Der "personifizierte Leitfaden" für Gründer

13. Juni 2006, 20:00
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Regionale Innovationszentren Niederösterreich: Gründeragentur, die Jungunternehmer ins Wirtschaftsleben führt

Die Regionalen Innovationszentren in Niederösterreich sind eine Gründeragentur geworden. Technologiefirmen will man nach wie vor betreuen. Daneben aber sollen alle Jungunternehmer, auch jene, die nicht Hightech machen, ins Wirtschaftsleben geführt werden.

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Ein Unternehmen, das menschliche Zellen für den klinischen Einsatz produziert (Cell Danube AG in Krems). Ein weiteres, das Kommunikationshilfsmittel und Umgebungssteuerungssysteme für Menschen mit Behinderung entwickelt (Mechatron in Amstetten). Und eines, das neue Verfahrenslösungen zur elektrochemischen Oberflächenbearbeitung realisiert (Happy Plating GmbH in Berndorf). Die Rede ist von drei Unternehmen, die sich in den Regionalen Innovationszentren in Niederösterreich (RIZ) eingenistet haben und versuchen, innovative Entwicklungen auf den Markt zu bringen, die auch erfolgreich sein dürfen, fernab vom klassisch-traditionellen Bild niederösterreichischer Unternehmen zwischen Wein und Landwirtschaft.

1988 entstand die Idee für die Regionalen Innovationszentren mit der Absicht, die Technologieförderung im Bundesland anzukurbeln, aber auch um Lehrgänge (zum Beispiel Pre-Production Management) anzubieten, die Unternehmen fit für neue Herausforderungen im Geschäftsalltag machen. Alljährlich im Dezember wird auch ein Preis mit dem unbescheidenen Namen "Genius" für Ideen vergeben, die, wie könnte es anders sein, besonders kreativ sein sollen und einen gewissen Mehrwert versprechen.

Oft ist in den Regionalen Innovationszentren davon die Rede, Wissen aus der Forschung wirtschaftlich verwertbar machen zu wollen. Deswegen kam es auch zur aktuell über die Bühne gebrachten Beteiligung am Gründerzentrum Accent in Wiener Neustadt, einem Zentrum des AplusB-Programms der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, das akademische Spin-offs unterstützt.

Neustart im Juli

Ab 1. Juli wird nun in den Innovationszentren alles anders und bleibt doch vieles gleich: Man nennt sich dann RIZ, die Gründeragentur für Niederösterreich, in Anlehnung an die 45-Prozent-Mutter Eco Plus, die sich "Wirtschaftsagentur für Niederösterreich" nennt. Die übrigen 55 Prozent von RIZ gehören dem Land.

Grund für die Umbenennung: Die RIZ-Mitarbeiter sollen aus den Zentren gehen und vor Ort alle Unternehmensgründer betreuen - auch jene, die fernab von Hightech vielleicht einen einfachen Tischlereibetrieb aufmachen wollen. Diese Gründerbetreuer werden auch nach der Startphase die jungen Unternehmen an der Hand führen, wenn das nötig sein sollte. Damit will man eine Senkung der Drop-out-Quote von Gründern erreichen, die nach den ersten Frustrationen keine Perspektiven mehr sehen und aufgeben.

Die in den Zentren angesiedelten Unternehmen werden weiterhin betreut, auch Lehrgänge und den Genius-Preis wird es weiterhin geben. Der Lehrgang Pre-Production Management wird in Kooperation mit der Fachhochschule St. Pölten abgewickelt.

Gleiches Budget

Gibt es für die RIZ auch mehr Budget? Nein, sagt Petra Patzelt, die seit 1. Jänner Geschäftsführerin ist, neben ihrer Tätigkeit als Prokuristin für Betriebsansiedelung und Investorenservice bei der RIZ-Mutter Eco plus. Knapp zwei Millionen müssen vorerst reichen. Daneben ist sie auch noch Co-Geschäftsführerin der Vienna Region und des Technoparks Tulln.

Für Patzelt sind die Innovationszentren nun "der personifizierte Leitfaden für Gründer". Die Technologieförderung sieht Patzelt in den von Eco plus verwalteten Technopolen des Landes gut aufgehoben, weshalb das breitere RIZ-Angebot durchaus logisch sei. Technopole gibt es derzeit drei - je eines in Krems, in Tulln und in Wiener Neustadt.

Zuletzt erweiterte der deutsche Medizinprodukte-Konzern Fresenius Medical Care, nach eigenen Angaben weltweiter Marktführer im Dialysebereich, die Produktion in Krems: Das Tochterunternehmen Biotec Systems will Breitband-Immunadsorber zur Behandlung von verschiedenen Autoimmunerkrankungen, sowie Adsorber gegen krankhafte Herzmuskelerweiterung herstellen. (Peter Illetschko/DER STANDARD Printausgabe, 7. Juni 2006)

  • Die Donau-Uni macht Krems zu einem der Zentren der Technologieentwicklung und Wissenschaft.
    foto: standard

    Die Donau-Uni macht Krems zu einem der Zentren der Technologieentwicklung und Wissenschaft.

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