EU verspricht Hilfe für Herkunftsländer der Kanaren-Flüchtlinge

9. Juni 2006, 14:06
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Kommissar Michel: "Glaube nicht an eine Schließung der Grenzen"

Brüssel - EU-Hilfe für afrikanische Küstenländer soll den Flüchtlingsstrom auf die Kanarischen Inseln längerfristig eindämmen. Bei einem Treffen mit dem Regierungschef der spanischen Inselregion versprach EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel am Donnerstag in Brüssel entsprechende Unterstützung für Pilotprojekte mit diesem Ziel. Die Kommission könne auch Geld zur Ausbildung jugendlicher Flüchtlinge bereitstellen, wenn diese in ihre Heimat zurückkehrten.

Nur eine spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse in Afrika werde die Menschen dort von gefahrvollen Reisen nach Europa abhalten, meinte Michel. "Das ist die wahre und einzig richtige Antwort auf dieses Problem." Abwehr der Flüchtlinge helfe nicht: "Ich glaube nicht an ungeordnete Abschiebungen, ich glaube nicht an eine Schließung der Grenzen." Der EU-Kommissar warnte zugleich davor, gezielt gut ausgebildete Menschen aus Drittstaaten abzuwerben. Das verschlechtere die Entwicklungschancen dieser Länder.

60 Projekte

Der kanarische Regionalregierungschef Adán Martín Menis erläuterte, seine Region betreibe bereits 60 Projekte in benachbarten Ländern Afrikas. Dabei gehe es um die Wasserversorgung ebenso wie um Tropenmedizin, den Aufbau von Technologiezentren, die Vergabe von Mikrokrediten für Kleinunternehmer und landwirtschaftliche Vorhaben. Mit Hilfe der Kommission, der spanischen Regierung und interessierter anderer EU-Staaten solle dies ausgebaut werden, sagte Kommissar Michel.

25 Millionen Euro aus dem Entwicklungsfonds für die AKP-Staaten aus Afrika, Karibik und Pazifik stehen dafür nach Kommissionsangaben schon bereit. Mit dem Geld sollen technische Hilfe geleistet und verlässliche Migrationsstatistiken erstellt werden. Man suche nach weiteren Möglichkeiten, Mittel umzuschichten. "Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Entwicklung und Migration", betonte Michel. Er warnte zugleich vor überzogenen Erwartungen: "Es gibt keine kurzfristige Lösung." (APA/dpa)

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