Geschmack an Bio

8. August 2006, 13:21
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Der Öl- und Gaskonzern will seine Geschäftsbasis um erneuerbare Energien wie Biogas und Biodiesel erweitern und denkt mittelfristig an einen eigenen Geschäftszweig

Der Öl- und Gaskonzern OMV will seine Geschäftsbasis um erneuerbare Energien wie Biogas und Biodiesel erweitern und denkt mittelfristig an einen eigenen Geschäftszweig. Zur Förderung entsprechender Projekte stellt der Konzern 100 Mio. Euro zur Verfügung.

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Wien - Die OMV will künftig nicht nur mit Öl und Gas Geld verdienen, sondern auch mit erneuerbaren Energien. Dieses Vorhaben soll über die kürzlich gegründete Gesellschaft "OMV Future Energy Fund" vorangetrieben werden. Diese wird etwa 100 Mio. Euro zur Verfügung haben, um in den nächsten Jahren interessant erscheinende Projekte auf den Weg zu bringen.

"Dabei handelt es sich um Projekte, die nach der Wirtschaftlichkeitsrechnung der OMV derzeit noch nicht rentieren, in der Zukunft aber Erfolg versprechend erscheinen", sagte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer bei der Präsentation des Vorhabens am Freitag. Die 100 Mio. Euro "Anschubfinanzierung" stammten aus dem Cashflow der OMV und sollen in den kommenden Jahren Investitionen in der Größenordnung von etwa einer halben Mrd. Euro auslösen - zu tätigen von den verschiedenen Geschäftsbereichen der OMV.

Primär sei an die Unterstützung von Projekten gedacht, die sich im Nahbereich der derzeitigen OMV-Aktivitäten abspielten, sagte Ruttenstorfer. Dazu gehörten Biokraftstoffe, Biogas und Wasserstoff. Ein späterer Vorstoß in Richtung Biostrom, Sonnenenergie oder Erdwärme sei nicht ausgeschlossen.

Expertenbeirat

Bei der Projektauswahl wird die direkt an Ruttenstorfer berichtende OMV Future Energy Fund GmbH von einem Experten-Beirat unterstützt. Diesem gehören neben Vertretern der OMV-Geschäftsbereiche Exploration und Produktion, Raffinerie und Marketing sowie Gas auch vier Wissenschaftler an: die Klima-Expertin Helga Kromp-Kolb von der Boku Wien, Marianne Haug von der Uni Hohenheim, die früher bei der Internationalen Energieagentur in Paris einschlägige Forschungsprojekte begleitet hat, UN-Senior Advisor Thomas Johansson von der Uni Lund (Schweden) und der Energieexperte der TU-Wien, Nebojsa Nakicenovic.

Rund zwei Dutzend Projekte lägen derzeit am Tisch, sagte der OMV-Chef. Eines betreffe die Weiterentwicklung des aus Raps gewonnenen Biodiesel, der in der derzeitigen Spezifikation nur zu etwa fünf Prozent dem herkömmlichen Kraftstoff beigemischt werden kann. Die zweite Generation an Biodiesel sollte eine Beimischung bis zu 30 Prozent oder gar reif den Einsatz in reiner Form ermöglichen und in fünf Jahren zur Verfügung stehen.

"Die Hinwendung zu erneuerbaren Energien ist ein logisches Thema für die Ölkonzerne", sagte Claudia Vince-Bsteh von der Raiffeisen Centrobank im Gespräch mit dem STANDARD. Sie verwies auf die CO2-Problematik beim Verbrennen fossiler Energien und auf die Endlichkeit derselben. Konzerne wie BP oder Shell beschäftigten sich schon seit längerem mit Alternativenergien. Vince-Bsteh: "Für die OMV ist das ein erster Schritt, Erfahrung zu sammeln." (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.6.2006)

  • Die zunehmende Mobilität führt zu Diskussionen über alternative Energiequellen.
    collage: standard/beigelbeck

    Die zunehmende Mobilität führt zu Diskussionen über alternative Energiequellen.

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