Spekulationen als Wachstumskiller

7. Juli 2006, 11:11
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Das Platzen von Spekulationsblasen am Aktien- und Immobilienmarkt trifft laut Studie auch deutsche Konjunktur

Berlin - Das Platzen von Spekulationsblasen am Aktien- und Immobilienmarkt trifft einer Studie des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) zufolge auch die deutsche Konjunktur. Damit widersprechen die Volkswirte des Instituts der verbreiteten Auffassung, dass der Effekt von übertriebenen Spekulationen an den Immobilien- und Aktienmärkten für die Konjunktur schwach sei, weil private Haushalte nur einen geringen Teil ihres Vermögens in Aktien investierten.

Während US-Amerikaner im Schnitt 23 Prozent ihres Geldes in Aktien anlegen, sind es in Deutschland zwölf Prozent und in Großbritannien 13 Prozent. Wenn die Aktienkurse um ein Viertel nachgeben, fällt der Bremseffekt in den USA zunächst deutlich stärker aus als in Deutschland: Der private Konsum werde unmittelbar um 0,67 Prozent verlangsamt. In Deutschland sinke der Verbrauch zeitlich verzögert zwar nur um 0,16 Prozent, der Rückgang halte jedoch deutlich länger an, nämlich bis zu acht Jahre. In Großbritannien sei der Rückgang wiederum etwas stärker, er sei jedoch nach vier Jahren nicht mehr zu spüren. "Der Rückgang des Aktienvermögens im Jahr 2000 ist eine weitere Erklärung für die gegenwärtige Konsumschwäche in Deutschland", so Oliver Hülsewig vom Ifo-Institut.

Dominierend seien jedoch das geringe Wachstum der realen Einkommen und die Sparneigung. Da die Deutschen einen höheren Anteil ihres Geldes in Immobilien anlegen, sei der Effekt auf den Konsum durch einen Einbruch der Immobilienpreise stärker als das Platzen einer Aktienblase, heißt es in der Ifo-Studie. (Reuters/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2006)

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