Voestalpine mit deutlichem Gewinnplus

19. Juni 2006, 14:03
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Das Unternehmen nutzte 2005/06 die anhaltende Stahlkonjunktur und legt erneut ein Rekordjahr hin, die Dividende soll steigen, Aktie sackt ab

Wien - Die börsenotierte voestalpine AG hat am Donnerstag einen neuen Rekordgewinn gemeldet und angekündigt mit diesem umfangreich zuzukaufen sowie auch eigene Aktien einzuziehen, um den Profit die verbleibenden Anteilsscheine weiter zu erhöhen. An der Börse haben diese Ankündigungen dem größten heimischen Stahlkonzern nur wenig genützt: Der Aktienkurs lag im Abwärtssog der Märkte gegen 12 Uhr um 3,2 Prozent tiefer bei 103,8 Euro. Am 8. Mai war sie noch bei ihrem "all time high" von etwa 136 Euro gestanden.

Die am Donnerstag veröffentlichten Gewinne 2005/06 übertrafen jedenfalls die Erwartungen der Analysten: Der Umsatz erhöhte sich 2005/06 (per Ende März) um 12,5 Prozent auf 6,50 (5,78) Milliarden Euro, das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Ebit) legte um 32,5 Prozent auf 731,8 (552,5) Millionen Euro zu. Der Jahresüberschuss (fortgeführte Bereiche) kletterte um 40,6 Prozent auf 525,3 (373,5) Millionen Euro. Dieses zweite Ausnahmejahr in Folge hat sich das operative Ergebnis gegenüber dem Vorvorjahr 2004 verdreifacht, unterstrich Finanzvorstand Robert Ottel bei der Bilanzpressekonferenz. Alle vier Divisionen der Voest konnten 2005/06 ihre operativen Margen erhöhen, die Investitionen des Stahlkonzerns, der zuletzt rund 23.700 Mitarbeiter beschäftigte, lagen mit 566,3 Millionen Euro etwas über dem hohen Vorjahresniveau.

Wachstum durch Akquisitionen

Für das laufende Jahr rechnete voestalpine-Vorstandschef Wolfgang Eder mit einem "ähnlichen Ergebnis" wie 2005/06, lehnte es aber ab, eine Umsatzprognose zu geben. Wachstum durch Akqusitionen werde es definitiv geben, "wir wissen aber nicht, wie sich die Gesamtkonjunktur entwickelt", sagte Eder mit Hinweis auf Zins- und Inflationsängste, die derzeit die internationalen Aktienmärkte erschüttern. Gleichzeitig kündigte er an, nach einer gerade erfolgten Erhöhungsrunde um fünf bis sieben Prozent die Preise im dritten Quartal des Kalenderjahres erneut um zehn bis 15 Prozent erhöhen zu wollen.

Als Risiken nannte nannte Eder einen noch schwächer werdenden Dollar, der Wettbewerber aus dem Dollarraum verstärkt nach Europa locken könnte. Auf der Rohstoffseite könnte der teure Rohstoff Zink das Ergebnis um bis zu 40 bis 50 Millionen Euro belasten. Weitere nennenswerte Preisrisiken auf der Rohstoff- und Energieseite sieht Eder aber nicht.

Aktienrückkauf

Das Unternehmen will sich von der Hauptversammlung Anfang Juli einen Aktienrückkauf genehmigen zu lassen, der u.a. dazu dienen soll, Anteilsscheine aus dem Verkehr zu ziehen. Der Umfang dieser geplanten Operation wurde nicht genannt. Weiters soll der Anteil der Mitarbeiterstiftung an der voestalpine von derzeit 10,3 um 2 Prozentpunkte auf etwa 12,3 Prozent angehoben werden. Darüber liefen Verhandlungen mit dem Betriebsrat, sagte Eder. Eine Erhöhung diesen Ausmaßes würde den Rückkauf und die Weitergabe von rund 800.000 Aktien notwendig machen.

Gleichzeitig kündigte Eder an, man analysiere Zukäufe in allen drei Verarbeitungsdivisionen des Konzerns (Eisenbahnsysteme, Automotive, Profilform). Die Zukäufe, für die eine Kriegskasse von rund 1,5 Milliarden Euro existiert, könnte Firmen mit einer Umsatzgröße von 100 bis 300 Millionen Euro betreffen, hieß es. Die Profilform-Division hat bei der Veranstaltung den Erwerb eines noch ungenannten 85-Millionen-Euro-Umsatz-Unternehmens mit 200 Mitarbeitern in Frankreich angekündigt.

Die Hauptversammlung am 5. Juli soll darüber hinaus einen Aktiensplit 1:4 genehmigen, der über die Sommermonate durchgeführt werden könnte.

Management vertraut Kernaktionärsstruktur

Die voestalpine sieht sich von der laufenden Fusionswelle auf dem internationalen Parkett nicht in ihrer Eigenständigkeit bedroht und erwartet sich daraus für sich vorteilhafte Effekte: Er habe in den vergangenen Wochen Gespräche mit seinen Kernaktionären gehabt "und ich habe nicht den Eindruck, dass dort die geringste Absicht besteht, die voestalpine-Aktie gegen die Aktie eines anderen Stahlherstellers oder einer 'Heuschrecke' auszutauschen", antwortete Eder auf eine diesbezügliche Journalistenfrage.

Nach dem Totalrückzug der ÖIAG im vergangenen August befinden sich heute rund 46 Prozent der Voest-Aktien in privater österreichsicher Hand. Mehr als 15 Prozent hält eine Beteiiligungsgesellschaft um die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ), mit heute schon 10,3 Prozent ist die Mitarbeiterstiftung der bereits zweitgrößte Aktionär. Weitere 7,7 Prozent kontrolliert die Oberbank. Goldman Sachs ist mit mehr als fünf Prozent der Anteile der größte einzelne Auslandsaktionär. 24 Prozent der Investoren sitzen in Nordamerika.

Den Übernahmekampf um Arcelor und den bevorstehenden Einstieg des russischen Exil-Oligarchen Roman Abramowitsch in die Stahlbranche - samt den daraus entstehenden Fusionsentwicklungen - wollte Eder nicht konkret kommentieren. Generall seien derlei Entwicklungen "marktordnend", Fusionen würden "stabilere Preise, tendenziell auf einem höheren Niveau" begünstigen, sagte der Voest-Manager.

Eisenbahndivision verdoppelt Betriebsergebnis

Während sämtliche Sparten des Konzerns mit etwa 24.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr Umsatz und operatives Ergebnis gesteigert hatten, wies Eder auf die Verdoppelung des Betriebsergebnisses durch die Eisenbahndivision im vergangenen Jahr hin. Damit sei die im steirischen Donawitz angesiedelte Sparte, "die vor zwölf Jahren noch als Todeskandidat gegolten hat, die Division mit der höchsten Marge - hinter dem diesmal die bisherigen Leader wie Profilform und Stahl zurückstehen müssen." Die früher börsenotierte Division hat im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 1,8 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis von 248 Mio. Euro gemacht.

Zum Verfall des Aktienkurses im vergangenen Monat meinte Eder, er halte diesen für eine "gesunde Entwicklung, die zu einer neuen "Bodenbildung" führen werde. Von dieser werde die Aktie wieder steigen.

Kennzahlen 2005/06 - Veränderung

               2004/05   2005/06  Veränderg.
                 in Mio. Euro         (%)
Umsatz            5.779,1  6.501,4   +12,5
Ebitda              887,7  1.092,0   +23,0
Ebit                552,5    731,8   +32,5
Ergebnis v. Steuern 497,5    680,8   +36,8
Jahresüberschuss*   373,5    525,9   +40,6
Gewinn/Aktie (€)      9,44    13,13
Dividende/Aktie (€)   1,50     2,00
Bonus/Aktie (€)       0,60     1,10
* Ergebnis der fortgeführten Bereiche
(APA)
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