Eltern hatten schon lange Zweifel

11. Juni 2006, 21:25
110 Postings

Eltern forderten eine DNA-Analyse - Test wurde erst am Mittwoch durchgeführt - Leichnam wird exhumiert und noch einmal beerdigt

Klagenfurt - Die Verwechslung zweier Jugendlicher nach einem tödlichen Verkehrsunfall in Klagenfurt wirft zahlreiche Fragen auf. Laut Medienberichten hatten die Eltern, die ihren vermeintlichen Sohn regelmäßig im Krankenhaus besuchten, bereits seit längerem Zweifel an der Identität gehabt und eine DNA-Analyse gefordert. Diese ist entgegen ersten Angaben bis dato aber noch nicht erfolgt. Unklar ist auch, warum die Angehörigen des 17-jährigen vermeintlich toten Lenkers nicht informiert worden sind, dass ihr Sohn möglicherweise doch am Leben ist.

DNA-Analyse erst am Mittwoch in Auftrag gegeben

Hundertprozentig sicher sei die Verwechslung noch nicht, erklärte der medizinische Direktor des LKH Klagenfurt, Thomas Koperna. Denn eine DNA-Analyse sei noch nicht erfolgt, es habe ihm gegenüber diesbezüglich eine Fehlinformation der Kriminalpolizei gegeben. Seinem Empfinden nach sei aber in erster Linie die Exekutive für die Identifizierung von Personen verantwortlich, betonte Koperna. "Wir sind für die Behandlung der Patienten zuständig und das haben wir ja gut gemacht." Der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz, erklärte auf APA-Anfrage, dass am Mittwoch eine DNA-Analyse bereits in Auftrag gegeben worden sei, um die Identitätsfrage endgültig zu klären.

Untersuchung eingeleitet

Innerhalb der Krankenanstalten wurde noch am Mittwoch eine Untersuchung eingeleitet. Im Krankenhaus und den Behörden war die Causa angeblich seit längerem bekannt. Trotzdem wurden weder Angehörige noch Öffentlichkeit informiert. Nun soll geklärt werden, warum der Informationsfluss an die Angehörigen nicht funktioniert hat. Geklärt werden muss auch, wie eine falsche Identifizierung durch Eltern passieren konnte.

Erst mit der Zeit kamen Zweifel auf

Was das Identitätsproblem betrifft, sind die Abläufe der vergangenen Monate für den LKH-Direktor erklärbar. Der Patient ist bereits vor zwei Monaten aus dem Koma aufgewacht. Anfangs sprach er kaum. Allerdings soll er als sein Geburtsdatum jenes des 17-jährigen Bosniers genannt haben. Dass er kroatisch gesprochen hat, soll sich der Vater vorerst mit der Freundschaft seines Sohnes zu dem Bosnier erklärt haben. Erst mit der Zeit seien Zweifel aufgetaucht.

Jugendlicher in Rehabilitationsklinik

Der Jugendliche, über dessen Gesundheitszustand offiziell keine Angaben gemacht werden, befindet sich seit mehreren Wochen in der Rehabilitationsklinik in Hermagor. Dort hat er laut Zeitungsberichten auch Besuch erhalten. Eine Freundin des St. Veiters wird von der "Kärntner Tageszeitung mit den Worten zitiert, er sei ihr zwar sehr fremd vorgekommen, aber: "Ich dachte, so sieht man nach einem Unfall aus."

Leichnam wird noch einmal beerdigt

Die Angehörigen des 17-jährigen Bosniers besuchten ihren Sohn noch am Mittwoch in der Klinik. Dass er noch lebt, erfuhren sie aus dem Radio. Sie hatten von ihrem Sohn bereits beim Begräbnis in ihrer Heimat Abschied genommen. Die sterblichen Überreste werden nun vermutlich exhumiert und nach Kärnten überführt. Dann soll die Leiche noch einmal beerdigt werden. Diesmal werden die Eltern ihren 18-jährigen Sohn Thomas beerdigen, von dem sie bis vor kurzem geglaubt haben, er sei am Leben. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die beiden Freunde wurden selbst von ihren Angehörigen nicht erkannt: der 17-jährige Bosnier Enis (li) und der 18-jährige Österreicher Thomas (re)

Share if you care.