In Erwartung der Art Basel

7. Juni 2006, 19:23
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Höhenflug für Willem de Kooning bei internationalen Auktionen

Bisweilen entsprechen auf Wiener Boden zelebrierte Großausstellungen der Nachfrage und dem Trend des internationalen Kunstmarktes stärker, als man annehmen möchte. Eines der gelungensten Beispiele ist die Anfang vergangenen Jahres im Kunstforum erfolgreich präsentierte Willem-de-Kooning-Retrospektive.

Denn der 1997 verstorbene amerikanische Maler mit niederländischen Wurzeln absolvierte 2005 sein bisher umsatzstärkstes Jahr: 69 Arbeiten, die in Auktionssälen den Zuschlag erhielten, erzielten fast 30 Mio. Euro und katapultierten den abstrakten Expressionisten von Platz 34 im Jahr 2004 auf Platz 6. Zum Vergleich: Ein Jahr nach seinem Tod brach der Markt völlig ein, als 42 Arbeiten mit weniger als 930.000 Dollar bilanzierten.

Aktuell dürfte die Nachfrage an seinen Werken den Ze-
nit noch nicht erreicht haben. Die USA, die mit Abstand heißeste de-Kooning-Spielwiese, schafft mit 80 Prozent des Werkangebotes satte 97 Prozent des weltweiten Umsatzes. Und als Anfang Mai dieses Jahres in New York Zeitgenössisches zur Verteilung gelangte, tauchte sein Name in allen Top-Ten-Rankings der Auktionshäuser auf.

Den höchsten Zuschlag verbuchte Sotheby's, als am Abend des 10. Mai sein 1975 gemaltes Untitled XVI entgegen den erwarteten 6,5 bis 8,5 Millionen Dollar ex aequo mit Roy Lichtensteins Sinking Sun derer 15,69 Millionen lukrierte. Als Käufer outete sich in beiden Fällen L&M Arts, die sich erst 24 Stunden davor bei Christie's eingedeckt hatten. Dort erwarb man für 10,09 Millionen eine unbetitelte Arbeit von 1961 sowie für 5,72 Millionen Dollar eine 1961-62 ausgeführte Studie zu seinen bekannten abstrakten Frauenbildern. Hinter L&M Arts stehen Robert Mnuchin, Insidern als Gründer der C&M Arts 1993 bekannt, und Dominique Lévy, ehemalige Christie's-Führungskraft. 2005 schlossen sich die beiden zu L&M Arts zusammen und nehmen in dieser neuen Formation erstmals an der von 14. bis 18. Juni stattfindenden 37. Art Basel teil. Ohne Frage, de Koonings werden zu den Highlights ihrer in einer durchschnittlichen Preisklasse von 100.000 bis fünf Mio. Dollar präsentierten Auswahl gehören. 2004 hatte man mit einer Jeff-Koons-Retrospektive auf sich aufmerksam gemacht, in Basel wird seine 1988 entstandene Arbeit Ushering in Banality zu den Highlights zählen. Soeben sicherte sich das Händlerduo die Nachlässe von Yves Klein und Joseph Cornell und hat mit der Arbeit an der 2007 geplanten Schau mit neuen Arbeiten von David Hammons begonnen.

Die derzeit in den New Yorker Ausstellungsräumen präsentierte Schau Willem de Kooning: Paintings 1975-1978 läuft dem Vernehmen nach herausragend, und erwähnte de-Kooning-Käufe wickelte man im Auftrag einer betreuten Sammlerklientel ab. (kron/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2006)

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