Wo bleibt das Engagement für die Jugend?

8. Juni 2000, 18:29

Von Lydia Ninz

Bildungsexperten vom Institut für Höhere Studien (IHS) haben eine alarmierende Entwicklung festgestellt: Immer mehr Jugendliche brechen am Ende der Pflichtschule ihre Bildungszelte endgültig ab: sie pfeifen auf alle Schulen und fangen auch keine Lehre an. 7000 sollen es sein, acht Prozent der 15 bis 15-Jährigen. Es betrifft mehr Mädchen als Buben.

Was sie treiben, weiss niemand

Warum viele Pubertierende auf der Strecke bleiben, hat kein Mensch noch erforscht. Einseitige Schuldvermutungen von wegen verwahrloster Elternhäuser oder Versagen des Schulssystems greifen wohl zu kurz. Es ist wohl eher eine Kombination, verbrämt mit gesellschaftlich-medialen Entwicklungen und pubertärer Dummheit. Ob sie pfuschen, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten oder niedrige Hilfsdienste verrichten, das hält keine Statistik fest.

Was da passiert, geht uns alle an, auch die zuständige Bildungsministerin. Statt sich um diese Fehlentwicklung zu kümmern, zweifelt Elisabeth Gehrer erst einmal die Studie an, die diese unerfreuliche Botschaft vermittelte. Verdrängen und ablenken lautet offensichtlich ihre Devise. Eigentlich enttäuschend für eine Frau, die so resolut und lebensnah wirkt wie diese Politikerin aus Vorarlberg.

Auffangnetz für Lehrlinge?

Doch die Regierung setzt gleichzeitig auch Handlungen. Sie macht das Auffangnetz für Lehrlinge, die im Herbst keine Lehrstelle bekommen, viel löchriger. Ausgerechnet jetzt streicht sie alle Lehrlingsstiftungen, eine Maßnahme die auf Jugendliche mit Problemen, gemünzt waren. Natürlich waren diese Stiftungen in Vergangenheit zu teuer und vielleicht nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Sie waren aber gerade für die Schwächeren bestimmt, die aus diversen Gründen mit ihrem Leben und ihrer Laufbahn nicht klarkamen.

Für diese Gruppe hat die schwarz-blaue Regierung in ihrem Pakt für Jugendliche gar nichts vorgesehen. Der Weg in eine spätere Lehre ist ihnen versperrt. Sie sind schlichtweg nicht in der Lage, die Voraussetzungen für die zehnmonatigen Lehrgänge, die es ja weiterhin geben wird und die auf eine spätere Lehre vorbereiten , zu schaffen. So landen sie bestenfalls in der sogenannten Vorlehre, in perspektivelosen Hilfsberufen , die von den Firmen allerdings bisher kaum angeboten werden.

Jugend am Herzen

Um die "verlorenen" Jungen scheren sich Susi&Strolchi und die zwei "Sissis" - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Generationenministerin Elisabeth Sickl - nicht. Ausgerechnet jene Regierungsexponenten, die uns bei jeder Gelegenheit - Stichwort Karenzgeld, Stichwort Pensionsreform - weis machen wollen, wie sehr ihnen die Jugend am Herzen liegt. Vielleicht lassen sie diese Kids links liegen, weil sich dieses "Minusthema" weniger nett plakatieren läßt als nackte Kinderpopos.

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