Zuwanderung unverändert hoch

6. Juli 2006, 11:09
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Plus von mehr als 50.000 Personen 2005 - Einwohnerzahl um 0,7 Prozent gestiegen - Ausländeranteil bei knapp 10 Prozent

Wien - Die Zuwanderung nach Österreich ist unverändert hoch. Während in den Jahren 2002 und 2003 der jährliche Wanderungssaldo (Zuwanderung minus Abwanderung) bei rund 36.000 Personen lag, stieg die Netto-Zuwanderung laut Statistik Austria in den letzten beiden Jahren auf jeweils knapp über 50.000 Personen. Für 2005 zeigt die aus den Daten des Zentralen Melderegisters erstellte Wanderungsstatistik insgesamt 119.083 Zuzüge aus dem Ausland und 68.828 Wegzüge ins Ausland, also ein Zuwanderungsplus von 50.255 Personen. Diese Zuwanderung ist auch der Hauptgrund dafür, dass die Einwohnerzahl in Österreich im Vorjahr um 0,7 Prozent auf rund 8,266 Millionen Menschen gestiegen ist.

Ab 2001 deutlich gestiegen

Während die Zuwanderung in der zweiten Hälfte der 90er Jahre noch eher bescheiden war, ist sie ab dem Jahr 2001 deutlich angestiegen. 1996 waren noch weniger als 3.900 Menschen mehr nach Österreich zu als abgewandert. 1999 lag die Netto-Zuwanderung bereits bei knapp 20.000 Personen, 2000 ist sie dann wieder leicht auf etwas mehr als 17.000 zurückgegangen. 2001 und 2002 wurde dann wieder ein deutliches Anwachsen auf jeweils rund 33.000 Personen und 2003 auf über 36.000 Personen registriert. 2004 sind dann schon 50.582 Personen netto zugewandert und im Vorjahr 50.255.

Verflechtung mit EU-Staaten

Die Staatsangehörigkeiten der Zuwanderer unterstreichen die Verflechtungen mit den anderen EU-Staaten sowie die fortgesetzte Bedeutung der Zuwanderung aus Südosteuropa. So betrug der Wanderungssaldo mit der EU 20.465 Personen, davon allein mit Deutschland 9.414 Personen, gefolgt von Polen (plus 4.575), Slowakei (1.792) und Ungarn (1.305). Sowohl aus dem ehemaligen Jugoslawien (11.383; ohne Slowenien) als auch aus der Türkei (5.038) stagnierte die Zuwanderung auf hohem Niveau. Der Wanderungsüberschuss mit Afrika ging von 3.233 Personen im Jahr 2004 auf 2.230 Personen im Vorjahr zurück, ebenso wie jener mit Asien von 5.917 Personen auf 5.332 Personen.

Konzentration auf Landeshauptstädte

Innerhalb der Bundesländer konzentrierte sich die Zuwanderung vor allem auf die Landeshauptstädte und ihre Umländer; in Tirol, Salzburg und Kärnten auch auf touristisch geprägte Gebiete. Fast die Hälfte der Zuwanderer - 24.135 Personen - ließen sich in Wien nieder.

Die Zuwanderung von insgesamt 50.255 Personen machte auch den Großteil des Anstiegs der Einwohnerzahl um insgesamt 59.401 Personen oder 0,7 Prozent auf 8,266 Millionen Menschen zum Jahresbeginn 2006 aus. Dazu kamen eine positive Geburtenbilanz von 3.001 Personen sowie statistische Korrekturen des Einwohnerstandes im Ausmaß von rund 6.000 Personen.

Wien

Das relativ stärkste Einwohnerplus verzeichnete wie in den Jahren zuvor Wien. In der Bundeshauptstadt stieg die Bevölkerungszahl um 1,5 Prozent von 1,626 Mio. (1.1.2005) auf 1,651 Mio. Im Bundesdurchschnitt lag das Wachstum in Niederösterreich sowie in den westösterreichischen Bundesländern Tirol (je plus 0,8) und Vorarlberg (0,7 Prozent). Alle anderen Bundesländer lagen dagegen unter dem österreichweiten Durchschnitt. Den geringsten Bevölkerungsgewinn verzeichnete wie auch schon 2004 Kärnten mit 0,1 Prozent.

Verlierer

Ein detaillierter Blick auf die regionale Bevölkerungsentwicklung zeigt, dass die Bevölkerung nicht nur in Wien stark wuchs, sondern auch in den großen Landeshauptstädten und den Stadtumlandgebieten. "Verlierer" mit Bevölkerungsverlusten waren so wie in den vergangenen Jahren die obersteirischen Bezirke Mürzzuschlag, Leoben, Murau und Judenburg, weiters Radkersburg, die niederösterreichischen Bezirke Horn und Zwettl sowie in Kärnten die Bezirke Hermagor, Spittal an der Drau und Wolfsberg.

Immer mehr Deutsche

Der Ausländeranteil liegt bei knapp zehn Prozent. Mit Jahresbeginn 2006 hatten 814.065 ausländische Staatsangehörige ihren Hauptwohnsitz in Österreich. Das entsprach genau 9,8 Prozent der Gesamtbevölkerung und war ein Plus von 25.500 Personen gegenüber dem 1. Jänner 2005. 227.405 der Ausländer waren Staatsangehörige aus anderen EU-Ländern. Die größte Ausländergruppe bildeten Bürger aus Serbien/Montenegro (139.076), gefolgt von Bürgern aus der Türkei (113.635) und deutschen Staatsangehörigen, die erstmals die 100.000er-Marke überschritten haben (104.410).

Bundesländer

In allen Bundesländern außer Vorarlberg (dort: Türken) bildeten Bürger aus dem ehemaligen Jugoslawien (ohne Slowenien) die zahlenmäßig größte Ausländergruppe. Den höchsten Ausländeranteil verzeichneten die Bundesländer Wien (18,0 Prozent), Vorarlberg (12,9), Salzburg (12,3) und Tirol (10,0 Prozent). Auf Bezirksebene sind nur in der Bundeshauptstadt Ausländeranteile von über 25 Prozent zu verzeichnen. Spitzenreiter ist der Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus mit 31,5 Prozent, gefolgt von Brigittenau (26,2), Ottakring (25,6) und Hernals (25,1 Prozent). Neben den Landeshauptstädten Salzburg-Stadt (20,2), Innsbruck-Stadt (14,5) und Linz-Stadt (13,1), lag der Ausländeranteil insbesondere in städtischen Bezirken wie etwa in Wels-Stadt (15,8), Villach (11,0) oder St. Pölten (10,8) deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Sehr geringe Ausländerquoten (unter 3 Prozent) findet man in sämtlichen Bezirken der Oststeiermark, im Mühlviertel (Freistadt, Urfahr-Umgebung) und Waldviertel (Waidhofen an der Thaya, Zwettl) sowie in Bezirken mit wenig industriellen Arbeitsplätzen (Deutschlandsberg, Scheibbs, Murau), aber auch in den Industriebezirken der Obersteiermark. (APA)

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