ATX-Firmengewinne explodierten

22. Juni 2006, 15:21
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2005 stiegen bei 20 ATX-Unternehmen Gewinne laut AK-Studie um 53, Dividenden um 58, Vorstandsgehälter um 30 Prozent - Für die Abeitnehmer fiel nur ein Prozent mehr ab

Wien - Während die Gewinne der an der Wiener Börse im ATX gelisteten Unternehmen stark gestiegen sind und die Aktionäre und Vorstände gut daran verdienen, haben die Arbeitnehmer und der Staat wenig davon, kritisierte die Arbeiterkammer (AK) am Donnerstag in einer Aussendung. Im Schnitt um 53 Prozent sind die Gewinne der 20 ATX-Unternehmen 2005 gestiegen, gleich um 58 Prozent die ausgeschütteten Dividenden. Für die Vorstände wurde um 30 Prozent mehr aufgewendet als 2004. Der Personalaufwand sei aber nur um ein Prozent gestiegen, der Steuersatz um 3,7 Prozentpunkte gefallen.

Die Gewinner dieser Entwicklung sind somit klar: Aktionäre und Vorstände. Die Beschäftigten, aber auch der Staat haben nur wenig davon, so eine eine am Donnerstag veröffentlichte AK-Studie aller ATX-Unternehmen auf Basis der veröffentlichten Geschäftsberichte 2005 bzw. 2004/2005.

Rückgang des Steuersatzes

Den Rekordgewinnen stehe ein durchschnittlicher Anstieg des Personalaufwandes um nur ein Prozent und ein Rückgang des Steuersatzes um 3,7 Prozentpunkte gegenüber. "Die Schieflage wird immer ärger", sagt Heinz Leitsmüller, Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien: "Die Gewinne explodieren, die Dividenden und Vorstandsgagen steigen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben nichts davon. Trotz Rekordgewinnen zahlen die Unternehmen relativ immer weniger Steuern, die Steuerlast der Arbeitnehmer steigt." Diese Entwicklung müsse gestoppt werden, fordert die AK.

Die Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien hat die 20 ATX Unternehmen (Agrana, Andritz, BA-CA, betandwin, Böhler, BWT, Erste Bank, EVN, Flughafen Wien, Mayr-Melnhof, OMV, Raiffeisen International, RHI, SBO, Telekom Austria, Uniqa, Verbund, Voestalpine, Wiener Städtische, Wienerberger) auf Basis der veröffentlichten Geschäftsberichte 2005 bzw. 2004/2005 untersucht. Diese Unternehmen beschäftigten 2005 konzernweit 295.000 Personen.

Demnach erhöhten sich nach dem Rekordjahr 2004 die Ergebnisse vor Steuern der ATX-Unternehmen 2005 im Schnitt um 53 Prozent. Insgesamt werden von den 20 ATX-Unternehmen 8,3 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern ausgewiesen, 1,8 Mrd. Euro werden von diesen Unternehmen als Dividende ausgeschüttet (+58 Prozent).

Insgesamt wurden 2005 für die Vorstände der österreichischen ATX-Unternehmen um 30 Prozent mehr aufgewendet als 2004. Auffällig sind bei den Vorstandsgehältern der Anstieg der variablen Vergütungsbestandteile, die Komplexität der diversen Stock Option-Pläne und die kurzfristigen Parameter (Aktienkurs), an die diese zumeist geknüpft sind.

Beschäftigungszuwachs im Ausland

Signifikante Beschäftigtenzuwächse gab es laut AK hauptsächlich im Ausland (Osteuropa) durch Zukäufe (Beispiel EVN: plus 4.000 - bulgarischer Stromversorger, Telekom: plus 2.300 - Mobiltel Bulgarien, Raiffeisen International: plus 16.600 Bank Aval in der Ukraine). Das niedrige Lohnniveau in den CEE-Ländern trage entscheidend zu den Gewinnsteigerungen der Konzerne bei. Gleichzeitig werden auch Rationalisierungsschritte gesetzt: Beispielsweise sind bei der rumänischen Petrom (OMV-Konzern) im Jahr 2005 rund 6.300 Mitarbeiter abgebaut worden.

Der Personalaufwand pro Kopf beträgt im Durchschnitt dieser 20 Unternehmen 35.500 Euro, das entspricht einem Anstieg um ein Prozent. Dabei haben Unternehmen, die fast ausschließlich in Österreich tätig sind (Verbund), einen deutlich höheren Personalaufwand pro Kopf als Unternehmen, die stark in Osteuropa engagiert sind, wie z.B. Raiffeisen International, die nur rund 180 Mitarbeiter in Österreich beschäftigen.

Der durchschnittliche Steuersatz (= Ertragsteuer lt. Konzern G&V im Verhältnis zum Ergebnis vor Steuern) ist 2005 von 26 Prozent auf 22,3 Prozent zurückgegangen. (APA)

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    Den Rekordgewinnen stehe ein durchschnittlicher Anstieg des Personalaufwandes um nur ein Prozent und ein Rückgang des Steuersatzes um 3,7 Prozentpunkte gegenüber.

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