Ex-Refco-Mitarbeiter zweifelt an Ende der Causa

19. Juni 2006, 16:20
posten

Häufige Besuche von Bawag-Mitarbeitern bei Refco - Erneut Vorwürfe gegen Wolfgang Flöttl

Wien - Er glaube nicht, dass das Kapitel Bawag/Refco jetzt nach dem Vergleich mit den US-Gläubigern schon abgeschlossen ist. Er gehe eher davon aus, dass im Laufe der Zeit noch viel Wichtiges über diese Verbindung herauskommen wird, sagte ein ehemaliger Refco-Mitarbeiter in einem Interview im ORF-Mittagsjournal am Donnerstag.

Der Ex-Refco-Händler glaubt, dass Ex-Refco-Chef Phillip Bennett Mitte der 90er Jahre über Wolfgang Flöttl, dem Sohn von Ex-Bawag-General Walter Flöttl, auf die Bawag aufmerksam gemacht worden sei. Flöttl sei in New Yorker Gesellschaftskreisen schon damals sehr bekannt gewesen. Die Bawag habe auch viel in aggressive Hedge Funds investiert und viel sei dabei über Wolfgang Flöttl gelaufen.

Die Leute von der Bawag seien oft in New York bei Refco gewesen, sie hätten sich genau angeschaut, was so vor sich gehe. Dabei soll es sich um Vizepräsidenten und Analysten gehandelt haben, die sich für neue Investitionen für ihre reichen Kunden interessiert hätten. "Ich gehe davon aus, dass die Bawag eine Menge vermögender Kunden gehabt hat, neben der normalen Tätigkeit für die Gewerkschaft", so der ehemalige Refco-Mitarbeiter.

"Reichenabteilung"

Auch in der Wiener Bawag-Zentrale habe es Leute gegeben, die sich dort um Fonds gekümmert hätten. Dies sei eine echte "Reichenabteilung" gewesen. Für diese Leute sei in den USA und in der Karibik investiert worden, so der Ex-Refco-Mitarbeiter.

Zu den finanziellen Schwierigkeiten bei Refco hätten Spekulationen mit der russischen Währung geführt, die im Jahr 1998 fast zusammengebrochen war. Bennett habe dort in den Oktobertagen viel investiert und bald darauf sei das Ganze zusammengebrochen. Dabei sei eine substanzielle Menge Geld verloren worden.

Statt die Verluste zuzugeben habe Bennett als Ausweg die Buchhaltung manipuliert, indem Refco sich einen Kredit bei der Bawag genommen und dafür der Bank Refco-Aktien gegeben habe. (APA)

Share if you care.