Partyzelte

13. September 2007, 16:27
posten

Das Zelt führt uns unsere nomadologische Grundlage vor Augen - Oder: "Partyzelte" sind selten von höherer Windresistenz

+++Pro
Von Ljubisa Tosic

Mutig, edel und selbstlos ist jener, der es wagt. Der sich nämlich traut, im vollen Bewusstsein der nahenden Zerstörung der geliebten Inneneinrichtung und des widerlichen Sauhaufens, den sie hinterlassen werden, Gäste in sein Domizil zu lassen, um ein festliches Beisammensein zu inszenieren. Wer die feiernde Menschenansammlung nach draußen verlegt, ist vielleicht weniger mutig. Allerdings beschert er uns mit einem Partyzelt unfreiwillig eine existenzielle Erfahrung. Und das hat was. Verdrängte Wahrheiten kommen hoch, Erinnerungen daran, dass über Nacht alles aus sein kann und man sich so plötzlich wie unerwartet wieder auf Reise begeben muss - ins Jenseits, in ein anderes Land, in ein anderes Zelt, weil Beziehungen nicht mehr laufen, wie sie sollten.

Wie die alten Zeltbewohner spüren wir, was wir nicht mehr glauben mögen, dass wir letztlich auch heute noch überall nur auf Besuch sind. Das Zelt führt uns diese unsere nomadologische Grundlage vor Augen, führt uns in eine Phase unseres historischen Seins, als wir täglich erleben mussten, was Vergänglichkeit ist. Die Bratwurst schmeckt dann umso mehr. Es könnte ja die letzte sein.

******

Contra---
Von Wolfgang Weisgram

Wenn einer auf Partys nur blöd herumsteht, weil er nicht weiß, was er mit den anderen - Party-Gästen heißen die, glaub ich - reden soll; und wenn dieser selbe dann schon bei der Vorstellung eines Camping-Urlaubes von Magenbeschwerden erfasst wird: Was soll so einer dann sagen, wenn ihm das Wort "Partyzelt" zum Schreiben hingeworfen wird wie einem Hund zum Fraß? Na eben.

Versuchen wir dennoch, die positiven Aspekte zusammenzufassen: ...???

Also gut: Wenn es regnet, kann es recht hilfreich sein, es sei denn, es geht ein bisserl Wind, was bei Sommerregen meistens der Fall ist. Privat erworbene, vom Einzelhandel einem aufs Aug gedrückte "Partyzelte" sind selten von höherer Windresistenz. Ja, es scheint sogar, dass ihnen die Luft an sich nicht gut tut. In US-amerikanischen Vorabendserien, die das Leben des mittelwestlichen Landvolkes zum Inhalt haben, stört das nicht. Aber hierzulande will man bei geselligen Zusammenkünften in der Hauptsache gesellig sein. Und sich nicht in einem fort beschäftigen müssen mit Dingen wie "Haring". Allein das beschreiben zu wollen, führte an die Grenzen der gerade noch vertretbaren Schicklichkeit.
(Der Standard/rondo/08/06/2006)

  • Artikelbild
    foto: zeltstadt.at
Share if you care.