Prodi-Interview mit der "Zeit" ärgert Italiens Kommunisten

26. Juni 2006, 18:48
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Bertinotti: "Wir sind weder folkloristisch, noch harmlos" - Auch Opposition über Aussagen des Ministerpräsidenten empört

Rom - In der italienischen Mitte-Links-Allianz liegen wegen eines Interviews von Ministerpräsident Romano Prodi mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" die Nerven blank. "Wir haben (in der Koalition) mehr Folklore (als in Deutschland, Anm.): die Rifondazione Comunista, die Comunisti Italiani. Aber verglichen mit (Oskar) Lafontaine, ist das eher harmlos", so der Ministerpräsident.

Die Italienischen Kommunisten, eine der beiden kommunistischen Parteien in Prodis Koalition "Unione", reagierten nervös. "Wir sind keineswegs eine folkloristische Partei, sondern eine Gruppierung, die Prodi den Wahlsieg ermöglicht hat. Dank unserer Partei kann Prodi regieren", kommentierte der Europa-Abgeordnete der Comunisti Italiani, Marco Rizzo.

"Weder folkloristisch, noch harmlos"

Auch der Präsident der Abgeordnetenkammer, Fausto Bertinotti, Spitzenpolitiker der Rifondazione, zeigte sich entrüstet. "Wir sind weder folkloristisch, noch harmlos", wurde Bertinotti von italienischen Medien am Freitag zitiert. Bertinotti verlangte von Prodi eine Entschuldigung.

Nach der empörten Reaktion Bertinottis machte Prodi einen Rückzieher. Folkloristischer als in Deutschland seien in Italien die Verhandlungen zur Regierungsbildung. Das Adjektiv habe sich nicht auf die beiden kommunistischen Parteien bezogen", hieß es in einer Presseaussendung von Prodis Büro.

Italien "versklavt"

Mit dem am Donnerstag erschienenen "Zeit"-Interview verärgerte Prodi auch die Opposition um Silvio Berlusconi. Aufsehen löste Prodi mit dem Vorwurf aus, Berlusconi habe Italien "versklavt". "Dieses Land ist zuvor versklavt worden. Der frühere Ministerpräsident konnte tun und lassen, was er wollte (...) Der Berlusconismus hat das italienische Volk systematisch verändert, die Mentalität der Leute. Ihre Werte", sagte Prodi.

Prodi bezeichnete Berlusconis Forza Italia als Partei derjenigen, die immer in zweiter Reihe parken. "Genau das hat er doch propagiert: Den Fiskus zu prellen ist kein Problem. In zweiter Reihe zu parken ist kein Problem. Der Staat ist der Gegner, der Feind. Und mit seinen Medien hat er immer wieder diese Propaganda verbreitet", betonte der Ministerpräsident.

"Prodi soll sich bei den Italienern entschuldigen. Sie fühlen sich keineswegs als Sklaven. Prodis Äußerungen über die Italiener wären in anderen europäischen Ländern unannehmbar", betonte der Abgeordnete der Forza Italia, Antonio Tajani. Der Sprecher der Forza Italia, Sandro Bondi, warf dem Regierungschef "Extremismus" vor. (APA)

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