Heute: DFB-Elf zum Siegen verdammt

9. Juni 2006, 20:35
6 Postings

Auch ohne Ballack gegen Costa Rica Favorit - Außenseiter verlor noch nie sein erstes WM-Spiel

München - Auf diesen Augenblick haben 32 Mannschaften und Milliarden Menschen rund um den Globus gewartet: Am Freitag erfolgt um 18 Uhr der Anpfiff zur 18. WM-Endrunde in Deutschland. In der Münchner Arena bitten der Gastgeber und Costa Rica zur Fußball-Ouvertüre. Einer prestigeträchtigen Fußball-Aufführung, die am 9. Juli in Berlin mit dem großen Finale ausklingt. Zum Auftakt der Gruppe A sind die Deutschen gegen die Mittelamerikaner Favorit und zum Siegen verdammt.

Alles andere als drei Punkte wären eine Enttäuschung für die Hausherren und die ganze Stimmung im Land des dreifachen Weltmeisters. Daran ändert auch der Schock nichts, den die gesundheitlich bedingte Absage eines potenziellen Hauptdarstellers in letzter Minute ausgelöst hat. Kapitän Michael Ballack musste am Donnerstag wegen einer hartnäckigen Muskelverhärtung in der rechten Wade w.o. geben. Den Platz des vom FC Bayern zu Chelsea gewechselten Stars im zentralen Mittelfeld dürfte der Bremer Tim Borowski einnehmen.

Der Ballack-Ausfall sei keine Belastung, sondern eine "zusätzliche Motivation", meinte DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann. Die Stimmung in der Mannschaft kurz vor WM-Beginn bezeichnete der Coach trotz des personellen Rückschlags als "hervorragend". "Wir freuen uns, dass es endlich losgeht." Jeder seiner Spieler fiebere dem Auftakt entgegen. "Wir wollen Costa Rica besiegen und ein gutes Spiel liefern. Das Team wird sich zerreißen", meinte der 41-Jährige, dessen "verlängerter Arm auf dem Rasen" das Mittwoch-Training hatte abrechen müssen.

Gleichzeitig warnte der Völler-Nachfolger vor seinem 28. Länderspiel als Teamchef (15 Siege/7 Remis) aber vor dem vermeintlichen Außenseiter, der großen Respekt verdiene. Das Team, das erstmals im Mittelpunkt eines Eröffnungsspiels steht, sei dreimal Mittelamerika-Meister geworden und habe kürzlich die USA daheim 3:0 weggeputzt. "Der Gegner spielt vor einem vollen Haus, er wittert seine Chance und wird auf alles losgehen, was sich bewegt", glaubt "Klinsi" auf harte Gegenwehr.

Die deutschen Hoffnungen ruhen nach dem Ballack-w.o. auf anderen Führungsspielern wie zum Beispiel Miroslav Klose, der am Freitag seinen 28. Geburtstag standesgemäß feiern möchte. Der Torschützen-König der Bundesliga (25 Tore) hatte sein WM-Debüt vor vier Jahren mit einem Dreier-Pack gegen Saudi-Arabien (8:0) gefeiert. "Ich will eine gute WM spielen und noch mehr Tore schießen als 2002", sagte der Stürmer, der damals mit fünf Treffern zweitbester WM-Goalgetter hinter dem Brasilianer Ronaldo war.

Die Deutschen, die von ihren bisherigen 15 ersten WM-Spielen nur eines (1:2 in Spanien 1992 gegen Algerien) verloren, haben gegen Costa Rica noch kein Länderspiel bestritten und waren auch in noch keinem Bewerbsspiel einem Team aus Nord- und Zentralamerika unterlegen. Aber auch die Truppe aus dem nur 4,3 Millionen Einwohner zählenden Land zwischen Karibik und Pazifik besitzt Referenzen. Sie hat bisher zweimal an einem WM-Turnier teilgenommen und ist jeweils mit einem Zu-Null-Sieg gestartet. 1990, als erst im Achtelfinale (1:4 Tschechoslowakei) Endstation war, wurde Schottland 1:0 und 2002 China 2:0 bezwungen.

Der Gast gewinnt der Favoritenrolle der Deutschen durchaus Positives ab. "Wir wissen, dass die DFB-Elf von der ersten Minute an losstürmen wird, die Ungeduld wird ein Vorteil für uns sein. In der Gruppe ist jedes Spiel ein Finale, da kann man nicht spekulieren", meint Eduardo Mendez, einer der Assistenten des costaricanischen Teamchefs Alexander Guimaraes. Erick Lonnie, ein anderer Guimaraes-Co, fügt hinzu: "Die Deutschen halten uns für ein Team zweiter Klasse, und das ist gut so. Wenn wir gut spielen, werden wir viele Leute überraschen."

Die "Ticos", zu deren Stärken die kompakte Defensive um Kapitän Luis Marin und Abwehrchef Gilberto Martinez (zwei von neun Spielern, die schon 2002 dabei waren) zählen, versprechen laut ihrem Torjäger Paulo Wanchope: "Wir werden stärker auftreten, als wir es beim 0:1 im Testspiel gegen Tschechien gezeigt haben." Ob die Verletzungen der Stammkräfte Porras, Solis und Martinez nur ein Bluff von Trainer-Fuchs Guimaraes sind, wird sich am Freitag weisen. Teamarzt Gerardo Artivia sagte dazu am Donnerstag: "Wäre das Spiel heute, könnten sie nicht mitwirken."(APA)

  • DEUTSCHLAND - COSTA RICA (Münchner Stadion, 18 Uhr, Schiedsrichter: Horacio Elizondo/Argentinien):

    Deutschland: 1 Lehmann - 3 Friedrich, 21 Metzelder, 17 Mertesacker, 16 Lahm - 18 Schneider, 8 Frings, 18 Borowski , 7 Schweinsteiger - 20 Podolski, 11 Klose Es fehlen: Ballack (Wadenverletzung) und Hanke (noch zwei Spiele gesperrt)

    Costa Rica: 18 Porras - 4 Umana, 3 Marin, 12 Gonzalez - 20 Seqeira, 6 Martinez, 8 Solis, 10 Centeno, 6 Fonseca - 11 Gomez, 9 Wanchope Fraglich: Porras, Solis, Martinez (alle blessiert)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Den Pokal im Visier.

    Share if you care.