
Stadtgeschichten von Thomas Rottenberg

Auch als Buch: Die besten Stadtgeschichten aus dem Stadtgeschichten - Archiv - zum Wiederlesen & Weiterschenken. "Wiener Stadtgeschichten" mit Illustrationen von Andrea Satrapa-Binder, Echomedia Verlag Ges.m.b.H., ISBN 3-901761-29-2, 14,90 Euro.
Es war gestern. Da hat U. gemeint, sie werde nie wieder tanzen gehen. Weil es ihr jetzt reiche. Das mit diesen Männern. Sie lasse sich nämlich nicht alles an den Kopf werfen egal von wem und egal um welche Uhrzeit. Denn es genüge wohl nicht, dass sie gewisse U-Bahn-Stationen und Straßenbahnlinien mittlerweile meide – aber so wie die Sache sich mittlerweile entwickle, fehle nicht viel und sie werde wirklich zu dem, was ihr da ständig vorgeworfen wird: Zu einer Rassistin.
U.s Problem ist nämlich, dass sie gut aussieht. Nicht so gut, dass sich Männer vor ihr fürchten, aber doch locker gut genug, um Blicke und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Außerdem präferiert U. einen modischen Stil, für den sie von uns regelmäßig Schelte bekommt. Oder Gelächter. Oder eine Mischung davon. Aber U. steht da drüber – und dazu, dass sie eben an mindesten vier von sieben Tagen auf Vorstadtdiscotussistyling steht. Mit allem, was da dazugehört. Oder was man da eben weglässt. Das sei, betont U., ihr gutes Recht. Und aus.
Weibchenschemablick
Darüber hinaus wendet U., wenn man sie direkt ansieht, nicht brav weibchenschemaschamhaft den Blick ab – sondern schaut zurück. Und meistens lächelt sie dabei auch noch. Zumindest das, sagt U., werde sie sich jetzt abgewöhnen, wenn sie von Männern mit schwarzer Haut angesprochen wird.
Weil die – und weil U. hier von ihrer ganz persönlichen Erlebnisempirie spricht, beharrt sie darauf, hier einfach und pauschal „die“ zu sagen – nach einem Lächeln mit einem „Nein“ nicht umgehen könnten. Österreichische Jungmännchen, hormongesteuerte Ex-Yugoslawen oder anlassige Jungtürken könnten zwar auch ziemlich lästig sein – aber Schwarzafrikaner, meint U., seien das Letzte.
Beknackte Gangster-Attitüde
Und das läge gar nicht an der stereotypen, völlig beknackten Hip-Hop- oder Gangster Attitüde von bettelarmen Buben, die sie in der U6 so anmachen, als würden sie sich mindestens in einem Ferrari oder einem Hummer neben ihr einschleifen. Das, meint U. rege ja fast ihre Muttergefühle an. Es läge auch nicht wirklich an der Betonung oder Erwähnung etlicher Zentimeter an männlichen Vorzügen, die man jetzt noch in der (deswegen?) tiefsitzenden Hose habe, aber schon bald ... Das, meint U., firmiere bloß zwischen skurril und ungustig. Und, sagt U., es läge auch nicht daran, dass die schwarzen Knaben in den Öffis drei von vier Fällen en passant irgendwann auch das Wort „Dope for free“ fallen ließen. Das, sagt U, sei einfach nur deppert.
Was sie, sagt U., mittlerweile fast präventiv grantig dreinblicken lasse, sobald sich ein Afrikaner daran mache, sie anzusprechen, sei das unvermeidliche Totschlagargument, dass ihr um die Ohren geschnalzt werde, sobald ihr kontstantes „No“, „No thank you“, „Very nice, but really: No“ dann doch durch die Testosteronmauer gedrungen sei: Was sie denn gegen Schwarze habe, wäre als Frage formuliert - die Ausnahme. Meist käme das „Racist“, „you are a fucking racist“ oder das „racist bitch“ nach dem dritten oder vierten „Nein” mit Vehemenz und wie ein Hammer über sie.
Schuldgefühle
Anfangs, sagt U., habe sie sich deswegen sogar schuldig gefühlt. Einmal sei sie deshalb sogar auf einen Kaffee mit gegangen (und hatte dann, da seien weiße und schwarze Männer ja wirklich gleich) wochenlang eine vollgebrabbelte Mailbox. Mittlerweile zucke sie, sagt U., nicht einmal mehr mit den Augenbrauen, wenn sie von einem verschmähten Afrikaner öffentlich beschimpft werde – aber bestimmte U-Bahnstationen miede sie deswegen schon seit längerem.
Nun aber reiche es ihr: Im Tanzlokal ihrer Wahl sei – nicht zuletzt, weil sie und ein paar Freundinnen dem Türsteher und dem Geschäftsführer in den Ohren gelegen seien, dass das offensichtliche Nichthereinlassen dunkelhäutiger junger Männer einfach Scheiße sei (und sie deswegen einen dauerhaften Lokalwechsel überlegten) - seit ein paar Wochen die Apartheid auch für Buben abgeschafft (schwarze Mädchen hatten nie Türprobleme gehabt). Und prompt ertappe sie, sagt U., sich dabei, sich nach den Zeiten der Rassentrennung zurück zu sehnen.
Weil das Öffi- und Öffentlicher-Raum-Balzwording schlagartig auch hier um sich gegriffen habe. Auch, dass sie jedes Mal, wenn sie versuche, das Problem im Freundeskreis zu thematisieren, nur komische Blicke ernte. Oder die Rüge, dass „sowas aber gar nicht pc“ sei. Sie solle sich nicht so anstellen. Das schlimmste sei aber, dass sie langsam tatsächlich schon vor dem Angesprochen werden sauer werde. Also rassistische Vorurteile entwickle. Und eigentlich, betont U., fände sie das ziemlich unsympathisch.
Frau G. ist seit Jahren tot. Aber jetzt klopfte das Glück an ihre Tür
Die beiden Herren hatten ihr Geschäftsfrühstück beendet - Und zogen nun Zigarren aus der Tasche
Werbung die sich von selbst entsorgt gibt es nicht. Mails, die das tun, allem Anschein nach schon
das Problem besteht aber darin, dass die Veröffentlichung von Dummheit, die in einem wohlfeilen Text verpackt ist, eben weitergetragen wird und dazu beiträgt, idiotische Vorurteile auch noch auszuweiten...
Da nützen die immer wieder neu erstehenden Plattformen gegen Rassismus nix!
Vielleicht ist den geschätzten LeserInnen der Ausspruch/das Urteil von Partik-Pable über angebliche "angeborene Aggression" von schwarzen Menschen noch in Erinnerung.
Dieselbe Ideologie verfolgt dieser Artikel. Nichts von afrikanischen Kulturen zu verstehen, keine Ahnung von unterschiedlichen Reaktionen auf Blickkontakt und Lächeln in unterschiedlichen Kulturen, geschweige den eine Ahnung von strukturellem Rassismus, der diese Situation erst hervorbringt.
was soll das? kann die unbekannte "u" machoverhalten nicht unterscheiden von hautfarbe, akzent etc.? wagt sie es nie, sich zb. mit einem farbigen zu unterhalten in der u-bahn, mit höflichem verabschieden, wenn eine/r von beiden aussteigt? komisch, dass andere frauen als weit unangenehmere situation erleben, wenn ihnen jemand beim verlassen eines badeteiches folgt - doch auch da reicht "NEIN!" oder LASS MICH IN RUHE! tatsache ist, wenn junge männer sich anhaberig verhalten, dann auch, weil die gesellschaft das duldet - und die ist hier bekanntlich eine österreichische, in der übergriffe auf frauen rechtlich geahndet, aber immer noch unter "einheimischen" verbreitet sind. www.ceiberweiber.at
und kaum loszuwerden. Das ist ein Faktum, auch wenn es nicht pc ist. Ich habe zum Glück einen Ehering, mit dem ich immer winke, was mir ein 'Schade' einbringt und dann sind sie schnell davon. Ein einfaches Nein zieht da überhaupt nicht. Wurde allerdings auch noch nie als Rassistin beschimpft. Wahrscheinlich, weil ich eine gute Ausrede habe.
Auf no-racism.net ist heute eine Reaktion auf diesen Artikel erschienen. Sehr passend mit "Der Rassist" betitelt. Siehe http://no-racism.net/article/1712/
diese typen wollen/müssen jemand heiraten.
es ist wurscht, wie die frau aussieht (disco-tussi oder schlabber-pulli). sie wird nicht angesprochen, weil sie so sexy ist. sie wird angesprochen, weil bindungen und beziehungen gesucht werden (müssen) und heirat legalen aufenthalt verspricht, raus aus dem asylbereich (zumindest war das mal so).
es ist ein strukturelles rassistisches grundproblem, das diese situation hervorbringt. und zur frage: warum genügt ein "nein" nicht? warum muss ich mich erklären/rechtfertigen/zeit dafür aufbringen/mich damit auseinandersetzen? weil es dieser rechtlich festgeschriebene rassismus ist, der sich u.a. in sexismus äußert. das nicht zu sehen, bedeutet diskriminierung komplett zu ignorieren.
sie müssen/sollen weder belästigt werden. noch es einsehen.
aber verstehen, mit welchem hintergrund diese belästigung geschieht. und das hat mehr mit privilegierten, als ehe legitímierten, heterosexuellen zweierbeziehungen zu tun, die widerum eine "ankerperson" und somit aufenthaltsmöglichkeit im "gelobten" zielland beinhalten. wobei diese migration stattfindet innerhalb des ausbeutungssystems von nord/süd, zentrum/peripherie einer neoliberalen (wirtschafts-)politik. und innerhalb des ausbeutungssystems von kapitalismus und patriarchat.
besser?
aber wenn jemand keinen Asylgrund hat und keinen sonstigen Einwanderungstitel, dann hat er kein Einwanderungsrecht in Österreich und kann es auch nicht über eine Heirat erlangen. Das hat nix mit Rassismus zu tun, wie Sie hier suggerieren wollen. Ich kann auch nicht in jedes Land der Welt, das mir gerade gefällt, einwandern, und wenn man mich dort nicht läßt, Rassismus schreien.
ähm, oja. sie können schon. zumindest in so gut wie jedes. als EU-bürgerIn. abgesehen davon, daß der bedarf/die notwendigkeit zu migrieren (um zu überleben oder für ihre familie das überleben zu sichern) bei ihnen wohl anders gelagert sein wird.
und warum gibt es keine möglichkeit, einen aufenthaltstitel für die EU zu bekommen? darüber schon mal nachgedacht...? hinter der restriktiven migrationsgesetzgebung der EU steckt eine ideologie.
stimmt doch überhaupt nicht. Ich kann nicht, wenn ich will, so einfach in die USA; nach Kanada oder nach Australien auswandern. Auch Norwegen, Island und Rußland nimmt mich nicht so. Nur innerhalb der EU, sonst nicht. Und überall muß man Voraussetzungen erfüllen, wie Sprachkenntnisse, Ausreichend Geldmittel und eine gesuchte Qualifikation. Das hat nichts mit Ras-sismus zu tun.
Die meisten Schwarzen, die herkommen, sind aus dorigen Mittelstandsfamilien. Diejenigen, die in Afrika verhungern, können sich weder Schlepper leisten noch würden sie die Reise überleben. Die, die kommen, müssen nicht emigrieren, um zu überleben, die sehen in ihren Heimatländern keine Perspektiven und deshalb kommen sie.
Wie soll der dicht besiedeltste Kontinent der Welt noch zusätzlich Millionen Menschen aufnehmen? Wir haben weder soviele Arbeitsplätze noch ausreichend Kapazitäten. Es gibt ohnehin Aufenthaltstitel für die EU. Aber dafür muß man halt Voraussetzungen erfüllen.
Die EU und USA sollen sich aus Afrika schleichen und den Menschen dort endlich ihre Lebensgrundlagen zurückgeben. Das hielte ich für den besseren Weg.
völlig korrekt. fällt mir auch immer wieder auf, dass nur hier in ö bzw auch d "rassismus" geschrieen wird, einfach aufgrund der vergangenheit. dass aber länder wie die von ihnen angesprochenen wesentlich restriktiver sind - jeder, der zb. schon einmal versucht hat, eine schweizer staatsbürgerschaft zu bekommen, kann wohl ein lied davon singen - wird einfach zur kenntnis genommen.
also ich identifiziere das als sexismus. ein nein nicht akzeptieren zu können ist einfach ein übergriff von männern auf frauen.
ja, manche schwarze sind penetrante aufreisser und wir können gerne über kulturkreise und machismus diskutieren. das hier ist aber keine kritische auseinandersetzung sondern ein einziges ventil um rassistische ressentiments loszulassen. ich habe das gefühl vielen hier geht es nicht um das wohl von frauen, sondern um die gelegenheit mal aus einer moralisch erhobenen position (frauenrechte!) auf schwarze einzuhauen.
oder provokant gefragt: was will uns rottenberg mit diesem artikel sagen - das schwarze uns unsere frauen wegenehmen?
ja, es mag dies alles geben - unbestritten.
Die Frage bleibt, WIE man darüber berichtet: jeder DRITTE Afrikaner ein Drogendealer - was fehlt noch zur Krone?
Nein, es ist schon richtig, dass es da Mißstände gibt - hat sich eigentlich schon jemand die Mühe gemacht - Österreich ist NICHT NUR Wien - zu checken, was auf den so beliebten Zeltfesten geschieht? Un icht nur in Kärnten...
es geht mir ähnlich, vor allem wenn man freundlich bleibt und lächelt wird ein NEIN oft nicht akzeptiert. allerdings bin ich noch nie beschimpft worden. es ist manchmal schon etwas lästig aber es geschieht immer freundlich und nie agressiv oder anstößig und deshalb hab ich auch kein problem damit, ich denke mir sie sind vielleicht einfach nur mutiger, österreichische jungs gaffen zwar und du kanst ihre Absichten in ihren augen lesen, aber sie haben nicht so oft die schneid dich anzusprechen. oder vielleicht weniger drang :). ist mir immer noch lieber als schmatzgeräusche türkischer jungs wenn man vorbei geht oder der betrunkenen ältere österreicher mit gamsbart der mich eine halbe stunde lang verfolgte und immer 'he pupperl' rief
ich würd so gern schäumen hier, aber meine freundin (blond, mittelgroß, wunderschön) ist haargenau dasselbe passiert.
ich gehe davon aus, dass es sich hier um eine kulturelle prägung handelt, die viele schwarzafrikaner haben. ein erwidertes lächeln bedeutet vermutlich sehr, sehr viel mehr in manchen teilen afrikas (kann das sein?)
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