Terroristen-Anführer Zarqawi bei US-Angriff getötet

12. Juni 2006, 13:19
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Internet-Erklärung der Al Kaida im Irak bestätigt Meldung der US-Armee - Terrorismusexperte: "Größerer Erfolg, als wäre Bin Laden getötet worden

Meine Damen und Herren. Die Koalitionskräfte haben den Terrorführer von Al-Kaida, Abu Mussab al-Zarkawi, und einen seiner wichtigsten Gefolgsleute, den geistigen Berater Sheikh Abdel Rahman, gestern, am 7. Juni, um 18.15 Uhr, im Zuge eines Luftschlags gegen ein isoliertes und identifiziertes Versteck getötet", erklärte der oberste US-Kommandant im Irak, General George Casey am Donnerstagmorgen.

Applaus von Premier al-Maliki

Der irakische Premier Nuri al-Maliki applaudierte bei der Pressekonferenz in Bagdad, die Journalisten schlossen sich an. Informationen von hohen irakischen Führern hätten die US-Truppen zu Zarkawi und einigen seiner Anhänger geführt, die sich etwa acht Kilometer nördlich von Bakuba zu einer Zusammenkunft aufhielten, sagte Casey weiter. Auch der jordanische Geheimdienst soll eine Rolle gespielt haben. Zwei F-16-Kampfjets hätten das Haus bombardiert. Dabei seien zwei 250-Kilogramm-Bomben abgeworfen worden.

Der Angriff galt ursprünglich gar nicht Zarkawi. Eigentlich war die US-Spezialeinheit Task Force 145 auf der Spur des geistlichen Beraters von Zarkawi, Sheikh Abdel Rahman. Die Koalitionstruppen konnten Zarkawi mittels Fingerabdrücken, anhand seines Gesichts sowie seiner bekannten Narben identifizieren. Donnerstag zeigte das US-Militär Fotos des Getöteten.

Zarkawi und sein Arm der Al-Kaida im Irak haben seit Jahren Terroraktivitäten gegen das irakische Volk betrieben, um die Bemühungen der irakischen Regierung und der Koalition zu untergraben, den Irak aufzubauen und zu stabilisieren. In seinem Heimatland Jordanien mehrfach zum Tode verurteilt, gelang es ihm, unzählige Anhänger aus der gesamten arabischen Welt für seinen Krieg zu gewinnen und als Selbstmordattentäter in den Kampf zu schicken.

Bush rechnet nicht mit Ende der Gewalt

Wenige Stunden nachdem die Tötung des Terroristen bekannt wurde, meldete sich US-Präsident George W. Bush zu Wort. Er rechne nun nicht mit einem Ende der Gewalt im Irak. Man könne erwarten, dass sie weitergehe, sagte er in Washington. Der Tod Zarkawis sei aber ein "schwerer Schlag" gegen Al-Kaida und eine neue Chance, im Kampf gegen den Terrorismus "das Blatt zu wenden". Er sagte, dass US-Spezialkräfte an Zarkawi "Gerechtigkeit geübt" hätten. Man könne Stolz sein auf die Amerikaner und "den Mut und die Professionalität der besten Armee der Welt", sagte Bush.

Zarkawis Tod sei ein "Sieg im weltweiten Krieg gegen den Terror". Auch der britische Premier Tony Blair sagte, er mache sich keine "Illusionen" darüber, dass der Tod Zarkawis ausreiche, um den Irak zurück zur Stabilität zu bringen.

Terrorismusexperte: "Größerer Erfolg, als wäre Bin Laden getötet worden

Der deutsche Terrorismusexperte Rolf Tophoven meinte zum STANDARD: "Es ist sicher ein größerer Erfolg, als wäre Osama Bin Laden getötet worden. Der ist nur ein Impulsgeber, aber Zarkawi war der operative Arm der Al-Kaida." Da Zarkawi wusste, wo Elemente des "Widerstandsnetzes", Waffendepots und Gelder sind, könnte seine Tötung "ein massiver Eingriff in die Operationsfähigkeit der islamischen Söldnergruppe" bedeuten. Verbindungsstränge - auch nach Europa - könnten nun durchschnitten sein. Die zunehmende Brutalität gegen die Schiiten sei der Anfang vom Ende gewesen. "Er war dabei, die Unterstützung der sunnitischen Bevölkerung zu verlieren", so Tophoven. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09. 06. 2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die US-Armee stellte ein Bild des bei einem Luftangriff getöteten Al Kaida-Anführers Abu Musab al-Zarqawi zur Schau.

  • Der Luftangriff soll Zarqawi bei einem Treffen mit 
Gefolgsleuten im 65 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Baquba überrascht haben.
    grafik: derstandard.at/landkarte: cia

    Der Luftangriff soll Zarqawi bei einem Treffen mit Gefolgsleuten im 65 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Baquba überrascht haben.

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