Ausländische Banker müssen sich Bawag erst buchstabieren lassen

19. Juni 2006, 16:20
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In Europa herrscht kein großes Interesse an einem Einstieg bei der viertgrößen heimischen Bank

Berlin/Paris/London/Mailand/Kiew – Ein Rundruf von STANDARD-Korrespondenten bei ausländischen Finanzinstituten und Analysten ergab wenig bis kaum Interesse an einem Einstieg bei der Bawag P.S.K., der viertgrößten heimischen Bank:

In London zerbrechen sich die Bankenexperten über andere Dinge den Kopf. "Ich habe keine Idee, wer dort von hier aus einsteigen könnte", sagte ein Bankenanalyst in der City, versicherte jedoch, dass die Branche den Verkauf der Bank verfolgt. "Es handelt sich um ein wichtiges Unternehmen", so der Analyst. Ein Kollege von ihm jedoch ließ sich den Namen zuerst einmal buchstabieren.

Paris weiß von nichts

Auch ein Analyst von Société Générale in Paris weiß von nichts. Bei der Großbank BNP Paribas heißt es schlicht, auf solche Anfrage gebe es keinen Kommentar. Michel Pébereau, Aufsichtsratschef der französischen Großbank BNP Paribas, hatte erst jüngst in einem STANDARD-Interview erklärt, dass er österreichische Banken für "sehr professionell und effizient" halte. "Einige haben eine Wachstumsstrategie in Osteuropa, die ich sehr bewundere. Wenn eine von ihnen einen Partner sucht, wären wir sehr interessiert. Aber dies ist nicht der Fall."

Kein G'riss in Deutschland

Kein großes G'riss um die Bawag herrscht in Deutschland. "Wir tippen eher auf eine österreichische Lösung", heißt es in Kreisen der Deutschen Bank, bei der man auch zu bedenken gibt: "Sollte nicht einmal ein österreichisches Institut Interesse haben, wird sich ein deutsches noch weniger dafür interessieren."

Um den "kleinen Sparer" bemüht sich die Postbank, weshalb sie als potenzielle Käuferin gilt. Vorerst winkt Vorstandsvorsitzender Wulf von Schimmelmann ab: Die Bawag zähle nicht zu den Objekten, die sich die Postbank näher anschaue. Ebenfalls im Gespräch ist die Commerzbank. Doch Analysten sind auch hier skeptisch: Die Commerzbank habe keine Synergien in Österreich. Wenn sie investiere, dann in Russland oder Polen.

Skepsis und Interesse

Dem Verkauf der Bawag steht man in Italien zwar mit Interesse, aber auch mit Skepsis gegenüber. "Wir sind immer an Banken interessiert wo ein konkretes Wert- und Wachstumspotenzial vorhanden ist" heißt es bei UniCredit, betont aber, dass es sich um eine allgemeine Erklärung handle. Italiens Versicherer Assicurazioni Generali meint zu den Gerüchten Mailänder Finanzkreise, die über ein konkretes Interesse des Versicherers wissen wollen: "Wir kommentieren keine Gerüchte". Bei Banca Intesa, Italiens zweitgrößter Bank, will man eher in Ost- als in Mitteleuropa wachsen. Hingegen ist die Monte dei Paschi di Siena (MPS), am österreichischen Markt interessiert. Mehrere Dossiers für Allianzen, darunter auch mit der Ersten, werden überprüft. Die Bawag zähle nicht zu den Kandidaten.

Keine Antworten in der Ukraine

"Sie werden schwer jemanden finden, der ihnen in diesen Zeiten unserer politischen Unsicherheiten in solchen Fragen etwas sagt", meint eine Expertin der "Assoziation ukrainischer Banken" unter der Bedingung der Anonymität auf die Frage, ob das Konsortium rund um Sergej Klyuyev am Kauf der Bawag interessiert sein könnte. Das ukrainische Konsortium den Investor Sergej Klyuyev war kürzlich beim Verkauf der Bank Burgenland gegen unterlegen. Klyuyev selbst hatte zur Frage des Bawag Verkaufs bereits in einer ukrainischen Zeitung Stellung genommen. Dabei erklärte er, dass nach dem Lärm um die Bank Burgenland andere österreichische Banken nun von sich aus ihre Institute anbieten würden. Am Kauf der Bawag habe er jedoch kein Interesse, weil diese "im normalen Zustand zu teuer und im kritischen Zustand einfach zu uninteressant". (bau, tkb, sed, brä, im, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2006)

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