Salzburger Innenstadt badet in "Meer von Gegenwartsklängen"

9. Juni 2006, 13:06
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Soundcollage von Franz Pomassl im Rahmen von Kontra.com

Salzburg - Der medial bisher durch die bildende Kunst verdrängte und daher wenig wahrgenommene musikalische Teil des Salzburger Avantgarde-Festivals im Mozartjahr, "Kontra.com", steuert auf einen ersten Höhepunkt zu. Freitag und Samstag wird der Klangkünstler Franz Pomassl die Innenstadt in "ein Meer von Gegenwartsklängen" tauchen. Dafür hat Pomassl fünf riesige Lautsprecher-Anlagen auf dem Dom, einem Kran neben der Franziskanerkirche, dem Glockenspiel, der Kollegienkirche und der so genannten Katze, einem exponierten Mauervorsprung auf dem Mönchsberg, installiert.

"Million Oscillions" heißt die eigens für Salzburg kreierte Klanginstallation, die heute, Freitag, um 16.00 Uhr und morgen, Samstag, 13.00 Uhr für je 45 Minuten den "Hörbegriff der Salzburger erweitern und aktualisieren" will, wie Pomassl erläutert. "Die Kirchtürme mit ihren Glocken, das sind traditionelle Klangsysteme. Ich werde meine digitalen Gegenwartsklänge in der gleichen Lautstärke über die Stadt gießen. Wir bewegen uns exakt in der behördlich erlaubten Maximal-Lautstärke, genau wie die Glocken."

Maßgeschneiderte Klänge

Pomassl hat die Architektur der fünf Innenstadt-Örtlichkeiten genau vermessen und Klänge konstruiert, die mathematisch in exakten Proportionen zur Salzburger Innenstadt-Architektur stehen. Die Anlage auf dem Mönchsberg ist die Klangquelle für die ganz tiefen Bässe, der Dom für die tiefen bis mittleren Frequenzen bis zum Glockenspiel, vom dem aus die ganz hohen Klänge an der Hörbarkeitsgrenze von 17 Kiloherz abgestrahlt werden. Je nach Position des Hörers soll sich die Mischung der Klänge ändern und ein individuelles Hörbild von synthetischen Klängen der Gegenwart vermitteln.

Ebenfalls heute und morgen jeweils um 21 Uhr steht im republic "Radian/Extracts" Part 1 und Part 2 auf dem Programm. Die Klangkunst-Gruppen "Howe Gelb", "Schnee" und "Fennesz" (Freitag) und "Radian", "Pan American" und "The Necks" (Samstag) werden ihre konzertanten, je einstündigen und mit live improvisiertem Jazz vermischten Elektronik-Arbeiten präsentieren. Am kommendem Freitag, dem 16. Juni, steht dann mit einem "transmedialen Nachrichten-Oratorio" von Mike Lad, Vijay Iyer und Ibrahim Quraishi ein weiterer, konzertanter Avantgarde-Höhepunkt auf dem Kontra.com-Programm. (APA)

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