"Mafia mitten in Österreich"

12. Juni 2006, 16:20
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Suche nach weiteren Mitgliedern der falschen "Marlboromen"

Salzburg - Nach dem Schlag der Zollwache gegen den heimischen Zweig der "Zigarettenmafia"beginnt für die Justiz die mühsame Aufarbeitung der Organisation. Von der illegalen Fabrik in Thalgau, wo mindestens vier Millionen Stangen gefälschte Zigaretten hergestellt worden sein sollen, dürften wesentlich mehr Menschen als die derzeit fünf Verdächtigen gewusst haben.

Wie berichtet, gilt ein 61-jähriger Pensionist aus Oberösterreich, der zuletzt in Tirol gelebt hatte, als mutmaßlicher Kopf der falschen "Marlboromen". Der frühere Vertreter, der einen Teil seines Vermögens in 100 Kilo Goldbarren angelegt hatte, soll nicht nur Kontakt zu internationalen Schmugglerbanden gehabt, sondern auch im Inland alle Fäden gezogen haben. Unter Mittatverdacht stehen eine Druckerei im Tiroler Unterland, eine Spedition in Linz-Umgebung, ein Filterpapiererzeuger im Bezirk Baden (NÖ) und eine Vermittlungsfirma in Linz. Die Tabak-Verarbeitungsmaschinen und ein Großteil der Arbeiterinnen stammten aus Bulgarien.

Trotz eines errechneten Steuerschadens von 50 Millionen Euro befindet sich niemand in U-Haft. Was bei manchen Fahndern Unverständnis hervorruft. Im Justizministerium hieß es, das sei "eine Entscheidung der unabhängigen Rechtsprechung und als solche zu akzeptieren."

Österreichs Trafikanten forderten Donnerstag mehr Personal für die Zollfahndung sowie höhere Strafen für illegalen Tabakmachenschaften. "Die Mafia hat sich bereits mitten in Österreich niedergelassen. Dagegen muss etwas unternommen werden", verlangte Peter Trinkl, der Wirtschaftskammer-Obmann der Trafikanten. (APA, simo, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Juni 2006)

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