Gespräche ja, Zugeständnisse nein

14. Juni 2006, 15:09
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Auffallend zurückhaltend reagierten die iranischen Medien auf den Besuch von EU-Chefdiplomat Solana in Teheran

Auffallend zurückhaltend reagierten die iranischen Medien auf den Besuch von EU-Chefdiplomat Solana in Teheran. Präsident Ahmadi-Nejad nutzte eine Fernsehrede, um Gesprächsbereitschaft zu betonen - Drohungen "mit der Peitsche"seien aber wirkungslos.

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Die Zeichen stehen in Teheran diesmal nicht auf Sturm. Keine Parolen, keine Vorwürfe waren am Donnerstag, einen Tag nach der Abreise von EU-Chefdiplomat Javier Solana aus Teheran, zu hören. Dieser hatte der iranischen Führung ein Angebotspaket der UNO-Vetomächte und Deutschlands überbracht, um Teheran dazu zu bringen, die umstrittene Urananreicherung auszusetzen und zurückzukehren an den Verhandlungstisch.

Abgesehen von der konservativen Zeitung Keyhan, die in jeder westlichen Initiative eine Verschwörung gegen den Iran sieht und die in großen Lettern auf der Titelseite "Öffnen sie das Paket nicht"forderte, begrüßten fast alle iranischen Blätter den Besuch Solanas und das Angebot.

Abrücken vom Nein ohne Gesichtsverlust

Die liberalen Zeitungen konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf die Vorteile, die der Iran vermutlich erwarteten, sollte er das Angebot annehmen. Und fragten sich nebenbei, wie die Regierung von ihrem beharrlichen Nein zur Aussetzung der Urananreicherung ohne Gesichtsverlust abrücken könne. Sogar die staatlichen Rundfunksender hielten sich nach der Abreise Solanas mit kritischen Bemerkungen sehr zurück.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad signalisierte am Donnerstag in einer im Fernsehen übertragenen Rede zwar durchaus Gesprächsbereitschaft, betonte aber, mögliche Gespräche müssten auf gleicher Augenhöhe stattfinden.

Ahmadi-Nejad: "Verhandlungenin fairer Atmosphäre"

"Wir werden über gegenseitige Befürchtungen sprechen und Missverständnisse in der internationalen Arena ausräumen", sagte der Staatschef, ohne den Nuklearkonflikt ausdrücklich zu erwähnen. Verhandlungen müssten jedoch in einer fairen Atmosphäre stattfinden. Drohungen seien wirkungslos. "Wenn die internationale Gemeinschaft denkt, sie könne der iranischen Nation mit der Peitsche drohen, während sie mit uns verhandelt, sollte sie wissen, dass die iranische Nation eine solche Atmosphäre ablehnt".

So werde das Land niemals sein legitimes Recht aufgeben, unter dem Atomwaffensperrvertrag atomaren Brennstoff zu produzieren, sagte Ahmadi-Nejad. Der Westen habe dem Willen des Irans nachgegeben. "Die internationalen Monopolisten (die USA und ihre Verbündeten) sind angesichts eures Widerstandes und eurer Solidarität bezwungen und dazu gebracht worden, eure Würde und Größe anzuerkennen."Zum Vorschlag der UNO-Vetomächte äußerte sich Ahmadi-Nejad nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09. 06. 2006)

Von Amir Loghmany aus Teheran
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