Wachgeküsst

12. Juni 2006, 09:44
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Die burgenländische Seite des Leithagebirges bietet Potenzial für wunderbare Weine - Nun haben sich 15 Winzer zusammengetan, um ebendieses entsprechend zu entwickeln

Anhand des ersten Jahrgangs der "Leithaberg"- Weine zeigten sie Luzia Schrampf, was sie sich darunter vorstellen.

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Die Voraussetzungen, am Leithaberg hochqualitative und eigenständige Weine zu machen, die sich von der Masse guter und sauber gemachter Kreszenzen abheben, waren natürlich immer da. Zwar zeigten Betriebe zwischen Jois und Eisenstadt in den vergangenen Jahren auf, werkten aber als "Einzelkämpfer" in dem gar nicht so kleinen Gebiet, das touristisch als "Kirschblütenregion" vermarktet wird. Dazu kommt ein hoher Anteil an Nebenerwerbsbetrieben, denen einerseits gute, wenn auch kleine Anlagen zur Verfügung stehen, die aber naturgemäß die wenige Zeit mehr in Weingarten und Keller, denn in Vermarktung und Präsentation stecken. Weinbaumäßig hatte man gegenüber den seit längerem organisierten und bekannteren Nachbarn - der Region um Gols, dem Seewinkel oder dem Gebiet um Rust - das Nachsehen.

"Chardonnay, Zweigelt, Blaufränkisch von den Hängen des Leithabergs schmecken definitiv anders", so Andreas Liegenfeld, Obmann und Sprecher von "Leithaberg". Auffallende Mineralität und ausgeprägte Feingliedrigkeit unterschieden die Weine dieser Region immer von jenen anderer Gebiete, wo öfter mit Alkohol-Power und Üppigkeit gearbeitet wird. Das bringt zwar größere Aufmerksamkeit bei Verkostungen, ist in punkto Weinstil jedoch nicht der einzig gangbare Weg, wie auch der derzeitige Trink-Trend zu weniger Alkohol, hin zu mehr Struktur und Eleganz, zeigt. Und Mineralität als Geschmackseigenschaft wird einerseits gerne unterschätzt, aber auch - im Kombipack mit "Terroir" - weit öfter strapaziert, als es tatsächlich Berechtigung hat.

Diese Einsichten teilten mehrere Winzer in dieser Region. Daher beschloss man, "aus den Möglichkeiten etwas zu machen", so Liegenfeld. Die Vereinigung "Leithaberg" umfasst insgesamt fünfzehn Produzenten, deren Betriebe in den Orten dieses Gebietes angesiedelt sind oder die dort Weingärten haben. Die Gruppe möchte keine reine Vermarktungsgemeinschaft sein, sondern auch an der Entwicklung von bodentechnischem Know-how arbeiten. Und man sieht sich "keinesfalls als geschlossene Gesellschaft". Vorbild sei die Pannobile-Gruppe aus Gols, die seit mehr als zehn Jahren zeigt, was mit einer eindeutigen Markt-Positionierung und gemeinsam verfolgten Zielen erreichbar ist.

Schiefer und Kalk sind die prägenden Bodenelemente, die großflächig an den südostexponierten Hängen des Leithagebirges, der Brandungszone eines prähistorischen Meeres (siehe Foto unten), verteilt sind. Dazu kommen etwa in der Joiser Gegend größere Flächen mit sandigem Lehm, die sich speziell für Rotwein eignen. Vor allem die beiden erstgenannten Elemente bilden zum Beispiel in Burgund, an der Mosel oder am Douro jene Grundlagen, auf denen große Weine entstehen können, welcher Farbe oder Stilausprägung sie jetzt auch sind. Der Wald auf den Höhenzügen des Leithagebirges und die Nähe des Neusiedlersees sorgen für die nötigen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, die für eine intensive Ausbildung von Fruchtaromen ausschlaggebend sind.

"Leithaberg": Fünfzehn Weine

Einstweilen repräsentieren fünfzehn Weine, die in mehreren Blindverkostungen herausgefiltert wurden, das, was die gemeinsame Stilistik von "Leithaberg" ausmachen soll: Hochelegante, reinsortige Weine oder Cuvées in Weiß und Rot mit Finesse, den charakteristisch steinig-mineralischen Noten und intensiven, rebsortenabhängigen Fruchtaromen. Das Spektrum umfasst einen Gutteil der burgenländischen Vielfalt und reicht vom Grüner Veltliner über Mitglieder der "kalkliebenden" Burgunderfamilie wie Chardonnay, Weiß-, Grau- und Blauburgunder bis zu Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent.

In den Diskussionen, die dem "Going Public" von Leithaberg vorangingen, einigte man sich nicht nur auf einen "Optimal-Weinstil", sondern auch auf verbindliche technologische Standards: Konzentrationsverfahren und Eichenholzchips (demnächst von der EU erlaubt) kommen nicht zum Einsatz. Für den Ausbau werden vorzugsweise Holzfässer in allen Größen verwendet. Gearbeitet wird, wenn immer möglich, mit älteren Anlagen, die dichtere Struktur in die Weine bringen als Jungpflanzen und eine gewisse Langlebigkeit möglich machen. Viele der Weingärten entlang des Leithagebirges sind Mitte und Ende der 60er gepflanzt worden. Dazu findet man zahlreiche brachliegende Flächen, die revitalisiert werden können. Die Langlebigkeit von "Leithaberg" scheint sich also in mehrfacher Hinsicht abzuzeichnen.

Im Rahmen der Vie Vinum, von 10. bis 12. Juni in der Wiener Hofburg, können alle Leithaberg-Weine gemeinsam im Festsaal verkostet werden.
(Der Standard/rondo/09/06/2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fünfzehn Produzenten, deren Betriebe zwischen Jois und Eisenstadt angesiedelt sind oder in der Region Weingärten besitzen, machen bei "Leithaberg" mit.

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