Aids im Mittelpunkt der UNO-Frauenkonferenz

7. Juni 2000, 17:15

"Epidemie wird von der Nachfrage der Männer nach Sex angetrieben"

New York - Die rasante Ausbreitung von Aids und der zunehmende Frauenhandel sind am Dienstag in den Mittelpunkt der UNO-Frauenrechtskonferenz gerückt. Adrienne Germain, Präsidentin der Internationalen Koalition für die Gesundheit von Frauen, erklärte in New York, die Regierungen müssten im Schlussdokument anerkennen, dass "sowohl die Epidemie als auch der Handel von der Nachfrage der Männer nach Sex angetrieben werden".

Neue Dimension der Aids-Gefahr

Einige Regierungsmitglieder wie der amerikanische Finanzminister Larry Summers wiesen auf die neue Dimension der Aids-Gefahr vor allem in Afrika hin. Summers kündigte auf einem Forum von Basisgruppen an, sich auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Okinawa im Juli für eine größere internationale Unterstützung des Kampfs gegen Aids einzusetzen. "Von den 16 Millionen Toten, die Aids bisher forderte, sind 14 Millionen in Afrika gestorben", sagte Summers. Im vergangenen Jahr seien bei allen Kriegen in Afrika 200.000 Menschen getötet worden; Aids habe zehn Mal so viele getötet. Schätzungen zufolge seien dies erst 90 Prozent der Erkrankungen und Todesopfer, die HIV und Aids in Afrika noch fordern werden, sagte Summers.

Männer spielen eine entscheidende Rolle

Sowohl Aids als auch Frauenhandel seien vor fünf Jahren in Peking nur am Rande erwähnt worden, sagte Germain über die Vorgängerkonferenz. Damals sei man noch geneigt gewesen, Aids in erster Linie als Problem Homosexueller zu betrachten. Der Direktor des Gemeinsamen UNO-Programms für HIV und Aids, Peter Piot, sagte, fehlende Gleichberechtigung - vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen von Männern - sei eine treibende Kraft der Aids-Epidemie. "Um die Ausbreitung von Aids zu verlangsamen, müssen wichtige Veränderungen in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen erreicht werden", sagte er. "Männer spielen dabei eine entscheidende Rolle."

Die Frauenorganisation Equality Now erklärte, sie wolle weltweit gegen Gesetze kämpfen, die es Vergewaltigern erlaubten, ihrer Strafe zu entgehen, wenn sie das Opfer heirateten. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag erklärte die Gruppe, entsprechende Gesetze gebe es in Brasilien, Ecuador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Uruguay und Venezuela.

Recht auf NEIN

Die Direktorin des UNO-Entwicklungsfonds für Frauen (UNIFEM), Noeleen Heyzer, sprach sich dafür aus, Männer stärker in den Prozess der Gleichberechtigung und den Kampf gegen Gewalt einzubeziehen. Sie sagte bei einem Forum, männlichen Jugendlichen müsse das Thema Gewalt gegen Frauen besser vermittelt werden, während Mädchen lernen müssten, dass sie ein Recht hätten, Nein zu sagen. UNIFEM habe mehrere Projekte in Schulen und Polizeistationen gestartet, um Männer direkt anzusprechen. Der Direktor der Kampagne der Weißen Schleife, Michael Kaufman, erklärte, Männer müssten sich mit den Frauen solidarisieren. Seine Organisation mit Sitz in Kanada forderte Männer auf, eine kleine weiße Schleife am Revers zu tragen, die symbolisiert, dass der Träger Gewalt gegen Frauen nicht zulassen wird. (APA/red)

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