UNHCR: Flüchtlingszahl weltweit auf tiefstem Stand seit 26 Jahren

14. Juni 2006, 15:22
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Zahl der Binnenvertriebenen jedoch gestiegen - Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan

Genf/Wien - Die Zahl der Flüchtlinge weltweit hat den niedrigsten Stand seit 26 Jahren erreicht. Dennoch ist die Gesamtzahl entwurzelter Menschen vergangenes Jahr auf knapp 21 Millionen gestiegen, berichtete am Freitag das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR. Dieses Ergebnis einer weltweiten Zählung für 2005 ist auf die wachsende Rolle des UNHCR bei der Betreuung von so genannten Binnenvertriebenen zurückzuführen - von Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes fliehen mussten.

Der UNHCR-Bericht "2005 Global Refugee Trends" stellt fest: Trotz Rückgangs der Zahl grenzüberschreitender Flüchtlinge von 9,5 Millionen (2004) auf 8,4 Millionen im vergangenen Jahr ist die Gesamtzahl der von UNHCR geschützten und unterstützten Personen um 1,3 Millionen auf 20,8 Millionen gestiegen. Der Anstieg liegt hauptsächlich an der größeren Zahl von Menschen, die im eigenen Land in einer fluchtähnlichen Situation leben: 6,6 Millionen Binnenvertriebene gegenüber 5,4 Millionen Ende 2004.

Sechs Millionen Heimkehrer

"Im Vorfeld des Weltflüchtlingstags am 20. Juni ist die gute Nachricht: Die weltweiten Flüchtlingszahlen sind auf den niedrigsten Stand seit 1980 zurückgegangen. Zudem weist das vergangene Jahr die wenigsten neuen Massenfluchtbewegungen in Nachbarländer seit 29 Jahren auf. Und seit 2002 konnten sechs Millionen Flüchtlinge heimkehren", sagte UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres. "Für Millionen Flüchtlinge finden wir durch freiwillige Rückkehr, durch Integration in Asylländern und durch Neuansiedelung in Drittstaaten dauerhafte Lösungen."

"Die schlechte Nachricht ist jedoch: Die internationale Staatengemeinschaft ist noch weit davon entfernt, Millionen von Binnenvertriebenen aus Notlagen wie in Darfur, in Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo zu befreien", meinte Guterres weiter. "Während wir in Liberia, der Russischen Föderation, dem Balkan und anderorts Hunderttausende Binnenvertriebene bei der Heimkehr unterstützt haben, leben noch immer Millionen wie Flüchtlinge in den Grenzen ihres eigenen Landes. Sie brauchen viel mehr Hilfe, und UNHCR beabsichtigt, seinen Beitrag zu leisten."

Die 6,6 Millionen Binnenvertriebenen, die UNHCR bereits betreut, entsprechen 32 Prozent der von der Organisation weltweit geschützten und unterstützten 20,8 Millionen Menschen. Sie werden nur noch von der Zahl der Flüchtlinge (40 Prozent) übertroffen. Die restlichen 28 Prozent in der aktuellen UNHCR-Statistik schließen u.a. Rückkehrer (1,6 Mio.), Asylsuchende (773.000) und Staatenlose (2,4 Mio.) ein.

Die überwiegende Mehrheit der entwurzelten Menschen bleiben in Entwicklungsländern, darunter Afghanen (2,9 Mio.), Kolumbianer (2,5 Mio.), Iraker (1,8 Mio.), Sudanesen (1,6 Mio.) und Somalier (839.000). Afghanistan bringt weiterhin die meisten Flüchtlinge hervor (1,9 Mio. in 72 Asylländern). Allerdings fiel deren Gesamtzahl im Vorjahr um 21 Prozent. UNHCR-Hilfsprogramme haben auch zu einem Rückgang der Flüchtlinge aus Burundi (minus 10 Prozent) und Liberia (minus 31 Prozent) geführt. 2005 kehrten insgesamt 1,1 Millionen Flüchtlinge zurück, davon 752.000 nach Afghanistan, 70.000 nach Liberia, 68.000 nach Burundi, 56.000 in den Irak und 54.000 nach Angola. (APA)

Der Bericht "2005 Gobal Refugee Trends" ist auf unhcr.org abrufbar.
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