NATO zeigt trotz mehr Gewalt Entschlossenheit

12. Juni 2006, 17:22
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Festhalten an Ausweitung des Einsatzes in den Süden und Osten - Aufruf zu stärkerer ziviler Unterstützung des Landes

Brüssel - Die NATO will trotz der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan ihren Einsatz bis spätestens November auf den gefährlichen Osten des Landes ausdehnen. Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister am Donnerstag in Brüssel: "Wir werden nicht zulassen, dass sich die Taliban durchsetzen." Niemand solle daran zweifeln, "dass die NATO entschlossen ist und die Fähigkeit für diese Mission hat."

Verstärkung auf 20.000 ISAF-Soldaten bis Jahresende

Erstmals berieten die NATO-Minister gemeinsam mit ihrem afghanischen Amtskollegen Abdul Rahim Wardak und anderen Ländern über die geplante Verstärkung der ISAF-Truppe auf mehr als 20.000 Soldaten bis Ende des Jahres. Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, die NATO müsse ganz Afghanistan stabilisieren. Die Sicherheitslage gebe Anlass zur Sorge. In diesem Jahr seien bereits so viele Menschen getötet worden wie im gesamten vergangenen Jahr. Im ganzen Land starben allein im Mai bei Anschlägen mehr als 450 Menschen, seit Jahresbeginn gab es mehr als 900 Tote.

Bis Anfang August will die NATO auch den Schutz der Aufbauteams im Süden übernehmen. Dafür sind 6.000 Soldaten vor allem aus Großbritannien, Kanada und den Niederlanden vorgesehen. ISAF würde damit von derzeit 9.000 auf mindestens 15.000 Soldaten anwachsen.

Mehr zivile Unterstützung gefordert

De Hoop Scheffer und Jung riefen zu einer stärkeren zivilen Unterstützung für Afghanistan auf. "Für Wiederaufbau und Entwicklung sind dringend mehr Ressourcen nötig", sagte De Hoop Scheffer. Jung meinte, er setze auch auf weitere Erfolge der afghanischen Regierung im Kampf gegen Drogen. Aus dem Drogenhandel würden Anschläge finanziert. Auch müsse die Polizei ausgebaut und es müssten wirtschaftliche Perspektiven geschaffen werden.

Die Regierung Afghanistans müsse dafür sorgen, "dass die Bevölkerung in den Genuss von Sicherheit, Demokratie und Entwicklung kommt", sagte der NATO-Generalsekretär. "Ich sage es unverblümt: Mehr Ressourcen für den Wiederaufbau und die Entwicklung sind dringend erforderlich." Afghanistan habe Fortschritte gemacht: "Aber wir geben uns nicht der Illusion hin, dass unsere künftige Aufgabe leicht sein wird. Herausforderungen und Gefahren liegen vor uns, die wir gemeinsam meistern müssen."

Wardak versprach, die Regierung werde alles tun, damit "die einfachen Bürger Afghanistans von dem profitieren, was die Demokratie ihnen geben kann". Die Anstrengungen im Kampf gegen Drogenanbau und Terrorismus würden fortgesetzt: "Wir wollen Afghanistan zu einem Modell des Friedens, des Wohlstands, der Mäßigung, der Freiheit und der Demokratie machen." (APA/Reuters/dpa/AP/Red)

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    Britische ISAF-Soldaten auf dem Weg ins Camp Bastion in der Provinz Helmand. Die Nato will bis spätestens November den ISAF-Einsatz auf den gefährlichen Osten des Landes ausdehnen.

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