Tirol: Lebensraum an einem wilden Fluss

11. Juni 2006, 19:11
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Frauenschuhblüte am Rande des Lechs - Land und EU schufen einen Naturpark

Lechtal - Normalerweise ist der kleine Kiefernauwald Ende Mai von leuchtend gelben Frauenschuhblüten geprägt. Heuer sind wegen der nasskalten Witterung erst wenige Blüten voll entwickelt, die anderen stecken noch in ihren rotbraunen Hüllen. Der lichte Kiefernwald und die wasserdurchlässigen Kalkschotterböden sind ein idealer Lebensraum der selten gewordenen und streng geschützten Orchideenart. Von Mitte Mai bis Mitte Juni blühen in der Martinau bei Vordernhornbach am Tiroler Lech 5000 Blüten und annähernd gleich viele Menschen lassen sich jährlich das Naturschauspiel nicht entgegen, erzählt WWF-Lech-Experte Anton Vorauer.

Hier wurde eines von 53 Projekten des auf sechs Jahre befristeten LIFE-Projekts umgesetzt, der größte Teil davon ist fertig. 7,82 Millionen Euro standen zur Verfügung, ko- finanziert mit EU-Geldern. Fast 90 Prozent des Geldes kam dem Fluss direkt zu Gute.

Das Frauenschuhgebiet Martinau wurde mit einfachen Maßnahmen wirksam geschützt: Infotafeln am Beginn eines neu angelegten 500 Meter langen Rundweges, niedere Holzpflöcke schützen die in Gruppen auftretenden Pflanzen vor unbedachten Tritten und es gibt eine Kooperation mit der Bergwacht.

Fünf Kilometer nördlich, bei der sanierten und um einen Pfeiler erweiterten Johannesbrücke, präsentiert Vorauer eines von drei Aufweitungsprojekten für den Lech. Durch die Entfernung von Längsbauwerken hat der Lech wieder mehr Platz bekommen. Bei der Brücke ist einer der Orte, wo man das faszinierende Spiel dieses Wildflusses und der sich ständig verändernden Sandbänke gut beobachten kann. Ein Stück flussaufwärts wurde bei einem Zubringerbach, dem Hornbach, eine Geschiebesperre abgetragen. Jetzt bekommt der Lech wieder den Schotter der ihm lange vorenthalten wurde. Zuvor waren Eintiefungen im Flussbett entstanden, die Fließgeschwindigkeit stieg und damit die Hochwassergefahr.

Bei der Gestaltung des Lebensraumes am Lech haben Wildbachverbauung und WWF gemeinsame Sache gemacht, die einem naturnahen Fliessverhalten ebenso dient, wie dem Schutzinteresse der Anrainer. Zugleich ist das 41 km² große Natura 2000-Gebiet für Touristen noch attraktiver geworden. Auch der künftige Status als Naturpark ist nun geklärt, für einen Nationalpark fand sich keine Mehrheit.

Eine vom Land finanzierte Betreuerin hat ihre Arbeit aufgenommen und die Akzeptanz der Maßnahmen zeigt sich unter anderem darin, dass sich für das geplante Naturparkhaus mehrere Gemeinden beworben haben. (hs, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Juni 2006)

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    Schön, doch selten geworden: Frauenschuhblüte.

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