Gefährlicher Chat

7. Juni 2000, 18:33

So wie an fast jedem Abend saß Tom vor seinem Computer und chattete. Das tat er am liebsten. Er fand es einfach spannend, mit anderen Leuten zu sprechen, die er überhaupt nicht kannte. An diesem Abend chattete er gerade mit einem netten Mädchen, als plötzlich groß auf dem Bildschirm auftauchte: „KOMMT IN CHATRAUM „FINAL DESTINATION!“ DA KÖNNT IHR WAS ERLEBEN!“ Daneben war ein Bild von einem ganz schwarz angezogenen Mann.

Tom hielt das für eine Gag und geendete sein Gespräch, um in den Chatraum „tot“ zu gehen. Doch als er dort ankam, hatte er gar kein gutes Gefühl. Es war schon komisch, dass sich jemand einfach so den ganzen Bildschirm für seine Nachrichten ausborgen konnte. Der Bildschirm war ganz schwarz. Plötzlich fühlte Tom eine Hand auf seiner Schulter. Tom drehte sich angsterfüllt um. Das war der Mann, den er vorher auf dem Bild gesehen hatte. „Was wollen sie? Wer sind sie?“, stotterte Tom mit ängstlicher Stimme. Er wurde weiß im Gesicht. Der Mann holte etwas aus seiner Tasche, das aussah wie eine Pistole aus einem Science-fiction Film. Er zielte auf Tom und drückte ab. Tom dachte, dass es jetzt vorbei sei und schloss die Augen, aber es passierte gar nichts. Er machte die Augen wieder auf. Der Mann war verschwunden. Schnell drehte er den Computer ab und verließ seine Wohnung. So schnell er nur konnte, rannte er zu seinem besten Freund Jim.

„Was? Das soll ich dir glauben? Du bist ja verrückt!“, sagte Jim, als Tom ihm alles erzählt hatte. „Aber du musst mir glauben! Ich hab‘ mir das doch nicht eingebildet!“, erwiderte Tom. „Ach, du bist verrückt! Wie sollte denn ein Mann in deine Wohnung kommen? Außerdem glaube ich nicht, dass er mit einer Spielzeugpistole auf dich schießen wollte! Du willst mich nur für dumm verkaufen!“, entgegnete Jim ohne einen Funken von Verständnis. Enttäuscht über das Verhalten seines Freundes machte sich Jim auf den Weg nach Hause. Er musste Jim beweisen, dass er sich das alles nicht eingebildet hatte. Aber sein Freund hatte Recht. Diese Geschichte war äußerst unglaubwürdig. Er hätte sie wahrscheinlich selbst nicht geglaubt, wenn er sie nicht selbst erlebt hätte. Oder hatte er sich das alles wirklich nur eingebildet? Vielleicht war er eingeschlafen und hatte geträumt? Er beschloss, gleich noch einmal in den Chatraum zu gehen und zu überprüfen, ob dasselbe wieder passierte.

Als er mit pochendem Herz die Chatseite öffnete, wunderte er sich. Nach zehn Minuten war immer noch nichts geschehen. Tom wollte alles vergessen, was er anscheinend nur geträumt hatte, also ging er schlafen.

Am nächsten Abend saß er wieder am Computer, um zu chatten. Plötzlich geschah genau dasselbe wie am Vorabend. Der Bildschirm verdunkelte sich und die Aufschrift mit dem Bild war zu sehen. Tom beschloss, einfach nicht in den angegebenen Chatraum zu gehen. Doch plötzlich machte sich seine Maus selbständig und klickte auf den Chatraum, in dem Tom am Vortag war. Plötzlich spürte er wieder eine Hand auf seiner Schulter. Wieder drehte er sich um. Er erschrak: Es war genau derselbe Mann, der ihn gestern schon unaufgefordert besucht hatte. Tom sprang auf und rieb sich die Augen. Er musste schon wieder träumen. Als er die Augen wieder auf machte, war der Mann wieder weg. Tom durchsuchte die ganze Wohnung. Er war weg! Auch seine Türschlösser kontrollierte er. Alles war in bester Ordnung. Er konnte sich das nicht erklären.

Am nächsten Abend nahm er Jim mit zu sich nach Hause, um ihm zu zeigen, dass er nicht geträumt hatte. Tom hatte herausgefunden, dass der Mann immer um zwanzig Uhr auftauchte, also drehte er um fünf vor zwanzig Uhr seinen Computer auf. Doch alles kam ganz anders. Die beiden arbeiteten drei Stunden am Computer, doch niemand kam und auch die Schrift mit dem Bild tauchte nicht auf. Jetzt hielt Jim Tom für endgültig verrückt.

Tom jedoch ging am nächsten Abend wieder in den Chatraum. Der Mann tauchte wieder auf, aber diesmal blieb Tom ruhig sitzen und machte auch die Augen nicht zu. Das jedoch war ein großer Fehler. Der Mann nahm wieder seine eigenartige Pistole in die Hand und zielte auf Tom. Als Tom immer noch nicht die Augen schloss, drückte er schließlich ab. Es gab einen hellen Lichtstrahl im Zimmer und Tom rutschte von seinem Sessel. Er war tot. Der Mann verschwand.

Als Jim Tom fand, wurde ihm klar, dass er die Wahrheit gesagt hatte – denn auf dem Bildschirm war die Seite, von der Tom Jim erzählt hatte. Jim bereute sehr, dass er seinem besten Freund nicht geglaubt hatte. Die Polizei fand keine Spuren und die Ärzte wussten nicht, woran er gestorben war. Es ist heute noch ein Rätsel, warum Tom sterben musste.

Marlies Kitzwögerer (12), 2e, RGORG 23, Anton Kriegerg. 25, 1230 Wien

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