Gerichtsgeschichte: "Spinne" vernichtet

11. Juni 2006, 19:01
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Eine schlechte Ehe wie andere auch - sie endete mit dem Mordauftrag per Handy

Wien – Dieser Kriminalfall klingt wie schlecht erfunden. Nun hat er, der so genannte SMS-Mord, rechtskräftige Urteile. Es bleibt auch nach der Berufungsverhandlung bei 20 Jahren Gefängnis für jene Frau, die per Handy den Auftrag „Vernichte die Spinne“ erteilt hat. Jene zwei Jugendlichen, denen der Wunsch der Frau Befehl war und die der „Spinne“ (dem Ehemann) ansatzlos 58 Messerstiche versetzten, müssen sich wegen Mordes mit je 15 Jahren Haft abfinden.

"Schlechte Ehe wie andere auch"

"Es war eine schlechte Ehe wie 100.000 andere auch", resümiert der Vorsitzende des Richtersenats: „Würden wir aber alle so reagieren und so bestialisch morden, hätten wir Anarchie." Die Hauptperson in diesem seltsam konstruierten und erstaunlich motivierten Gewaltakt ist eine kleine, bieder wirkende Frau mit kurzen Haaren und Brillen. Ihr Anwalt schätzt sie als „unbescholtene, treu sorgende Ehefrau und gute Mutter dreier Kinder, die versucht hat, ihr Leben zu meistern, was ihr nicht immer leicht gefallen ist.“

Leben und leben lassen

Sie selbst hat bei ihrer Einvernahme von sich behauptet: „Leben und leben lassen, war meine Devise“. Doch das hat sie, wie der Mordauftrag beweist, nicht konsequent durchgehalten. Ihr Mann ging ihr mit seinen ständigen Nörgeleien und Wutausbrüchen mächtig auf die Nerven. „Er ist wegen jeder Nichtigkeit ausgerastet“, sagt sie. Sie musste ihn allerdings nach der Scheidung ein zweites Mal heiraten, um zu bermerken, dass sie es mit ihm tatsächlich nicht aushielt.

Da trat nun Thomas (18), ein Freund der Familie, in Erscheinung, von dem dessen Verteidiger behauptet: „Er war immer der Bärli, der Gutmütige, bei dem sich alle ausweinen konnten.“ - Die Ehefrau weinte sich also bei ihm aus und bat ihn bei der Gelegenheit, ihr den Ehemann aus dem Weg zu räumen. „Wir waren Seelenverwandte“, sagt Thomas: „Ich wollte ihr einfach nur helfen.“ Er wiederum hatte Michael, „den Burgenländer“, zur Seite, einen stillen, konfliktscheuen hageren Burschen.

Kehlenschnitt

Am 18. August 2005 wussten alle drei, dass es so weit war. Per SMS erfolgte der Befehl der Frau. Zusätzlich „ist sie sich mit dem Finger über den Hals gefahren“. Thomas packte den Mann von hinten und schrie „Burgenländer“. Das war die Aufforderung an den Freund, die Waffe zu ergreifen und dem Mann die Kehle durchzuschneiden. Die Ehefrau zog sich sodann ins Schlafzimmer zurück und tröstete ihre weinenden Töchter. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 10./11.06.2006)

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