Biotreibstoff löst nicht alle Probleme

8. Juni 2006, 13:03
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Europäisches Umweltbüro: Kaum Einsparung von Treibhausgasen ohne Richtlinie, nachhaltige Lösung nötig - BirdLife warnt vor Folgen für Vögel

Brüssel - Die Geschichte mit den Biotreibstoffen klingt wie ein Traum für die Umwelt. Doch das European Environment Bureau EEB hat am Mittwoch gemeinsam mit den Umweltschutzorganisationen BirdLife International und Transport & Environment vor den negativen Auswirkungen eines unkontrollierten Ausbaus der Biotreibstoff-Pflanzen gewarnt, denn der Schaden könnte größer sein als der Nutzen. Die drei Organisationen haben am Rande der Konferenz "Nachhaltige Wege für Biotreibstoffe in der EU" Richtlinien zur Biofuel-Direktive gefordert.

Einsparung?

"Wenn diese Richtlinien nicht geschaffen werden, dann ist die Einsparung der Treibhausgase durch die Verwendung von Biotreibstoffen vernachlässigbar, die Biodiversität bleibt weiter bedroht und schließlich wird dann auch die Öffentlichkeit Abstand davon nehmen Biotreibstoffe aus Umweltgründen zu kaufen", so EEB-Politikdirektor Stefan Scheuer im pressetext-Interview. "Wir müssen die Treibhausgasemissionen dringend zurückschrauben." Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Biodiversität gehen, so der Experte. "Biotreibstoffe sind nur ein Bestandteil der Lösung. Wenn dies allerdings nicht nachhaltig erfolgt, der Anbau energieintensiver wird und zudem Anbaumethoden zum Einsatz kommen, die zur Zerstörung der Böden führen, ist das abzulehnen."

In der EU sollen bis 2010 5,75 Prozent der fossilen Brennstoffe durch Biotreibstoffe ersetzt werden. Den Berechnungen der Experten zufolge würde allein der Anbau dieser zwischen 14 und 27 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU notwendig machen. "Umgerechnet ist das eine Fläche, die 15 Mio. Fussballfeldern entspricht", so Scheuer. Darunter fallen auch Flächen, die heute als Weideland genutzt werden.

Flexible Ziele

Die Ziele für Biotreibstoffe wurden 2003 flexibel festgelegt. Der Grund dafür war, dass es in jedem einzelnen EU-Mitgliedstaat unterschiedliche Gegebenheiten vorhanden waren, so Scheuer. Nun sollten diese Regelungen harmonisiert werden. "Die Frage ist nun wie man darauf reagiert, die rechtlich verbindlichen Ziele tatsächlich durchzusetzen", so Scheuer. Es dürfe nicht so sein, dass man den Teufel mit dem Beelzebub austreibe. "Biotreibstoffe sind nämlich keine unlimitierten Ressourcen." Die 5,75-Prozent-Regelung wird nur mit Importen von Palmöl und Zuckerrohr-Derivaten möglich sein, schlussfolgert die EEB. "Es ist kein Geheimnis, dass dafür Regenwald gerodet werden muss", so Scheuer.

"Europa muss jetzt reagieren, um die Biotreibstoffe nicht zu einem Overkill für die Natur werden zu lassen", meint Ariel Brunner von BirdLife International. Ein unkontrollierter Anbau von Biotreibstoff-Pflanzen macht heute schon einigen Vogelarten in Europa das Leben schwer. Die Probleme in tropischen Regionen, wo der Regenwald Monokulturen zum Opfer fällt sind hinlänglich bekannt. "Die EU muss garantieren, die Schäden durch den Anbau von Biotreibstoff-Pflanzen möglichst gering zu halten", erklärt Scheuer.

Fahrzeugtechnologie

Viel zu kurz kommt Scheuer die technische Verbesserung der Fahrzeugtechnologie. "Die Verbesserung der Energieeffizienz von Fahrzeugen und eine enge Kooperation mit der Autoindustrie wäre eine Möglichkeit", meint Scheuer. Zudem müsse alles getan werden, um die Transportvolumina in der EU zurückzuschrauben. "Nur unter Einhaltung dieser Gegebenheiten, ist es sinnvoll auf Biotreibstoffe zu setzen", so der Experte abschließend im Interview. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Archivbild eines blühenden Rapsfeldes - aus Raps wird u.a. Biodiesel hergestellt.

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