Lindner will "überlebtes" Programm­schema umbauen

22. Juni 2006, 19:16
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Nächste Geschäfts­führung müsse "selbstverständlich" Änderungen vornehmen - Auch bei Strukturen in Informationsdirektion

Einen gründlichen Umbau des TV-Programmschemas des öffentlich-rechtlichen ORF signalisiert ORF-Generaldirektorin Monika Lindner. Denn das derzeitige Sendeschema habe sich "überlebt", sagte sie am Donnerstag im ORF-Publikumsrat. "Für eine neue Funktionsperiode wird es selbstverständlich sein, entsprechende Veränderungen vorzunehmen", so Lindner, die sich bei der ORF-Wahl im August der Wiederwahl stellt.

Nachdenken über Umstrukturierung auch in TV-Information

Dies gelte auch für die TV-Information, wo die künftige Geschäftsführung eine Überarbeitung vorzunehmen habe, so Lindners Einschätzung. Dabei könne man auch über Strukturen sprechen. Kritik von SP-nahen Publikumsräten an Aussagen von Fernseh-Chefredakteur Werner Mück zum Sendeschema, wies sie zurück. Mück hatte das Programmschema ebenfalls als "überlebt" bezeichnet. Dazu die Generaldirektorin: "Gerade leitende Mitarbeiter sind aufgerufen, sich zu überlegen, wie sich das Sendeschema entwickeln kann."

Mück als Info-Direktor

In Branchenkreisen wird freilich spekuliert, ob solch Nachdenken über eine Umstrukturierung der TV-Information nicht ein Indiz dafür ist, dass Mück nach der ORF-Wahl Informationsdirektor werden könnte. Statt wie jetzt starker Chefredakteur mit Verantwortung alle Informationssendungen und deren Redaktionen wäre Mück dann starker Info-Direktor, dem wie früher mehrere Sendungsverantwortliche und ein koordinierender Chefredakteur unterstünden, heißt es.

Runder Tisch am 19. Juni

Zur aktuellen Debatte um die Unabhängigkeit des ORF hielt Lindner fest, dass sie "sachlich und unaufgeregt auf die aufgeworfenen Themen zuzugehen" wolle. "Wir stellen uns der öffentlichen Diskussion zum Beispiel mit dem von mir angeregtem Runden Tisch am 19. Juni." Man befinde sich eben in der Vorwahlzeit, "und als Thema hat sich wieder einmal der ORF angeboten".

Zwei Resolutionen

Der Publikumsrat griff die Diskussion mit zwei Resolutionen auf: Von SP-Seite wurde politische Einflussnahme als "völlig inakzeptabel" bezeichnet. "Es ist die Verpflichtung der Geschäftsführung, solche Einflussnahmen zurückzuweisen, und sie muss die Mitarbeiter, die sich dagegen wehren, unterstützen und schützen", so die Forderung. Andreas Kratschmar, Vertreter der ÖVP, attestierte diesem Text allerdings Pamphletcharakter.

Ein "Kompromissvorschlag" von Georg Weißmann, Vorsitzender des Publikumsrats, enthielt einen "Dank" des Gremiums an alle ORF-Mitarbeiter, die sich täglich um die Umsetzung des Programmauftrages "für einen unabhängigen, qualitätsorientierten und attraktiven ORF bemühen". Eine Grundsatzdiskussion sei zu begrüßen, "abzulehnen sind jeglicher parteipolitischer Einfluss oder Druck auf den ORF und seine Mitarbeiter sowie die Instrumentalisierung der Diskussion für politische Ziele", heißt es darin. Die Debatte über die Vorschläge war am Nachmittag noch im Gang.

Küberl für "Ethikrat"

Publikumsrat Franz Küberl, er ist als Vertreter der katholischen Kirche in dem Gremium und gehört auch dem ORF-Stiftungsrat an, brachte als Vorschlag für künftige, ähnlich gelagerte Debatten die Idee eines "Ethikrats" ins Spiel. In einem solchen Gremium würden sinnvollerweise Vertreter der Geschäftsführung, des Redakteursrats, des Publikums- und des Stiftungsrats sitzen, meinte er. (APA)

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    ORF-Chefin Lindner und Planungschef Wolfgang Lorenz vor Beginn der Sitzung des Publikumsrates.

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