi das Internet - Propaganda-Netzwerk feiert Sarkawis "Märtyrertod"

In den letzten Jahren ist das Internet zu einem wichtigen Werkzeug für Terroristen geworden um ihre Botschaft zu verbreiten. Vor allem der Dschihadist Al-Sarkawi, der am Donnerstag, während eines US-Luftangriffs der USA im Irak getötet wurde, forcierte den Einsatz neuer Medien. Der Terrorist baute ein weltumspannendes virtuelles Netzwerk um hunderte seiner Botschaften und Videoclips zu verbreiten und Anhänger zu mobilisieren. Sympathisanten veröffentlichen nun zahlreiche Lobesreden auf den verstorbenen Terroristen, feiern ihn als Märtyrer und schwören, seinen Kampf fortzusetzen, wie die New York Times in ihrer heutigen Ausgabe berichtet. Das Web wurde durch ihn zu einem Zentrum zur Rekrutierung von Terroristen, das zunehmend die Rolle der Training-Camps in Afghanistan übernimmt, wie Antiterror-Experten meinen.

Internet statt Al-Jazeera

Während Osama Bin Laden noch auf den arabischen Kabelsender Al-Jazeera setzte, um seine Videobotschaften zu verbreiten, nutzte Al-Sarkawi das Internet für seine Propagandafilme. Das ermöglichte es ihm, Filme unters Volk zu bringen, die niemals in Mainstream-Medien gezeigt würden. In den Clips, die oft nur zwei Minuten lang sind, sieht man Enthauptungen von Geiseln, Scharfschützen die auf US-Soldaten zielen oder Selbstmordanschläge. Im Jahr 2004 wurde sogar ein einstündiger Propagandafilm namens "The Winds of Victory" veröffentlicht, der diese Bilder zusammenfügte.

"Ich würde ihn den Alexander Graham Bell der terroristischen Propaganda nennen", meint Evan F. Kohlmann, der militante Webseiten beobachtet. Um Download-Verzögerungen zu verhindern, wurden Al-Sarkawis Botschaften in den letzten Monaten auf mehreren Servern gepostet. Es gibt sogar Versionen, die man am Handy betrachten kann. Im April zeigte Sarkawi erstmals sein Gesicht in einem Video. Innerhalb von Stunden war es von seinen Anhängern auf der ganzen Welt in Englisch, Deutsch, Französisch, Holländisch und andere Sprachen übersetzt worden.

Wenn eine Enthauptung auf einer Webseite erscheint, kann sie manchmal innerhalb von Sekunden aus dem Netz genommen werden."

Bei der Verbreitung des Materials spielen Freiwillige aus dem Ausland eine wichtige Rolle. In London wurde vergangenen Oktober ein Mann gefasst, der beschuldigt wird, unter dem Pseudonym Irhabi007 eine zentrale Rolle bei der Verbreitung von Sarkawis Botschaften gespielt zu haben. "Wenn eine Enthauptung auf einer Webseite erscheint, kann sie manchmal innerhalb von Sekunden aus dem Netz genommen werden. Aber wenn jemand wie Irhabi sie herunterlädt und im ganzen Internet verteilt, geht die Nachricht heraus", erklärt Gabriel Weimann, Professor an der Universität von Haifa. Auch in Kanada und Georgien kam es zu Festnahmen. Oft kennen sich die einzelnen Männer gar nicht, doch sie sind alle über das Internet verbunden. (pte)

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