Polen: "Werben für Homosexualität" als Entlassungsgrund

8. Juni 2006, 12:25
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Bildungsminister feuert Leiter der LehrerInnenfortbildung wegen Verbreitung der Europarats-Broschüre, die Homosexuellen-Diskriminierung thematisiert

Warschau - Der polnische Bildungsminister Roman Giertych hat den Leiter der Zentrale für LehrerInnenfortbildung (CODN) wegen der Verbreitung einer Broschüre des Europarates entlassen. Der Politiker der nationalkatholischen Liga Polnischer Familien (LPR) wirft dem langjährigen CODN-Chef Miroslaw Sielatycki vor, für Homosexualität "geworben" zu haben, wie die Zeitung "Rzeczpospolita" am Donnerstag berichtet. Giertych schließe nicht aus, die gesamte LehrerInnenfortbildungsinstitution aufzulösen.

Tabuthema

Bei der von Giertych scharf kritisierten Veröffentlichung handelt es sich um einen Ratgeber für LehrerInnen und MitarbeiterInnen von Jugendorganisationen, in dem es um Erziehung und Unterricht über Menschenrechte geht. Neben Frauen- und Kinderrechten ist in dem Buch auch Diskriminierung wegen sexueller Orientierung ein Thema.

Sielatycki zeigte sich völlig überrascht von der Entscheidung des Ministers. Die Veröffentlichung des "Kompass" in Polen - noch unter Giertychs Vorgänger - sei von einer vom Erziehungsministerium finanzierten Fachkonferenz begleitet worden. "Von den 500 Seiten des Buches ist auf zweien von Sex die Rede."

Giertych hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, er wolle patriotische Erziehung zum eigenen Unterrichtsfach in Polen machen. (APA/dpa)

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