Zinserhöhung bremst Inflation und Konjunktur

20. Juni 2006, 16:19
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Leitzinsanhebung schlägt sich erst mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren auf Wachstum und Inflation nieder

Frankfurt/Madrid - Mit einer Zinserhöhung wirkt die Europäische Zentralbank (EZB) einer steigenden Inflation entgegen, bremst aber gleichzeitig das Wachstum.

Dabei überträgt sich die Zinsänderung über verschiedene Wege auf die reale Wirtschaft. Da dies sehr langsam geht, schlägt sich eine Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent erst mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren auf Wachstum und Inflation nieder.

Das Ziel der Zentralbank ist es, für ein stabiles Preisniveau zu sorgen und die Inflationsrate niedrig zu halten. Die EZB will die Preissteigerungen auf Raten knapp unter zwei Prozent begrenzen. Mit dem Schlüssel- oder Leitzins gibt die Zentralbank den Banken einen Einkaufspreis für das Geld vor, das diese mit Aufschlag als Kredit anbieten.

Weitergabe an Kunden

Bei einer Zinserhöhung geben Banken die gestiegenen Kosten an ihre Kunden - Unternehmen und Verbraucher - in Form höherer Kredit- und Guthabenzinsen weiter. Kredite werden teurer und damit unattraktiver, gleichzeitig lohnt sich das Sparen wieder mehr.

Unter dem Strich investieren die Unternehmen weniger, weil die Finanzierung teurer wird. Die Bürger nehmen weniger Kredite für Konsum oder Hausbau auf und sparen mehr. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, und die Anbieter können die Preise nicht mehr so leicht erhöhen.

Anleihen gewinnen Attraktivität

Eine Leitzinserhöhung kann auch auf anderen Wegen die Nachfrage und damit die Inflation dämpfen. So gewinnen Anleihen für Anleger durch eine höhere Verzinsung an Attraktivität im Vergleich zu Aktien. Die Aktienkurse sinken oder steigen langsamer. Dadurch sinkt das Vermögen der Aktienbesitzer, die deswegen ihren Konsum einschränken. Auch Unternehmen erhalten bei niedrigerem Börsenkurs schwerer Kredite.

Da eine Zinserhöhung zu einer Aufwertung der heimischen Währung führt, wirkt die Geldpolitik auch über den Wechselkurs: Europäische Waren werden im Ausland teurer und Importe billiger - der Druck auf die Preise wird gebremst. Zudem wird die Nachfrage nach Arbeitskräften schwächer, weil sich die Absatzchancen von Unternehmen durch den schwächeren Konsum verschlechtern. Auch dies dämpft die Lohnforderungen und bremst damit den Preisauftrieb.

Die EZB selbst verweist auf Studien, wonach die Verbraucherpreise im ersten Jahr nach einer Zinserhöhung um einen ganzen Prozentpunkt etwa einen Zehntelprozentpunkt niedriger ausfallen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum etwa 0,3 Prozent geringer ausfällt. Gleichzeitig liegen die niedriger. (APA/Reuters)

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