Trainer tippen risikofrei

8. Juni 2006, 13:44
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Brasilien gilt als Favorit - Heimvorteil als Trumpf für Deutsche - Eriksson: "Wird ganz schwer, Deutschland zu schlagen"

Berlin - Brasilien kann sich auf dem Weg zum sechsten Weltmeister-Titel nur selbst schlagen. Das glaubt nicht nur die Mehrheit der Fußball-Fans, auch die meisten der 32 Nationaltrainer bei der WM haben die "Samba-Kicker" als Titelanwärter Nummer eins auf der Rechnung. In einer Umfrage der Deutschen Presse- Agentur (dpa) nannten 24 Coaches den Titelverteidiger als Top-Favoriten. Immerhin 13 Teamchefs räumen der deutschen Mannschaft dank des Heimvorteils beste Chancen ein.

Fast gleichauf im Kreis der "üblichen Verdächtigen" liegen Italien (8 Nennungen), England (7) und Argentinien (7). Den Franzosen trauen nur drei Trainer den großen Wurf zu, zwei halten die Niederlande für titelreif. Außenseitertipps kamen von zwei Brasilianern: "Selecao"-Coach Carlos Alberto Parreira erklärte Tschechien zum Favoriten, Saudi-Arabiens Trainer Marcos Paqueta tippt auf Mexiko.

Brasilien schiebt Favoritenrolle ab

Glaubt man den Experten, läuft im Finale am 9. Juli in Berlin alles auf einen Klassiker hinaus. Viele Trainer gaben auch Mehrfach-Nennungen ab, doch eher als Deutschland den vierten, oder Argentinien den dritten Titel, wird demnach das Star-Ensemble um Weltfußballer Ronaldinho die sechste WM - die "hexacampeao" - gewinnen. Parreira mahnt jedoch zur Vorsicht: "Wir wissen um unser Potenzial. Aber vor uns sind schon viele Favoriten gestürzt."

Der 63-Jährige lud die Bürde lieber auf die Gastgeber ab: "Ich halte Deutschland für den größten Favoriten. Die Deutschen werden über sich hinaus wachsen." Luiz Felipe Scolari, der Brasilien vor vier Jahren zum Titel führte und nun Portugal betreut, ist der gleichen Meinung: "Die deutsche Mannschaft ist stark, besonders als Gastgeber." Auch Tunesiens Coach Roger Lemerre glaubt, dass die Deutschen "Chef im eigenen Hause" bleiben. Und Irans Chefcoach Branko Ivankovic zweifelt sogar am Verstand seiner Kollegen, die den Heimbonus außer Acht lassen: "Kein kluger Trainer würde Deutschland unterschätzen."

Eriksson schätzt die Turniermannschaft

Das ist Wasser auf die Mühlen von Jürgen Klinsmann. Der predigt seit seiner Amtsübernahme Ende Juli 2004, dass die Deutschen im eigenen Land Weltmeister werden wollen. Und können, wie Englands Trainer Sven-Göran Eriksson beteuert: "Deutschland ist eine Turniermannschaft, erreicht fast jedes Mal das Halbfinale oder das Endspiel. Und zu Hause wird es ganz schwer, Deutschland zu schlagen."

Den Standpunkt, dass die eigene Mannschaft das Potenzial zum Titel hat, vertreten neben Klinsmann auch der französische Coach Raymond Domenech und der Italiener Marcello Lippi ganz offen. Einigermaßen verblüfft hat Oleg Blochin die Weltöffentlichkeit. Nachdem die erste WM-Teilnahme der Ukraine feststand, verkündete der frühere sowjetische Starstürmer und Legionär bei Vorwärts Steyr: "Viele werden mich für verrückt halten, aber jetzt wollen wir auch Weltmeister werden. Es hätte ja auch kein Mensch gedacht, dass Griechenland Europameister wird." Kurz vor der WM relativierte Blochin diese Aussage und legte sich auf Brasilien, Italien und Deutschland fest, "auch wenn Deutschland nicht mehr mit früheren Jahren vergleichbar ist".

van Basten favorisiert Selecao

Marco van Basten meint: "Jede Mannschaft, die zur WM fährt, denkt irgendwo im Hinterkopf, sie könnte Weltmeister werden." Als klare Favoriten nennt der Bondscoach ebenfalls die brasilianischen Ballzauberer: "Wenn sie wieder auf dem Niveau wie beim Confederations Cup spielen, hat niemand eine Chance gegen sie." Japans Trainer Zico tippt natürlich auch auf Brasilien, aber: "Der Weltfußball ist auf einem Niveau, auf dem es keine Überraschung mehr ist, wenn eine Mannschaft gewinnen würde, die man nicht auf der Rechnung hat."

Spaniens Luis Aragones, der etwas griesgrämige Mexikaner Ricardo La Volpe und Anibal Ruiz aus Paraguay mochten sich wie Tschechiens Karel Brückner nicht an den Spekulationen beteiligen. "Erfolg ist immer ein Zusammenspiel von 15, 20 Aspekten. Deswegen sage ich auch nie, wer Favorit ist", meinte Brückner. Damit ist er gut beraten. Denn was Experten-Tipps wert sind, zeigte sich vor vier Jahren. Die Mehrzahl der Nationaltrainer hielt damals Argentinien und Titelverteidiger Frankreich für die Top-Favoriten. Beide Teams scheiterten kläglich in der Vorrunde.(APA)

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    Ronaldinho und Co. sind auf jeder Rechnung.

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