Bank klagt Elsner auf zehn Millionen Schadenersatz

22. Juni 2006, 19:55
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Aufsichtsrat hatte Elsners riesige Pensions­abfindung genehmigt, von der ausbezahlten Summe aber angeblich nichts gewusst

Wien – Die saftige Pensionsabfindung von 93 Mio. Schilling (6,8 Mio. Euro), die sich Bawag-Ex-Chef Helmut Elsner am 17. Dezember 2000 in zwei Tranchen (die zweite war die kapitalisierte Witwenpension für seine heute 50-jährige Frau Ruth) hat auszahlen lassen, beschäftigt schon die Justiz. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat ja Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Wien prüft bereits, ob Elsner oder andere Beteiligte durch die Annahme beziehungsweise die Auszahlung den Tatbestand der Untreue verwirklicht haben; es gilt die Unschuldsvermutung.

Zu Erinnerung: Im Jahr 2000 hatten die Verluste aus den schief gelaufenen Karibik- Geschäften eine Milliarde Euro erreicht; Elsner wusste das. Der ÖGB musste die Haftung übernehmen, damit die Bank überhaupt bilanzieren konnte.

Bawag mit Schadenersatzklage

Die Bawag selbst wird Freitag, ihre erste Schadenersatzklage gegen Ex-Bankchef Helmut Elsner bei Gericht einbringen. Gefordert werden zehn Mio. Euro – die Ausweitung der Klagssumme behält sich der nunmehrige Vorstand unter Ewald Nowotny aber vor.

Abfindungen en vogue

Beschlossen wurde Elsners Pensionsabfindung in der Aufsichtsratssitzung am 23. November 2000. Diese Abfindungen waren damals bei Managern mit Pensionsverträgen sehr en vogue: Per 2001 wurde nämlich die Steuerbegünstigung abgeschafft. Präsident des Bawag-Aufsichtsrats war damals ÖGB-Finanzchef Günter Weninger, Vizepräsident Alfred Lehner, Chef der Bayerischen Landesbank, die zu dieser Zeit 46 Prozent an der Bawag hielt.

Die Aufsichtsräte bekamen den Tagesordnungspunkt Elsner-Abfindung per Tischvorlage präsentiert, Präsident Weninger trug vor, Elsner habe die entsprechende Änderung seines Vorstandsvertrages (in dem die Pensionsvereinbarung festgeschrieben war) beantragt. Zudem würden in der Abfindung "auch die Ansprüche der Witwe" berücksichtigt, hieß es. Und: Genau genommen werde sich die Bank sogar Geld sparen, weil die Abfindung auf der Gehaltshöhe des Jahres 2000 basiere, Elsner aber erst zwei Jahre danach (mit höheren Einkommen) in den Ruhestand treten werde. So erspare man sich die Valorisierung.

Lob und Kohle

Das weitere Procedere, das Weninger vorschlug: Das Gremium möge ihm das nötige Pouvoir erteilen, danach seien die Versicherungsmathematiker am Wort. Die bayerischen Kontrollore fragten noch nach, ob das Vorgehen gesetzlich gedeckt sei (Antwort: ja) und lobten im Übrigen Elsner, der nun schon 45 Jahre für die Bank tätig sei und große Verdienste habe, zumal er doch gerade die Postsparkasse gekauft habe.

Grünes Licht im Aufsichtsrat

Fazit: Der Aufsichtsrat gab grünes Licht, "die Summe der Auszahlung hat aber nie der gesamte Aufsichtsrat erfahren. Über die Dienstverträge des Vorstands haben wir sowieso nie etwas gehört", wie ein Kontrollor heute sagt. Tatsächlich sind so genannte Organgeschäfte Sache des Aufsichtsratspräsidiums.

Dass andere Bawag-Ex-Vorstände ebenfalls Abfindungen bekommen haben, wird in der Bank ausgeschlossen. Gleich sind trotzdem nicht alle Mitarbeiter der ehemaligen Arbeiterbank: Bis auf den Deutschen Jürgen Bottermann haben im Sommer 2005 alle Mitglieder des damaligen Vorstands (Ende März 2006 wurden Christian Büttner, Hubert Kreuch. Peter Nakowitz und Josef Schwarzecker ausgeschieden) ihre Pensionsansprüche in die Bonus Pensionskassen AG verlagert. Davor waren ihre Ansprüche, wie die aller Bawag-Mitarbeiter, in der Allianz Pensionskassen AG gelegen, die der Bank und dem Versicherer gehört. Die Summe der ausgelagerten Ansprüche ist für Bawag-Verhältnisse vergleichsweise gering: Es geht um rund zehn Millionen Euro. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2006)

  • Die Bawag selbst wird Freitag, ihre erste Schadenersatzklage gegen Ex-Bankchef Helmut Elsner bei Gericht einbringen.
    foto: standard/hendrich

    Die Bawag selbst wird Freitag, ihre erste Schadenersatzklage gegen Ex-Bankchef Helmut Elsner bei Gericht einbringen.

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