"Werte, Macht und Recht - auf der Suche nach einer europäischen Ordnung"

7. Juni 2000, 15:56

Politische Diskussion im österreichischen Pavillon über den Zustand Europas

Hannover - Der Zustand Europas im gegenwärtigen Integrationsprozess sowie Chancen für die Schaffung einer gemeinsamen Werteskala standen am Mittwoch im Mittelpunkt einer politischen Diskussion im Österreich-Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover. Teilnehmer der öffentlichen Gesprächsrunde "Werte, Macht und Recht - auf der Suche nach einer europäischen Ordnung" waren der ehemalige Premier Luxemburgs, Gaston Thorn, der Kärntner Diözesanbischof Egon Kapellari, sowie der außenpolitische Chefredakteur von "Le Monde", Daniel Vernet. Die Moderation der vom Europäischen Forum Alpbach unter österreichischer Expo-Beteiligung organisierten Veranstaltung übernahm Ex-Vizekanzler Erhard Busek.

Für die Europäer sei es Zeit zum Handeln, da sich gerade nach dem Fall des kommunistischen Regimes die Frage nach dem gemeinsamen europäischen Werten stelle, betonte Busek. Die EU-Maßnahmen gegen Österreich zeigten diese Notwendigkeit, da sich die EU-14 gerade auf diese Werte bezogen hätten. Die "Causa Österreich" habe aber nach Auffassung von Thorn den positiven Aspekt, dass sie konkret die Diskussion über eine europäische Ordnung und Innenpolitik aufgeworfen habe.

Keiner denkt richtig "europäisch"

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer darüber, dass derzeit noch keiner richtig "europäisch" denke. Die Nationen seien noch lange nicht bereit, von ihren nationalen Rechten abzugehen. Ein geeintes Europa mit einheitlicher Werteordnung - so Vernet von "Le Monde" - könnte die Garantie sein, die Vielfalt des Kontinents zu erhalten und überleben zu lassen. Somit könnte die europäische Integration eine Vorstufe zu einer künftigen weltweiten Globalordnung bilden.

Bei der Schaffung einer gemeinsamen europäischen Ordnung will sich die Kirche vor allem als "Mahner für die Werte des jüdisch-christlichen Erbes" verstehen, sagte Bischof Kapellari. Viele christliche Werte wie Solidarität und Subsidiarität hätten bereits Eingang gefunden in europäische Verträge. Die in ihren Inneren selbst noch oft uneinige Kirche wolle und müsse auf dem Bauplatz Europa mit Hand anlegen und "die harten Bretter mitbohren". Zwar könne man mit der Bergpredigt keinen Staat regieren, jedoch dafür sorgen, dass "der Mensch eine Person ist und nicht Mittel zum Zweck".

Die Diskussion wurde von 3sat aufgezeichnet und wird am 13. Juni um 10.50 Uhr ausgestrahlt.

(APA)

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