Koordinator und Trendsetter des Terrors

13. Juni 2006, 15:10
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Seit 2003 koordinierte Zarkawi den Terror im Irak - Der 39-jährige scheute nicht davor zurück, auch Muslime zu töten - Mit Infografik

Seit 2003 koordinierte der Jordanier Abu Mussab al-Zarkawi den Terror im Irak. Der 39-jährige Jordanier scheute nicht davor zurück, auch Muslime zu töten.

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Auf die Weltbühne gehoben hat ihn erst Colin Powell. In seiner berühmten Rede vor der UNO vom 5. Februar 2003 nannte er die Präsenz Abu Mussab al-Zarkawis im Irak als Beispiel für die Verbindung zwischen dem Regime Saddam Husseins und der Al-Kaida, eine Sache, die sich als falsch herausstellte. Doch der Jordanier war plötzlich berühmt. Etwa ein halbes Jahr später wurde er seinem Ruf als Topterrorist gerecht.

Als am 19. August 2003 ein mit Sprengstoff beladener Kleinlaster in das UNO-Hauptquartier in Bagdad fährt, beginnt die Terroroffensive seines Netzwerkes. Der Mann mit dem bürgerlichen Namen Ahmed Fadhil al-Khalaliyah lässt ein Video veröffentlichen, auf dem zu sehen ist, wie Djihad-Kämpfer eine Bombe vergraben, sich betend vor ihr verneigen und daraufhin filmen, wie ein US-Militärfahrzeug in die Luft gejagt wird.

"Wir ernteten ihre Köpfe"

Anfang 2004 tauchen die ersten Videos von Geiselermordungen auf. Einer der Mörder soll Zarkawi selbst sein. "Wir ernteten ihre Köpfe und schlitzten ihre Körper auf", so der Text zu den Bildern. Ende desselben Jahres ernennt Osama Bin Laden Zarkawi zum "Befehlshaber der Al-Kaida im Irak" - die logische Konsequenz der "Karriere" des Jordaniers. Zarkawi hatte Bin Laden zu diesem Zeitpunkt bereits die führende Rolle im globalisierten Terrornetzwerk streitig gemacht. Er koordinierte verschiedene Gruppen von Syrien über den Kaukasus bis Europa, er rekrutierte neue Kämpfer und er sorgte für die Finanzierung und die Waffen. 25 Millionen Dollar waren am Ende auf ihn ausgesetzt.

Zarkawi, in seiner Jugend ein Schläger und Säufer, der von seinem Vater häufig von der Polizeistation abgeholt werden musste, wurde mit 23 Jahren zum radikalen Islamisten, als er 1989 nach Afghanistan ging. Der Krieg mit der Sowjetunion war da gerade aus, doch die Ideologie des Djihad lag in der Luft. Als er Anfang der 90er-Jahre nach Jordanien zurückkehrt, nennt er sich nach einem Kämpfer des Propheten Mohammed, Mussab Bin Umeyr, als Zusatz gibt er sich weltläufig den Namen al-Zarkawi, der Mann aus Zarka, einer kleinen Industriestadt im Norden Jordaniens. Von 1994 bis 1999 sitzt er wegen Waffenbesitzes im Gefängnis.

Die jordanischen Behörden haben ein Auge auf die Afghanistan-Kämpfer geworfen. Während der Haft verschreibt er sich ganz der salafistischen Ausrichtung des Islam, die streng zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" unterscheidet. Den Ungläubigen spricht er das Recht zu leben ab. Dazu zählt Zarkawi auch Muslime schiitischer Ausrichtung. Nach seiner Freilassung nimmt er Kontakt mit der Al-Kaida auf.

Der ehemalige Militärchef Bin Ladens, Saif al-Adel wird später über ihn sagen: "Ich fand einen stämmigen Mann, der die Kunst des Redens nicht so gut beherrschte, kurz und knapp das zum Ausdruck brachte, was ihm an Gedanken durch den Kopf schwebte, der keine seiner Überzeugungen preisgab, weder feilschte noch sich duckte, mit einem klaren Ziel, den Islam in die Realität des menschlichen Lebens zurückzuführen. Seine Lebenserfahrung und seine Erfahrung in der Arbeit (des Djihad) waren nicht umfangreich. Aber sein Ehrgeiz war groß."

Ideales Terrain

Nach dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 findet er bei der kurdischen Islamistengruppe Ansar al-Islam in Nordirak Unterschlupf. Er weiß, dass die USA über kurz oder lang den Irak angreifen werden und sieht ihn als ideales Terrain für den Kampf gegen die "Ungläubigen" (US-freundliche Regierungen, Amerikaner und Schiiten) und setzt auf einen Bürgerkrieg zwischen den Religionsgruppen.

Zarkawi ist für tausende Tote im Irak verantwortlich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der 39-Jährige von Leuten aus den eigenen Reihen "verraten" worden ist. Die vom Zarkawi angestachelte, völlig blindwütige Gewalt hat sich am Ende gegen ihn selbst gerichtet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09. 06. 2006)

Von Adelheid Wölfl
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