Hochrangiger Mitarbeiter des Ölministeriums entführt

12. Juni 2006, 13:19
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Generaldirektor auf dem Weg zur Arbeit verschleppt

Bagdad - In Bagdad ist ein hochrangiger Mitarbeiter des irakischen Ölministeriums auf offener Straße verschleppt worden. Wie die Polizei am Freitag in der irakischen Hauptstadt mitteilte, wurde der für Ölprojekte zuständige Generaldirektor am Vortag auf dem Weg zur Arbeit entführt. Er war in seinem Wagen in dem sunnitischen Bezirk Adhamiya unterwegs, als die Bewaffneten das Auto stoppten. Sie zerrten ihr Opfer aus dem Wagen, ließen aber den Fahrer laufen.

Die Entführung ereignete sich am selben Tag, an dem die USA und die mit ihr verbündete irakische Regierung die Tötung des Al-Kaida-Chefs im Irak, Abu Musab al-Zarqawi, bekannt gaben. Zugleich verhängten die Behörden am Freitag ein mehrstündiges Fahrverbot über Bagdad, um Racheakte der Al-Kaida während der Zeit der traditionellen Gebete an diesem Wochentag zu verhindern.

Selbstmordattentäter hatten in der Vergangenheit mehrfach schiitische Moscheen angegriffen und den Irak damit an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht. Neben Bagdad wurde auch über Baquba ein Fahrverbot verhängt. In der Nähe der Stadt in der Großregion um Bagdad war Zarqawi bei einem US-Luftangriff am Mittwoch getötet worden. Der irakische Ölminister Hussain al-Shahristani hatte nach dem Tod des irakischen Staatsfeinds die Hoffnung geäußert, dass sich die von zahlreichen Sabotageakten beeinträchtigte Ölförderung nun wieder stabilisieren werde.

Im Irak haben Aufständische und kriminelle Banden in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen verschleppt, um damit das Land zu destabilisieren oder Lösegeld zu erpressen. Neben Ausländern gerieten dabei auch immer wieder Verwaltungs- und Regierungsbeamte in das Visier von Entführern, die mit Gewaltakten die mit den USA verbündete Regierung treffen wollen.

Das Ölministerium gilt als eines der Schlüsselressorts für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes. Infolge des Irak-Krieges von 2003 und zahlreicher Sabotageakte ist der Ölexport - einst eine sprudelnde Einnahmequelle des Golfstaates - stark beeinträchtigt.

20 Leichen in der Nähe einer Moschee gefunden

Die irakische Polizei hat am Freitag östlich von Bagdad die Leichen von 20 Zivilisten entdeckt. Die an den Händen gefesselten Mordopfer seien erschossen worden, hieß es aus Polizeikreisen. Die Leichen lagen in der Nähe einer Moschee in Al-Habibiya östlich von Bagdad.

Nach Angaben der Gerichtsmedizin in Bagdad sind seit Jahresbeginn im Irak schon mehr als 6.000 Menschen tot aufgefunden worden, von denen die meisten von Extremisten allein auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Religionsgruppe erschossen worden sind. (APA/Reuters)

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