Schönheit vor Sicherheit

7. Juni 2006, 20:55
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Die heurige styriarte setzt auf Programmvielfalt

"Endlich glücklich" - das Motto der diesjährigen styrarte. Es ist dies eine jener schönen Utopien, denen auch Veranstalter nachjagen müssen. Und Mathis Huber, der Chef der styriarte, ist in diesem Punkt gut unterwegs. Im Vorjahr hatte sein Programm ein Interesse hervorgerufen, das eine Auslastung von 90 Prozent erbrachte.

Eine Dauerquelle von Glück ist für ihn natürlich auch die Präsenz von Nikolaus Harnoncourt. Müssen andere Veranstalter - wie etwa die Salzburger Festspiele - mit der Tatsache umgehen lernen, dass sich der Dirigent seine Projekte sehr genau aussucht und mit seinen Kräften verstärkt haushalten will, so kann sich Huber darauf verlassen, dass die styriarte für Harnoncourt ein echtes Anliegen bleibt.

Zwar schien es, als wollte die steirische Kulturpolitik diesem Glück ein bisschen im Wege stehen, indem sie ihre Finanzzusage für Mozarts Idomeneo, jene Oper, bei der Harnoncourt erstmals auch als Regisseur in Erscheinung treten wird, nicht mehr einhalten wollte. Diesbezügliche Gespräche sind allerdings mittlerweile glücklich verlaufen, das Projekt (2008) ist nicht mehr gefährdet.

Das Risiko Das Glück des Veranstalters hat eben auch mit dem Bewältigen von Risiko und Unsicherheit zu tun. Huber: "Wir haben 20 Jahre ohne Netz gearbeitet, das ist auch weiterhin eine Herausforderung." Das hat auch Harnoncourts Sympathie: "Ich bin immer dankbar, wenn jemand auf Schönheit setzt und nicht auf Sicherheit." Das heurige Fest wird ihn dankbar machen: Neben Harnoncourt werden auch arrivierte Künstler wie Gambist und Dirigent Jordi Savall und Cellist Heinrich Schiff anwesend sein; mit zwei Hochzeits-Versionen beschäftigen sich die Programme "Mazel tow" und "Tu felix austria". Um "Glücksorte" von Komponisten geht es bei "Mozart in Prag", "Schubert im Schilcherland" und "Chopin auf Mallorca".

Das New York der 20er und 30er Jahre mit seiner Musik von Weill, Gershwin, Berlin und Porter steht dann bei "Lucky Star" (es singt Elisabeth von Magnus) im Mittelpunkt. Einen ungewöhnlichen Filmabend gibt es ebenfalls: Das Ensemble Sarband mit Vladimir Ivanoff spielt Live-Filmmusik zum Stummfilmklassiker "Der Scheich" mit Rudolfo Valentino. Natürlich ist heuer wieder Pianist Pierre-Laurent Aimard mit zwei Konzerten zugegen. An seiner Seite ist auch das Chamber Orchestra of Europe, das in einem Konzert auch seinen 25. Geburtstag feiert. Zudem gibt es eine Iván Eröd Personale. (red/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2006)

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