Endlich fix: Steyr-Panzer für Tschechien um 821 Millionen

29. Juni 2006, 16:12
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Scheidender Verteidigungsminister Kühnl fixierte bisher teuerste Anschaffung der tschechischen Armee

Prag - Die Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (SSF) mit Sitz in Wien-Simmering hat den Auftrag der tschechischen Armee zur Lieferung von 234 "Pandur II"-Radpanzern im Wert von umgerechnet 821 Mio. Euro nun auch schriftlich in der Tasche. Der scheidende tschechische Verkehrsminister Karel Kühnl hat den entsprechenden Vertrag heute, Freitag, unterzeichnet. Es handelt sich um die teuerste Beschaffung in der Geschichte der tschechischen Armee.

SSF hatte sich im Finale der Ausschreibung gegen den finnischen Mitbewerber Patria Vehicles durchgesetzt, der mit seinem Panzerwagen AMW ins Rennen gegangen war. Die Lieferung der "Pandur"-Panzer soll innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen werden, wobei die ersten 17 Fahrzeuge im Herbst 2007 nach Tschechien geliefert werden sollten. Die tschechische Armee will mit den neuen Pandur-Panzern ihre veralteten OT-64-Radpanzer ersetzen, die schon seit den 60-er Jahren im Einsatz sind.

Zustimmung Anfang 2006

Die tschechische Regierung hatte dem Ankauf der Steyr-Radpanzer bereits Anfang 2006 zugestimmt, nachdem SSF eine entsprechende Ausschreibung gewonnen hatte. Das Abkommen zwischen dem Verteidigungsministerium in Prag und SSF hätte ursprünglich bereits Mitte April unterzeichnet werden sollen. Wegen einer Reihe von Beschwerden und Einsprüchen unterlegener Mitbewerber gegen die Auftragsvergabe an das österreichische Unternehmen verzögerte sich die Unterzeichnung aber.

Verteidigungsminister Kühnl hat den Vertrag heute unterzeichnet, obwohl Staatspräsident Vaclav Klaus die bei der Parlamentswahl unterlegene Regierung von Premier Jiri Paroubek diese Woche aufgefordert hatte, "keine weitreichenden Entscheidungen" mehr zu treffen.

Auftrag nicht in Frage stellen

Der Vizechef der in der Parlamentswahl siegreichen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) und ihr Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers, Petr Necas, erklärte dazu, er werde den Auftrag nicht in Frage stellen. Zuvor hatte die ODS den Verlauf der Ausschreibung kritisiert. Nun sagte Necas gegenüber der Tageszeitung "Pravo", in einem "anständigen, kulturellen Land respektiert man die Verbindungen, die die frühere Regierung gemacht hat".

Die Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge GmbH hat ihren Sitz in Wien-Simmering und gehört seit 2003 zur Gänze dem US-Konzern General Dynamics. Zusammen mit dem Schweizer Panzerbauer MOWAG (Kreuzlingen) und den Santa Barbara Sistemas (Madrid) bildet SSF die Geschäftseinheit "General Dynamics European Land Combat Systems", deren Sitz ebenfalls in Wien ist. Chef der Sparte ist Hans Michael Malzacher, der die SFF 1998 von Frank Stronach übernommen und 2003 an den US-Konzern verkauft hatte.

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