Neues Politikfeld "atypische Beschäftigung"

9. Juni 2006, 14:05
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SPÖ fordert bessere soziale Absicherung - Überstunden für Teilzeitarbeit - ÖVP: Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten mit Situation zufrieden

Wien - Es sei "höchst notwendig", dass die Politik sich mit den Problemen der atypisch Beschäftigten auseinander setzt. Das haben die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek am Freitag bei einer Pressekonferenz gefordert. "Die Situation hat sich verschärft", sagte Prammer. Es gebe mehr atypisch Beschäftigte denn je. Besonders betroffen seien Frauen.

Überstunden für Teilzeitarbeit

Die Zahl der atypisch Beschäftigten sei in den vergangenen sechs Jahren stark gestiegen, beklagten Prammer und Heinisch-Hosek. So habe die Teilzeitarbeit massiv zugenommen und betreffe bereits mehr als 42 Prozent der Frauen. Prammer forderte, dass bei Teilzeitarbeit die Überstunden genauso bezahlt werden wie bei Vollzeitbeschäftigten.

Heinisch-Hosek betonte die schwierige Situation der freien Dienstnehmer und neuen Selbstständigen. Den "Stresspunkt Nummer eins" skizzierte sie so: "Viele fühlen sich wie Gummi-Menschen. Sie müssen sich fragen: Wie viel Geld kriege ich am Ende des Monats?" So sei es kaum möglich, tägliche Einkäufe zu planen. Man könne oft gar keine Aufträge ablehnen, "weil man nicht weiß: Wann kommt der Nächste?", sagte Heinisch-Hosek.

Mangelnde soziale Absicherung

Viele atypisch Beschäftigte könnten sich ihr Dienstverhältnis "nicht aussuchen", und müssten ohne soziale Absicherung leben. Und gerade bei solchen Dienstverhältnissen seien die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen markant, so Prammer. 63 Prozent der neuen Selbstständigen und 80 Prozent der freien DienstnehmerInnen bekommen laut Prammer überdies ihre Aufträge von nur einem einzigen Unternehmen.

Generalkollektivvertrag

Prammer forderte, die Selbstständigkeit "klar und einfach" gesetzlich zu definieren, damit Scheinselbstständigkeit unmöglich gemacht werde. "Es gibt einen Regelungs-Dschungel, bei dem sich keiner auskennt." Langfristiges Ziel sei die volle Aufnahme der atypisch Beschäftigten in die Sozialversicherung. Kurzfristig sollen die atypischen Beschäftigungsverhältnisse zumindest in die Arbeitslosenversicherung aufgenommen werden. Eine weitere Forderung ist ein "Generalkollektivvertrag zwischen ÖGB und Arbeitgeberverbänden" für atypisch Beschäftigte, der mehr Mitsprache im Betrieb, Mindesthonorarsätze und Kündigungsfristen bringen soll. "Das ist ein Gebot der Fairness und der Objektivität", so Prammer. Letztlich seien solche Maßnahmen auch "ein Schutz für jene unternehmen, die solche Tricks nicht anwenden."

ÖVP: "Maßnahmen werden bewusst übersehen"

ÖVP-Frauensprecherin Elisabeth Scheucher-Pichler kritisierte am Freitag den Vorstoß der SPÖ. Prammer und Heinisch-Hosek würden die Initiativen der Bundesregierung zur Verbesserung der Situation nicht zur Kenntnis nehmen: "Wenn sie von einer 'Verschärfung in den letzten sechs Jahren' sprechen, übersehen sie ganz bewusst die konkreten Maßnahmen", erklärte die Sprecherin in einer Aussendung.

Qualitativ hochwertige Teilzeitarbeit

Man könne nicht davon ausgehen, dass Frauen automatisch zur "schwachen Seite" der atypisch Beschäftigten zählen. "Laut einer Umfrage unter Teilzeitbeschäftigten sind mehr als 80 Prozent mit ihrer Situation zufrieden, da eine Teilzeitbeschäftigung ihrer Lebenssituation am besten gerecht wird und daher auch von ihnen gewollt wird", betonte die ÖVP-Frauensprecherin. Ziel der Bundesregierung sei es, die qualitativ hochwertige Teilzeitbeschäftigung auszubauen. (APA)

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